Premiere: Freitag 09. Februar 2018, 19:30 Uhr Detmold, Landestheater
Dauer: ca. 140 Minuten mit 1 Pause

Ticket-Hotline:
05231 / 974803

Powder Her Face

Kammeroper in zwei Akten von Thomas Adès

Margaret Campbell, die berühmt-berüchtigte Duchess of Argyll, war einst eine der glamourösesten Frauengestalten der englischen Society. Auch während ihres skandalträchtigen Scheidungsprozesses im Jahr 1963 füllten die Herzogin und ihr – nach damaligen Verhältnissen – sexuell ausschweifender Lebensstil immer wieder die Spalten der britischen Boulevardpresse.

"Powder Her Face" basiert auf einer wahren Geschichte und beschreibt Aufstieg und Fall dieser kompromisslos lebensgierigen Frau, deren emanzipiertes Liebesleben öffentlich verhandelt wurde und die sich fortan als Dirty Duchess beschimpfen lassen musste. Komponist Thomas Adès und Librettist Philip Hensher zeichnen in dieser facettenreichen Kammeroper ein gefühlvolles und zugleich erschütterndes Portrait einer unangepassten Dame der Gesellschaft mit einem mehr als bewegten Leben.

Trailer

 

Musikalische Leitung: Lutz Rademacher

Inszenierung: Christian Poewe

Ausstattung: Tanja Hofmann

 

Einführungsmatinee: Sonntag, 28. Januar 2018, 11.30 Uhr, Rathaus Detmold, Marktplatz 5

 


Erstklassige Darsteller überzeugen ebenso wie die originelle Inszenierung und die musikalische Qualität

 

Eine ungemein einfallsreiche Inszenierung von Christian Poewe, ein musikalisches Puzzle unterschiedlicher Stilrichtungen, dazu ein Quartett überzeugender Sänger-Darsteller - "Powder her Face" ist der Beweis, dass auch Musik der Gegenwart ihr Publikum zu fesseln vermag.

 

(...) Musik von schwelgerischer und exzessiver Erotik ist auf der Opernbühne keine Seltenheit - man denke nur an Mozart, Wagner und Richard Strauss. Doch so direkt auf puren Sex bezogen haben sich wohl nur wenige Komponisten. Ein Höhepunkt ist die so genannte Blowjob-Arie, hier eine gleichermaßen delikat wie eindeutig inszenierte Szene, bei der die Herzogin keuchend, prustend und gedemütigt zurück bleibt.

 

Für das kleine Instrumental-Ensenble verlangt Adès eine ungewöhnliche Besetzung und hohe Virtuosität, da oft in extremen Lagen musiziert werden muss. Auch wer die darin versteckten Zitate nicht wahrnimmt, vermag sich der Faszination dieser aus funkelnden Mosaiksteinchen zusammengesetzten Klangwelt nicht zu entziehen, von Mitgliedern des Landestheater-Orchesters unter Generalmusikdirektor Lutz Rademacher furios bewältigt.

 

Der damals 24-jährige Komponist hat möglicherweise recht unbekümmert den Sängern stimmliche Eskapaden abverlangt, die Mozarts Verlangen nach einer "geläufigen Gurgel" bei weitem übertreffen. Bewundernswert, wie alle vier Darsteller in unterschiedlichen Rollen diese Herausforderung bewältigen. Eva Bernard als Herzogin mit der "Moral eines Bettpfostens" fügt Arroganz, Langeweile, Größenwahn und unbändige Sexgier zu einem Bild zusammen, das nicht unbedingt bei Jedermann Sympathie auslöst. Jeanne Séguin überzeugt als intrigantes Zimmermädchen und herrschsüchtige Domina, Michael Zehe als heuchlerischer Herzog und unnahbarer Hotelmanager. Daniel Arnaldos gestaltet vor allem als Zimmerkellner einen süffisanten Nachfolger von Thomas Manns Figur "Felix Krull".

 

Tanja Hofmann hat die Bühne als unterschiedlich beleuchtetes Hotel-Halbrund angelegt, das mit einer riesigen Ausgangstür ins Ungewisse zu führen scheint. Die Verwandlung in einen Spiegelsaal und diverse seitliche Kabinette zeigen Insignien eines Luxusdaseins.

 

In acht Bildern gewinnt das Leben der "Dirty Duchess" Gestalt. Am Ende, zum Gespött der Dienstboten geworden, blitzt die Kinderzeit noch einmal auf. Mit nur einem Pudel als Gesprächspartner zieht sie Bilanz ihres vertanen Lebens. Und damit wird sie am Ende - auch dank der darstellerischen Intensität ihrer Interpretin - doch noch zu einer fast tragischen Gestalt.

