Dauer: ca. 110 Minuten ohne Pause

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X-Freunde

Schauspiel von Felicia Zeller

Drei Freunde auf dem (scheinbaren oder schon längst überschrittenen) Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit: Bildhauer Peter werkelt seit Jahren an mehreren Skulpturen, die Serie »X-Freunde« müsste längst vollendet sein.

 

Doch der Druck, als Künstler Verblüffendes, Eindrucksvolles liefern zu müssen, lähmt ihn. Anders geht es Managerin Anne, die sich gerade mit der Gründung einer eigenen Firma selbstständig und von der alten unabhängig gemacht hat. Telefon und Terminkalender geben bei ihr im Alltag den Takt vor. Dass darunter die Beziehung zu Koch Holger leidet, der, gerade arbeitslos geworden, jeden Abend zu Hause vergeblich auf sie wartet, nimmt sie für den Erfolg der eigenen Agentur in Kauf. Holgers einziger Lebensinhalt ist derweil das Warten auf Anne geworden. Die Freundschaft der drei hält dem Stresstest der heutigen Arbeits- als Lebenswelt nicht schadlos stand, die zwischenmenschlichen Beziehungen verkümmern unter dem allseits vorherrschenden Zeit- und Erfolgsdruck. Felicia Zeller schafft mit scharfzüngigem Witz eine groteske Überzeichnung unserer Realität.

Trailer

 


Autorin Felicitas Zeller hat mit "X-Freunde" die Verkümmerung der Sprache und damit der menschlichen Beziehungen brillant aufs Korn genommen. Jetzt hatte das Stück Premiere im Grabbe-Haus.

Was früher offenbar einmal eine aufrichtige Freundschaft zu dritt war, ist im Laufe der Jahre allenfalls zur Gewohnheit geschrumpft. Abgesehen von wenigen nostalgischen Momenten scheint sich niemand mehr für die Bedürfnisse und Verfassungen des anderen zu interessieren. Felicitas Zeller spielt souverän mit dem Sprech- und Sprachmaterial des Alltags, um die unterschiedlichen Formen von Arbeitssucht zu schildern.

Da ist Anne (Marie Luisa Kerkhoff), schier mit ihrem Smartphone verwachsen und dabei, eine eigene Firma aufzubauen. Bei ihr soll es um "Nachhaltigkeit" und damit nichts Geringeres als die Rettung der Welt gehen. Ihrem Mann Holger (Robert Oschmann), dessen Catering-Service gerade Konkurs anmelden musste, macht die Arbeitslosigkeit zu schaffen. Denn wer keine Aufgabe mehr hat, kann daran genau so verzweifeln wie einer, dem die Arbeit über den Kopf wächst. Der Bildhauer Peter (Stephan Clemens) versucht, in einer Zeit visueller Überflutung eine Skulptur als Symbol ewiger Freundschaft zu gestalten. (...) Und alle drei, die wie die Spots der Scheinwerfer umeinander kreisen, stehen unter medialem Dauerbeschuss. Er lässt ihre früher klar strukturierte Sprechweise derart verarmen, dass lediglich Satzfetzen und Stummelsätze verbleiben - ein Abbild der zunehmenden Verkümmerung ihrer Gedankenwelt.

Mathias Rümmler hat die Bühne bewusst karg angelegt. Vor der hellgrauen Lamellenwand liegen lediglich drei Schaumstoffmatten. (...) Die Autorin verlangt sprachliche Volten, Regisseurin Jessica Sonia Cremer pantomimische Fähigkeiten. Bewundernswert, wie sich die drei in Figuren verwandeln, in deren Gehirn nur noch Sprechblasen, Phrasen und Worthülsen Platz finden. Am Ende stehen Menschen, die zu gesichtslosen Schemen mutiert sind.

Einer überlebt nicht, die Zweite erweist sich trotz eines gerade überstandenen Zusammenbruchs als unbelehrbar. "Der Zeitpunkt seines Todes kam ungelegen" ist alles, was sie zum Verlust ihres Partners beizutragen hat. Allein dem Bildhauer gelingt endlich der ersehnte Erfolg, was der Autorin Gelegenheit zu einem hübschen Seitenhieb auf den derzeit üblichen Kunstkritiker-Sprech gibt.

Es gab kräftigen Applaus für eine herausragende, gemeinsame Leistung.

 

Lippische Landes-Zeitung

  • Anne Holz: Marie Luisa Kerkhoff
  • Peter Pilz, Bildhauer: Stephan Clemens
  • Holger Holz, Koch: Robert Oschmann
  • Inszenierung: Jessica Sonia Cremer
  • Ausstattung: Mathias Rümmler
  • Dramaturgie: Christian Katzschmann
  • Abendspielleitung: Deborah Krönung
  • Soufflage: Katalin Naszály
Änderungen vorbehalten!

Termine & Tickets

Fr.28. Apr
2017
19:30 - 21:20 Uhr
Ohne Pause
Detmold, Grabbe-Haus
Tickets
  • Anne Holz: Marie Luisa Kerkhoff
  • Peter Pilz, Bildhauer: Stephan Clemens
  • Holger Holz, Koch: Robert Oschmann
  • Inszenierung: Jessica Sonia Cremer
  • Ausstattung: Mathias Rümmler
  • Dramaturgie: Christian Katzschmann
  • Abendspielleitung: Deborah Krönung
  • Soufflage: Katalin Naszály
Änderungen vorbehalten!