Dauer: ca. 155 Minuten mit 1 Pause

Ticket-Hotline:
05231 / 974803

Zar und Zimmermann

Komische Oper in drei Aufzügen von Albert Lortzing

Heutzutage vergnügt sich der Zuschauer mit Formaten wie »Undercover-Boss«.

 

Aber was für die Privatsender in der Doku-Soap eine Entdeckung war, ist für die Opernwelt ein alter Hut: der »Chef« inkognito. In »Zar und Zimmermann « reist der russische Zar Peter I. höchstselbst als ‚Industriespion’ nach Holland, um sich in einer Werft die Kunst des Schiffbaus anzueignen. Als Peter Michaelow freundet er sich mit dem Zimmermann Peter Iwanow an.

 

Dieser ist nicht nur Handwerker, sondern auch ein Deserteur und verliebt in die Nichte des inkompetenten Bürgermeisters. Zwei Peter an einem Ort, das ruft geradezu nach einer Verwechslungsgeschichte, vor allem, nachdem bekannt wird, dass sich der Zar in der Stadt aufhalten soll… Die Spieloper, in deren Uraufführung 1837 der Komponist selbst die Rolle des Zimmermanns sang, wurde mit ihren eindrucksvollen Chor- und Ensembleszenen rasch populär und geizt nicht mit musikalisch brillant umgesetzten komischen Einfällen.

Trailer

 


"Der deftige Spaß, zu dem Lortzing als Komponist und Librettist das Geschehen aus dem holländischen Saardam im späten 17. Jahrhundert formte, hat einen ernsten Hintergrund. Historisch verbürgt sind sowohl die zahlreichen russischen Deserteure als auch der überforderte Bürgermeister. Und auch Zar Peter I., der als "Peter der Große" zum brutalen Modernisierer des russischen Reichs wurde, heuerte in Amsterdam als Schiffsbauer an. Allerdings war sein Benehmen weit weniger edel, als es der Komponist schildert. Der Herrscher betrieb schlichtweg Werksspionage. "Angewandte Entwicklungshilfe" nennt es der ins Geschehen eingefügte Erzähler (Mathias Eysen), der die im Libretto kaum versteckten politischen Anspielungen geschickt in die Gegenwart überträgt.

 

Und so kann sich in der mit viel Situationskomik gespickten Regie von Wolf Widder ein prächtiges barockes Spiel entfalten, dessen von Petra Mollérus vor Fantasie überbordende Kostüme eine wahre Augenweide sind. Wenn sich der transparente Bühnenvorhang hebt, erscheint eine große Halle mit hölzernem Dachgebälk. Hier agieren, wie bis vor Lortzings Zeiten üblich, keine Heroen in pompösen Spektakeln mehr, sondern natürlich empfindende Menschen. Damit kommt endlich der verstärkte Chor zu seinem Recht, dem in der Einstudierung durch Marbod Kaiser ein dickes Extra-Lob gebührt. Schlichtes, unsentimentales Liedgut in zahlreichen Schattierungen bestimmt diese Form der "Spieloper". Die Skala reicht von Gefühlswärme über Koketterie bis zur drastischen Komik. Einer der Höhepunkte ist das kunstvoll gearbeitete Sextett, in dem politische Intrigen in feinsten Nuancen ausgespielt werden. Für alles sorgt das Landestheater-Orchester unter György Mészáros auf begeisternde Weise.

 

Die Spielfreude der Akteure springt schnell ins bestens besetzte Auditorium über. Eine Paraderolle für jeden Spielbass ist die Figur des Bürgermeisters van Bett. Frank Blees kann sängerisch und darstellerisch als selbstgefälliger kleiner Potentat mit beschränkten Geistesgaben überzeugen. Julian Orlishausen verleiht als Zar seiner Nostalgie innige Töne, Markus Gruber ist in Klang und Spiel ein überzeugender "falscher Peter". Mit schönem Schmelz besingt Stephen Chambers als französischer Delegierter sein geliebtes "Flandrisches Mädchen", und Katharina Ayiba gibt eine kokette Marie mit filigraner Eifersuchts-Ariette.

