Foto © Marc Lontzek
Extras

Teufelspakte

Das Motiv des Teufelspaktes ist eines, dem wir in zahlreichen literarischen Werken begegnen. Am berühmtesten vertreten ist es sicherlich in Johann Wolfgang Goethes „Faust“, aber wir begegnen ihm auch in James Krüss‘ »Timm Thaler oder das verkaufte Lachen«, Arthur Schnitzlers »Fräulein Else«  und in Wilhelm Hauffs »Das kalte Herz«.

Die Struktur ist stets dieselbe: Einer Person, die über ein ungeheuer kostbares, aber immaterielles Gut verfügt, wird (meist durch einen Verführer), im Tausch für selbiges ein weniger kostbares angeboten, das allerdings unmittelbare, sofortige Befriedigung verspricht. So kommt es, dass Heinrich Faust seine Seele für innere Ruhe und sinnliche Befriedigung, Timm Thaler sein Lachen (bzw. sein Glücksempfinden) für die Garantie, jede Wette zu gewinnen, Else ihre ›kindliche Unschuld‹ für finanzielle Sicherheit und Peter Munk sein Herz – Sitz seiner Emotionen, seiner Hoffnungen, Ängste etc. – für Reichtum und Erfolg eintauschen.

Das beim Teufelspakt angebotene Gut ist stets abstrakter Natur. Dasjenige, das der Verführte erhält, ist im Gegensatz dazu konkret, weil seine Wirkung unmittelbar greifbar bzw. spürbar ist. Dass es im Endeffekt weitaus weniger wert ist, ist eine Lektion, die der Verführte erst lernt, wenn er es nicht mehr besitzt. Dass ›geistliches‹ Glück zwar nur mittelbare, dafür aber weitaus größere Belohnung verspricht, ist die dem Teufelspaktmotiv zugrundeliegende Maxime. Es ist auch diejenige Maxime, die Jesus dem Teufel entgegenhielt, als der ihn in der Wüste dazu verlocken wollte, seinen Status als Gottessohn unter Beweis zu stellen, indem er Steine in Brot verwandelt: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht« (MT 4.4). Zwar verspricht das Brot sofortige Befriedigung der Sinne, aber Gottes Wort verspricht das Paradies – dieses Versprechen sättigt vielleicht nicht unmittelbar, dafür aber langfristig – ewig. Nun ist der Mensch aber ein sinnliches Wesen, dessen Wertekanon auf die Probe gestellt wird, wenn die Sinne drücken.

Wie Hauff diesen Konflikt literarisch aufarbeitet, können Sie in seinem Märchen »Das kalte Herz« nachlesen. Wie Katharina Torwesten Hauff wiederum interpretiert, können Sie ab dem 02.12. im Sommertheater erleben.

 

Dieser Text erscheint - in einer leicht gekürzten Version - im Gemeindebrief der Ev.-luth. Kirchengemeinde Detmold.

Zurück