Foto © Rainer Worms
Neulich im Theater

Einzigartige Choreographien, die begeistern

Am vergangenen Freitag boten die „Artists in Residence“ des Landestheaters, die Delattre Dance Company, mit „Das Bildnis des Dorian Gray“ einen umjubelten Ballettauftakt der Jubiläumssaison.

Stephen Delattre choreographiert die Geschichte des ewig jungen Dorians, der vom Bösen verführt wird, auf seine ganz eigene Weise: mit einer Mischung von klassischen Elementen, über beinahe akrobatische Einlagen bis hin zu modernen, roboterähnlichen Bewegungen, gelingt es ihm, die Handlung des Romans von Oscar Wilde gut verständlich auf die Bühne des Sommertheaters zu bringen. Die musikalischen Einspielungen von Davidson Jaconello passen sich der bunten Mischung der Tanzstile an.

Die Tänzer*innen überzeugen durch enorme Präzision und hohes technisches Niveau. Die Gruppe ist wunderbar aufeinander eingestimmt, sodass selbst Streitsequenzen mit dem richtigen Maß an Harmonie und Leichtigkeit auf die Bühne gebracht werden. Voller Leidenschaft erwecken die Tänzer*innen ihre Rollen zum Leben. Keiner der Darsteller*innen vergisst auch nur eine Sekunde während des Tanzes die Rolle auch schauspielerisch auszufüllen. Igor Prandi setzt seine äußerst wandelbare Mimik perfekt ein, um die Bewunderung Basil Hallwards gegenüber der Titelrolle zu verdeutlichen, während Giovanni Fumarola einen wunderbar düsteren Lord Henry Wotton mimt. Paul Cartier gibt einen attraktiven Dorian Gray, dessen Verwandlung vom naiven Jüngling zum kaltherzigen Narzisten er sehr glaubwürdig umzusetzen weiß.

Delattre choreographiert modern und mutig, indem er den Verlust Dorians Charakters durch den Einsatz einer Armee aus Dorians mit Masken und Spiegeln, sowie eines Bordellbesuches in Begleitung Wottons verdeutlicht. Ebenso skurril wie faszinierend sind auch die Schattenwesen, welche in ihren schwarzen Ganzkörperanzügen aus Latex mit einigen Schuppenelementen an düstere Reptilien erinnern, welche sich dämonenartig an Dorian vergreifen und ihn zum Bösen verführen.

Der talentierten Truppe gelingt es somit trotz schwachen Bühnenbilds und leicht kitschig wirkenden Kostümen, das Publikum zu begeistern. Mit ihrer ausgezeichneten Darbietung sorgt sie für langanhaltenden Applaus und einige Standing Ovations.

Lena Göthe, FSJlerin der Öffentlichkeitsarbeit

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