Foto © Birgit Hupfeld
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Statisten-Casting

Seinen Namen sucht man bei Stückbeschreibungen vergebens. Doch der 53-jährige Detmolder Ralf Kramer steht schon seit den 80er Jahren regelmäßig auf den Bühnen des Landestheaters. Im Gespräch erzählt er ein wenig über die Statisterie und das aktuelles Stück, in dem er mitwirkt:  

Wann und wieso hast du als Statist angefangen?
Ich habe als 16-Jähriger angefangen, damals noch unter der Leitung von Wolf Widder und Guido Mineo. Es gab zwar immer wieder Unterbrechungen, aber nun bin ich regelmäßig als Statist für verschiedene Stücke tätig.
Meine Mutter und Großmutter hatten für das Landestheater Sonntagsabos und haben mich als Kind immer mitgenommen, so sah ich eben von Oper bis Schauspiel alles. Schauspieler wollte ich nicht werden, aber Theater wollte ich als Ausgleich spielen. Eigentlich mache ich das komplette Gegenteil und arbeite bei einem Kiosk.  

Was gefällt dir an der Statisterie?
Natürlich macht mir das Darstellerische großen Spaß. Jede Produktion ist anders und durch die Arbeit mit verschiedenen Regisseuren lernt man auch viel übers Theaterspielen. Es wird auch einiges gemeinsam entwickelt und man hat die Möglichkeit sich zu entfalten. Die Gemeinschaft mit den Leuten des Hauses schätze ich auch sehr.

In welchen Produktionen wirkst du gerade mit?
Ich spiele mit bei »The Addams Family« und bei in »80 Tagen um die Welt«. Vor allem bei ersterem müssen wir sehr vielseitig arbeiten.

Auf unserem Hoffest am 25. Mai können sich Laien in einem Casting beweisen. Was muss man als Statist*in mitbringen?
Man muss sich trauen. Denn man steht auf der Bühne und wird von allen gesehen, ich hatte auch schon einige Male Sprechrollen und um die zu schaffen braucht man Mut.
Außerdem, wenn man das wirklich machen will, sollte man zeitlich flexibel sein. Für »The Addams Family« haben wir beispielsweise mindestens vier Wochen mitgeprobt und da sollte man zuverlässig sein, wenn man zusagt. Es muss mit Konzentration aufs Stichwort geachtet werden. Regisseur Götz Hellriegel nannte uns Statisten das Gerüst, das das Spiel zusammenhält. Wenn wir schlampen ist das Spiel nicht mehr im Fluss. Präzision und Pünktlichkeit sind also auch gefordert, Teamfähigkeit vorausgesetzt. Und selbstverständlich muss man Liebe und Verständnis fürs Theater mitbringen.

Was genau machen die Statisten bei »The Addams Family«?
Wir sind vier Statisten in dem Musical und spielen zunächst die Angestellten im Hause Addams, also quasi die Handlanger des Oberdieners Lurch (Klaus Belzer). Wir tragen beispielsweise Särge und richten Möbel. In einer lustigen Schunkelnummer spielen wir aber auch mal den Tod - und heiraten als dieser zum Schluss die Großmutter!

Was gefällt dir an dem Stück?
Das Stück ist einfach für jeden etwas, für Fans von den Filmen ja sowieso. Die Inszenierung ist richtig gut, weil es von allem, also Ballett, Schauspiel und Oper, ein bisschen was drin gibt und eine gängige und zügige Musik zum mitmachen hat. Obwohl wir das Stück weit über zwanzigmal spielen, können wir alle immer wieder noch mit der Musik mitwippen. Die Vorstellungen werden einfach nicht langweilig. Abgesehen von den guten Musikeinlagen ist es auch sehr lustig und makaber.

Wie kann man sich üblicherweise als Statist bewerben – wenn jemand z. B. nicht zum Hoffest-Casting kommen kann?
Der Leiter der Statisterie ist Marco Struffolino. Bei ihm kann man sich auch online bewerben und wird, wenn man in Frage kommt, zu einem Casting eingeladen. Und wenn alles passt, ist man erstmal in der Karteikarte drin und wird immer mal wieder gefragt, ob man bei Stücken mitmachen will. In Absprache mit den Regisseuren sucht er nach Typ, Statur, Größe und Geschlecht seine Statisten für die Stücke. Viele sind schon ewig da, einige kommen immer mal wieder dazu.

Das Gespräch führte Melanie Unger.


Foto: »The Addams Family«. Ralf Kramer Zweiter von rechts.

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