 

Lippische Landes-Zeitung

 

 

 

Das gut zweistündige Stück beleuchtet in acht Szenen einige markante Momente im Leben der Margaret von Argyll, die in Schottland geboren, in New York aufgewachsen und dann mit 17 Jahren als „Debütantin des Jahres“ 1930 in die Londoner Society eingeführt worden war. Wir erfahren von dem ewigen Ennui, über das sich die Protagonistin beklagt, dann von den Annehmlichkeiten, wenn man schon zum Frühstück den Champagner-Korken knallen lassen kann, natürlich von dem umfassenden Hotelservice, dessen ausführendes Organ, der Kellner, nicht nur Sandwiches und Getränke herbeiträgt sondern auch („Bring mir Wein. Und Fleisch. Alles was Du hast!“) seinen eigenen Körper. Das ist dann in der Oper just jener Zeitpunkt, an dem die Oralsex-Praktik der Herzogin zur vermutlich ersten „Blowjob“-Arie in der Musikgeschichte führt. Aber keine Sorge: Regisseur Christian Poewe inszeniert das absolut jugendfrei. Außer einem straffen nackten Kellner-Po ist nichts zu sehen, man macht sich nur so halt seine Gedanken.

 

(...) Christian Poewe schafft es, das Verlogene dieser Situation unterschwellig erfahrbar zu machen. Vor allem schafft er es, Szenen eines Lebens zu präsentieren, dass von irgend einem Punkt an unweigerlich in den totalen psychischen und physischen Absturz führt. „Sic transit gloria mundi“. Wobei „mundi“ durch „mulieris“ zu ersetzen wäre. Aber für Margaret geht tatsächlich eine ganze Welt zugrunde, spätestens als der Hotelmanager sie aufgrund lange unbezahlter Rechnungen vor die Tür setzt.

Poewes Inszenierung geht, so der Eindruck nach der gefeierten Premiere, eher liebevoll mit der Hauptfigur um, führt sie nicht vor, klagt sie in seiner Darstellung auch nicht an. Das macht das Personal auf der Bühne: der Elektriker, das Zimmermädchen, die den äußeren Rahmen der Oper bilden und deren Eröffnungs- und Schlussbild prägen.

 

Thomas Adès‘ Musik kommt mit 15 Instrumentalisten aus. Die allerdings bieten einen ganzen Kosmos unterschiedlich gefärbter Klänge, erinnern mitunter an die extreme Chromatik eines Gustav Mahler, an minimalistische Spielfigure à la Strawinsky, an Tango, Swing und sogar Musical-Sound - und hier und da auch an Richard Strauss. Manche Gesangspassage, die Thomas Adès beispielsweise dem Zimmermädchen abverlangt, kann es locker mit der Zerbinetta-Arie aufnehmen. Jeanne Seguin hat dafür reichlich Quecksilber in ihrem beweglichen und präzis geführten Sopran - eine Stimme, die mit Sicherheit ihren Weg machen wird!

 

Ihr Arbeitskollege im Hotel Michael Zehe lässt seinen tiefensatten Bass strömen, wird von Adès aber auch oft genug ins ausdrucksstarke Falsett hinaufgeschickt. Beides ist für ihn kein Problem. Als Richter hat er einen langen Monolog zu bewältigen, auch der gelingt ihm prächtig. Höchst erfreulich auch Daniel Arnaldos im Blaumann, der als Elektriker durchs Hotel flitzt, später dann für eben jene vergnüglichen Events der Herzogin zur Verfügung steht: ein klarer, intonationssicherer Tenor, der auch darstellerisch einiges zu bieten hat. Aber dies gilt eigentlich für alle vier Solisten, nicht zuletzt für Eva Bernard. Ihr Spiel, ihr Gesang vermitteln Authentizität, sie hat ihre Rolle ganz verinnerlicht, was vor allem gegen Ende sehr berührt: Da erreicht sie nur mühsam und über den Fußboden robbend jene zentral angeordnete runde Spielfläche, die in besseren Zeiten einmal ihre Bühne, ihr „Präsentierteller“ gewesen war. Eva Bernard legt Melancholie und Zerbrochenheit in ihre Stimme und erzielt dadurch ein Maximum an Glaubwürdigkeit.

 

Hoch konzentriert agieren die Mitglieder des Symphonischen Orchesters des Landestheaters. Lutz Rademacher lässt die komplexe Partitur sehr lebendig werden, changiert gekonnt durch die vielfältig angelegten Stile - und signalisiert nicht zuletzt in den Zwischenspielen, mit denen Thomas Adès die Opernszenen voneinander abgegrenzt, dass hier avancierte Musik fürs Musiktheater geschrieben wurde!

 

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