Dauer: ca. 165 Minuten mit 1 Pause

Ticket-Hotline:
05231 / 974803

Faust

von Johann Wolfgang von Goethe

Goethes »Faust« gilt nicht nur den Deutschen als bedeutendes literarisches Werk. Der Text ist eine der meistübersetzten Dichtungen überhaupt, der man allenfalls Dantes »Divina Commedia«, die »Odyssee« Homers oder die Dramen Shakespeares zur Seite stellt. Und es war nach der Bibel der am weitesten verbreitete Text in deutschen bildungsbürgerlichen Hausbibliotheken, als man noch las oder Bücher zu Hause aufbewahrte. Bis heute werden markante Zeilen aus dem Text weiterhin gerne in Feiertagsreden eingewoben: Es wird allerdings etwas Bekanntes beschworen, das tatsächlich in vielen Belangen unbekannt ist. Denn es dürfte lediglich eine verschwindende Minderheit sein, die das komplexe Werk in vollem Umfang erschlossen hat. Dabei faszinieren viele Komponenten des Faust-Stoffes, die Goethe über Jahrzehnte zur Weiterarbeit inspirierten, weiterhin, lohnt die intensive Auseinandersetzung mit einem Protagonisten, der sein Wissenwollen über das Schicksal anderer stellt. Goethe konfrontiert uns durchaus drastisch mit einer Figur, die das allgemeine Regelwerk des Lebens durchbricht, einem Selbstsüchtigen, dessen Erkenntnisdrang kein anderes Ich neben sich duldet. Faust ist ein Nomade der Entgrenzung in Gefühl, Trieb und Wissenschaft. Um Normalität, bürgerliche Moral und Gesetze schert der Neuerer und Eroberer sich nicht. Eine solche nahezu unbeschränkte Autonomie fordert heraus, die Optionen, verbrecherischen Widersprüche und verteufelten Abgründe der ‚faustischen‘ Lebenshaltung neu zu befragen.

Trailer

 

Inszenierung: Jasper Brandis

 

Ausstattung: Andreas Freichels

 

 

Wiederaufnahme: Dienstag, 5. Dezember 2017, 10 Uhr, Stadttheater Herford

 


"Aus unbändigem Forscherdrang erwächst der Drang nach immer mehr Wissen- und Erleben-Wollen. In seiner Sucht, alles und zwar sofort haben zu müssen, ist Faust eine überaus heutige Figur. Seinen bösen Geist muss er nicht herbeirufen, er trägt ihn bereits in sich. \[...]

 

Eine seiner stärksten Szenen liefert Stephan Clemens, als er im vierfach gesteigerten Religionsgespräch mit Gretchen am Ende fast explodiert. Da weiß der große Freigeist nicht mehr weiter. Ihren Dämon trägt auch das anfangs verklemmt und schüchtern wirkende Gretchen in sich. Schon die nur mühsam unterdrückte Wut, mit der sie von ihrer Verantwortung für das neugeborene Schwesterchen erzählt, lässt dunkle Ahnungen aufkommen. Nach und nach bricht die lang verborgene Aggressivität aus ihr heraus. Selbstzerstörerisch wird sie zur Mörderin ihrer Familie. Die junge Schauspielerin Nicola Schubert liefert hier ein starkes Debüt.

 

Mephisto ist in dieser Inszenierung kein Anstifter zum Bösen, denn das erledigen die Menschen schon selbst. So agiert Markus Hottgenroth in einer Glanzrolle als zynisch-melancholischer Wanderer zwischen den Welten, ein androgyner Verwandter des Till Eulenspiegel. Fausts Monologen vermag er nichts abzugewinnen. Immer wieder holt er süffisant den Doktor aus seinen idealistischen Höhenflügen auf den Boden irdischer Tatsachen zurück. Und hier tummelt sich eine überwiegend von Unsympathen bewohnte Welt. Da ist die lüsterne wie intrigante Marthe Schwerdtlein (Natascha Mamier) und das tratschsüchtige Lieschen (herrlich: Henry Klinder im rosa Fummel). \[...]

 

"Zwei Menschen brechen aus dem Kerker ihrer Existenz aus und enden im wirklichen Kerker." Dieses Fazit zieht Jasper Brandis. Denn auch unsere Gegenwart liefert ausreichend Beweise für die Folgen menschlicher Hybris."

 

Lippische Landes-Zeitung

Änderungen vorbehalten!

Termine & Tickets

Di.05. Dez
2017
10:00 - 12:45 Uhr
Pause ca. 11:30 Uhr
Herford, Stadttheater
Änderungen vorbehalten!
Mi.06. Dez
2017
10:00 - 12:45 Uhr
Pause ca. 11:30 Uhr
Herford, Stadttheater
Änderungen vorbehalten!