Premiere: Freitag 10. Februar 2017, 19:30 Uhr Detmold, Grabbe-Haus
Dauer: ca. 90 Minuten ohne Pause

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ZARAH 47 - Das totale Lied

Musical-Solo von Peter Lund

15. März 1947 – das Landgut Lönö in Schweden. Es ist Zarahs 40. Geburtstag, doch keiner meldet sich bei ihr. Das ist sie nicht gewohnt – diese Einsamkeit. Vor kurzem noch ein gefeierter Star - und nun? Statt Fanpost stapeln sich Rechnungen auf ihrem Tisch.

 

Zarah Leander war eine Ikone auf der Leinwand und am Mikrofon. Mit Erfolgen wie „Yes Sir“ eroberte sie die Herzen der Deutschen. Doch jetzt, wo der Krieg vorbei und sie wieder in ihrer Heimat Schweden ist, interessiert sich keiner mehr für sie. Mithilfe ihrer größten musikalischen Erfolge lässt sie ihr aufregendes Leben noch einmal Revue passieren und erzählt von ihren Treffen mit Carl Froelich, Joseph Goebbels und Adolf Hitler („Hab‘ ich einmal gesehen und ihm gesagt, dass er mal was mit seinen Haaren machen muss“). Zarah muss sich eingestehen, dass sie etwas in die Jahre gekommen ist und sich fragen, ob sich ihre einst schillernde Karriere dem Ende neigt.

 

Peter Lunds Text beschreibt das Nachkriegsdasein eines UFA-Stars, der behauptet von nichts gewusst zu haben. Als Musical-Solo für eine Darstellerin wird die Einsamkeit und Verzweiflung der Zarah Leander mit viel Gefühl im Monolog reflektiert und gleichzeitig nichts über ihre wahre Rolle im 3. Reich verraten.

 

Silke Dubilier wird in der Inszenierung des Landestheaters die Rolle der Zarah übernehmen. Die Mezzosopranistin, deren Schwerpunkt Operetten- und Musicalpartien bilden, ist in der Spielzeit 2016/17 in der Musicalkomödie „Non(n)sens“ und in der Operette „Die Csárdásfürstin“ zu sehen.


Einen derart prasselnden Beifall hat auch die echte Zarah Leander in ihren Glanzzeiten erlebt, wenngleich vor wesentlich größerem Publikum. Im Grabbe-Haus hat das Landestheater "Zarah 47" auf die Bühne gebracht - mit einer brillanten Silke Dubilier.

Die kleine, von Tessa-Veronika Janus gestaltete Bühne gleicht einem mit zahlreichen Spiegeln ausgestatteten Boudoir. Links steht ein altmodisches Klavier, an dem bald ein stummer schwarzer Gast Platz nimmt. Andreas Jören, hier in der Rolle des musikalischen Leiters, hat auch die in den 1940er-Jahren erfolgreichen Hits der Schwedin so arrangiert, dass sie exakt auf die verschiedenen Lebensphasen zutreffen.

 

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Die Diva verfügte über einen beeindruckenden Kontra-Alt, ihre Darstellerin besitzt einen warm timbrierten Mezzosopran. Doch in der Inszenierung von Guta G. N. Rau vergisst man dank des nuancenreichen Spiels und der Bühnenpräsenz schnell die erheblichen Unterschiede. Das Musical-Solo von Peter Lund beginnt am 40. Geburtstag von Zarah Leander. In 90 Minuten, in denen die trinkfeste Diva 40 Gläschen Hochprozentiges konsumiert, geht es vor allem um "sechs goldene Jahre und zehn Filme" im Deutschland des Nationalsozialismus - eine Zeit, die sich nie wiederholen sollte.

 

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Als schwarze Bühnensilhouetten ziehen im Laufe des Abends die Männer ihres Lebens vorbei. Auf ihrem schwedischen Landgut hat sie genug Vermögen angehäuft, um nie wieder arbeiten zu müssen. Doch es drängt sie erneut ins Rampenlicht, in dessen Schein sie unzählige Abschiedstourneen mit ständig nachlassender Publikumspräsenz und abnehmender Stimmkraft unternimmt. In Erinnerung bleibt am Ende das "Totale Lied", das sie dem von Goebbels ausgerufenen "Totalen Krieg" entgegenschmettert: "Davon geht die Welt nicht unter!" Und plötzlich hat die Stimme von Silke Dubilier tatsächlich nicht nur das rollende "R", sondern auch die sonore Tiefe des Originals erreicht.

 

Lippische Landes-Zeitung

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