Premiere: Freitag 02. Juni 2017, 19:30 Uhr Detmold, Grabbe-Haus
Dauer: ca. 100 Minuten ohne Pause

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Notizen aus dem Untergrund

Monolog von Eric Bogosian

Die meiste Zeit verbringt er vor dem Fernseher, stopft Käsekräcker in sich hinein. Sonst grübelt er vor sich hin, verschafft sich ab und an autoerotisch Erleichterung und notiert die Erkenntnisse des solcherart eingeschränkten Einsiedlerlebens in einem Tagebuch.

 

Der Kontakt zur Außenwelt geht nach und nach verloren, der Anchorman der Fernsehnachrichten ist seine letzte Bezugsperson zur vermeintlichen Realität. Bisweilen rafft er sich aus der Lethargie auf, verlässt seine Behausung, bricht in fremde Wohnungen ein, um sich für kurze Momente in das wohlgeordnete Leben der anderen Menschen einzufühlen. Verabredungen mit Frauen arrangiert er zwar, doch zu einer persönlichen Kontaktaufnahme ist er nicht imstande. Schließlich entführt er zwei Kinder vom Schulhof und macht sich mit ihnen auf den Weg nach Disneyland... Eric Bogosians Monolog entwirft das Psychogramm eines völlig vereinsamten Großstädters, der mit seiner Alltagsmisere, den verpassten Möglichkeiten, dem dauerhaften Singledasein hadert. Doch gerade in der extremen Verzweiflung ist die immer noch bewahrte Lust auf das Leben zu spüren.

 

 

 

Inszenierung: Romy Dins

Ausstattung: Torsten Rauer

 

 

Premiere: Freitag, 2. Juni 2017, 19.30 Uhr, Grabbe-Haus


Auch wenn er nur schweigend dasitzt, liefert Robert Oschmann in den 100 Minuten des Monologs "Notizen aus dem Untergrund" aufreibende Spannung. (...)

Das in der Regie von Romy Dins auftretende "Ich" ist Psychopath, Soziopath, Autist, Hypochonder, Voyeur und TV-Junkie in einer Person. Seine "Wohnung", eher eine sauber gehaltene Klitsche, gleicht mit ihren zahlreichen schwarzen Gestängen eher einer abgeschlossenen Zelle. Thomas Unthan schuf ein Milieu, das die innere Beschaffenheit seines Bewohners spiegelt - einer labilen Existenz in selbst geschaffener Dunkelzone, unfähig zu Kontakten oder gar zum Zusammenleben mit anderen Menschen.

Nur zum TV-Moderator hat er eine höchst einseitige Verbindung aufgebaut: "Warmherzig, ein guter Mensch". Das "Ich" besitzt einen schwarzen Anzug mit roter Krawatte, einen Schlafanzug und einen Hausmantel, dazu rote Schuhe (Kostüme: Torsten Rauer). Und es hält sich selbst für absolut normal.

Öfter will es "gut werden, neu anfangen. Es ist nie zu spät, das zu werden, was du hättest werden können". Keineswegs ist ihm klar, dass die Realisierung dieser guten Vorsätze im Bereich der Illusion liegt. Gelegentlich unternimmt die Person verstörende Ausflüge in die Außenwelt. (...)

Beklemmend wird die Szenerie, wenn die Figur von dem Zusammensein mit Kindern als "einziger Rettung" zu fabulieren beginnt und alles in totaler Finsternis versinkt. Noch ist nichts passiert...

"Theater soll mich nicht einlullen und schläfrig machen", sagt der vielfach ausgezeichnete, in New York lebende Autor und Schauspieler Eric Bogosian. Diese Grenzüberschreitung ist ihm im Zusammenhang mit der Premiere und seinem exzellenten Interpreten Robert Oschmann verstörend gut gelungen.

 

Lippische Landes-Zeitung

 

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