 

Immer wieder sind witzige Einfälle zu beklatschen. So wendet der Chor bei der berühmten Kantatenprobe die Noten ständig zur Unzeit mit großem Geraschel um, und ein Orchester aus Holz "spielt" die Ouvertüre zum nachfolgenden Holzschuhtanz, choreographiert von Richard Lowe.Der Größenwahn des Bürgermeisters steigert sich bis ins Abstruse, wenn er sich als römischer Imperator mit Toga und goldenem Lorbeerkanz dem Porträtmaler stellt. Und Michael Zehe, der als englischer Gesandter auftritt, lässt in seinem Outfit nicht den geringsten Zweifel am kriminellen Ursprung der glorreichen britischen Seemacht offen."

 

Lippische Landes-Zeitung

 

"\[...] Der Abend wird dank dem ersten Kapellmeister György Mészáros und dem Symphonischen Orchesterihnen zu einem glaubhaften Plädoyer für Lortzing. Mit einem hohen Grundtempo folgt Mészáros der heiteren Inszenierung, doch in vielen Zwischentönen legt er auch die Vielschichtigkeit der Komposition offen. Die Leichtigkeit des „deutschen Mozarts“, wie Lortzing oft genannt wird, stellt er ebenso dar wie die Möglichkeit, lustvoll mit dem Tempo zu spielen. Doch an einer Stelle wird das Orchester ganz still, die Bühne liegt im Schatten. Es ist der Moment, wo sich die Last der Krone offenbart und die Einsamkeit des Monarchen. „Und endet dies Streben und endet die Pein, so setzt man dem Kaiser ein Denkmal von Stein. Ein Denkmal im Herzen erwirbt er sich kaum, denn irdische Größe erlischt wie Traum.“ Ganz nachdenklich sitzt Bariton Julian Orlishausen an der Rampe, gestaltet diesen einzigen richtig ruhigen Moment des Abends so innig, dass dem Zuhörer die Tränen in die Augen steigen. Aber auch das Grimmige des Zaren, der auch wegen seiner Grausamkeit bekannt ist, führt er in den Stimmbändern.

 

Das übrige Ensemble folgt ihm auf hohem Niveau und viel Sinn für den Text. Wann hat man schon mal das Glück, zwei strahlende Tenöre gleichzeitig in einer Aufführung zu hören? Stephen Chambers liegt als windiger Franzose im Ensemble über den Stimmen. Markus Gruber ist mehr als nur Spieltenor, sein Peter Iwanow ist szenisch der Harlekin, vokal ein ernstzunehmender junger Mann. Katharina Ajyba pflegt als Marie die Kunst des niedlichen lyrischen Soprans. Kyong-Won Yu und Michael Zehe sind würdige Gesandte aus Russland und England. Die spielfreudige Brigitte Bauma fällt positiv als Witwe Browe auf. Frank Blees ist als Figur van Bett ein Pfund für sich. Chor und Extrachor in der Einstudierung von Marbod Kaiser sind in jeder Hinsicht großartig.

 

Das Publikum unterhält sich großartig, vor allem während der Ouvertüre, später aber auch im Sinne des Abends. Man kann förmlich spüren, wie die gute Laune steigt und dankt den richtigen Stimmungsmachern. Das Regieteam bekommt einen herzlichen Applaus. Dagegen werden alle Musiker auch ohne laute Bravo-Salven gefeiert und das vor allem lange."

 

opernnetz

  • Symphonisches Orchester
  • Damen des Opernchores
  • Herren des Opernchores
  • Extra-Chor
  • Damen des Balletts
  • Herren des Balletts
  • Statisterie
Änderungen vorbehalten!

Termine & Tickets

Keine Termine mehr in dieser Spielzeit