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Jeda, der Schneemann

von Mark Wetter und Paul Steinmann

Jeda, der Schneemann, hat sich etwas Unmögliches in den Kopf gesetzt: Er will nicht schmelzen.

 

Er tut alles, um einen schönen Sommer zu erleben und behilft sich zum Überleben mit einem Trick: Er trinkt Eistee. Aber nicht nur die Sonne macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Auch sein Aktionsdrang und die wärmenden Gedanken an die bereits verflossene Liebe machen ihm mehr und mehr zu schaffen. Als er schließlich ein Ei aus dem Meer angelt und sich sein Eisteevorrat dem Ende zuneigt, muss er sich entscheiden: Soll er unter Einsatz seines Restlebens das Ei ausbrüten? Oder kann er, der so gerne erfahren will, was sich in dem Ei befindet, seine Neugier zügeln? Das Ende kommt unweigerlich wie der nächste Winter, doch mitnichten pessimistisch. Denn es ist ja keine Hoffnung, sondern Gewissheit: In einigen Monaten wird es wieder schneien. Und die Kinder können wieder einen Schneemann bauen und ihn zum Leben erwecken.


(...) Die Kinder- und Jugendbühne des Landestheaters zeigt die Produktion "Jeda, der Schneemann" für Theater-Fans ab vier. Die dürfen aber auch gern älter sein. Das Stück hat das, was ein gutes Familienstück ausmacht: Es spricht die diversen Altersgruppen im Publikum auf unterschiedlichen Ebenen an. Und erreicht sie verlässlich.

 

Das liegt zum einen an der Qualität des Monologs von Mark Wetter und Paul Steinmann, es liegt aber auch an der Inszenierung von Charlotte Van Kerckhoven, die kein bonbonbuntes Animationstheater auf die Bühne bringt, das die kleinen Zuschauer unablässig zum Mitmachen auffordert. Vielmehr traut sie den Kindern im Publikum in ihrer ruhigen, reduzierten Inszenierung zu, auch in poetischen, melancholischen, nachdenklichen Sequenzen nah an der Handlung zu bleiben.(...)

 

Und es liegt am facettenreichen Spiel von Adrian Thomser, der den Schneemann Jeda virtuos durch alle Stimmungen und Gefühlslagen führt. Der hat sich vorgenommen, den Sommer zu erleben. Verrückte Idee, haben seine Lieben gemeint, ehe sie nach und nach zu Wölkchen am Himmel verdampft sind. Jeda aber ist entschlossen, und tatsächlich schafft er es und erlebt Beach Life pur - mit Zitroneneis, Sommerhit-Beschallung vom Plattenspieler im Schlauchboot und aller Zeit der Welt zum beschaulichen Fischen.

 

(...)

 

Und Adrian Thomser zeichnet den Schneemann sowohl als unbeschwerte Frohnatur als auch als Siegertyp, der es tatsächlich geschafft hat, die Schneeschmelze zu überdauern. Überzeugend setzt er sein Verliebtsein, seine Lebensweisheit, seinen Spaß am Quatsch und seine Angst vorm Schmelzen ins Bild.

 

Das Stück ist lesbar als heitere, atmosphärisch dichte Märchenerzählung, aber auch als Parabel aufs Werden und Vergehen. Ganz schön traurig, oder? Nee, witzig, findet Ben, einer der jungen Vorstellungsbesucher. Und überhaupt: "Nächstes Jahr fällt doch wieder Schnee, und die Kinder bauen neue Schneemänner. Das hat Jeda doch gesagt." Stimmt, das hat er.

 

Lippische Landes-Zeitung

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