Premiere: Samstag 29. April 2017, 19:30 Uhr Gütersloh, Theater
Dauer: ca. 155 Minuten mit 1 Pause

Ticket-Hotline:
05231 / 974803

Elegie für junge Liebende

Oper in drei Akten von Hans Werner Henze

Dieser Mann geht im Namen der Kunst über Leichen: Der Dichter Gregor Mittenhofer ist die zentrale Gestalt in Hans Werner Henzes 1961 uraufgeführter Oper.

 

Man liegt ihm zu Füßen, Musen umschwirren ihn, ein Arzt und eine Sekretärin sind für ihn im Dauereinsatz. Er beutet sie alle aus, zieht Energie, tyrannisiert. Schließlich braucht er Inspirationen für sein ultimatives Gedicht, eine Elegie mit dem Arbeitstitel »Die jungen Liebenden«. Seine junge Gefährtin Elisabeth und der in sie verliebte Arztsohn Toni müssen für den skrupellosen Poeten ein Edelweiß aus einer abgelegenen Gegend am Hammerhorn besorgen. Dass sie dabei ihr Leben riskieren, ist dem Autor nur recht, für kreative Anregung ist damit gesorgt, die Elegie kann vollendet und öffentlich vorgestellt werden.

 

Der Librettist W. H. Auden stellte der Oper ein Zitat von William Butler Yeats voran: »Der Geist des Menschen muss sich entscheiden für die Vollkommenheit des Lebens oder des Werkes.« Die Bedürfnisse des Lebens sind nicht unbedingt identisch mit den Erfordernissen der Kunst: Diese bittere Erfahrung machen freiwillig oder erzwungenermaßen die Akteure in Henzes Werk, das kunstreich und luzide Anspielungen aus der Musikhistorie zitiert, montiert und parodiert. Was der Avantgarde einst viel zu ,schön‘ vorkam, erschließt sich heutigen Ohren wohl leichter: die besondere Raffinesse, das Klangsinnliche, die Schönheit dieser Oper.

Trailer

 

Musikalische Leitung: Lutz Rademacher

Inszenierung: Kay Metzger

Ausstattung: Michael Heinrich

 

 

Einführungsmatinee:

Sonntag, 23. April 2017, 11.30 Uhr, Ressource, Allee 11

 

 

Premieren:

Samstag, 29. April 2017, 19.30 Uhr, Theater Gütersloh

Freitag, 5. Mai 2017, 19.30 Uhr, Landestheater


Welche Wirklichkeit wollen wir sehen?

 

Eine Premiere im fremden Haus? Man kann es als Hommage an Hans Werner Henze auffassen, dass das Landestheater Detmold die Elegie für junge Liebende zuerst im benachbarten Gütersloh präsentiert - schließlich wurde der Komponist 1926 eben hier geboren. Auch ist das unterkühlt elegante Gütersloher Stadttheater, 2010 eröffnet, ein aus Detmolder Sicht grundsätzlich nahe gelegener Kooperationspartner, noch dazu mit ganz hervorragender Akustik für diese Musik: Die Sängerinnen und Sänger klingen auch im Piano ungemein präsent und raumfüllend. (...)

Für Henze war die Oper eine Standortbestimmung innerhalb der Musikszene seiner Zeit, in der er dem konservativen Publikum zu neutönerisch, der Avantgarde zu konventionell komponierte. Inhaltlich leben da sechs Personen in ihrer jeweils eigenen Kunst-Welt, wobei der geniale Künstler im wahrsten Wortsinn über Leichen geht - das lässt sich auf den Geniekult des 19. Jahrhunderts übertragen, aber auch auf die in ihren Ansprüchen und ihrer Ablehnung aller anderen Strömungen radikale Avantgarde um Pierre Boulez herum, der bekanntlich Opernhäuser am liebsten hätte anzünden wollen. Musikalisch komponiert Henze ganz konventionell eine linear erzählte Nummernoper mit Arien und Ensembles, was in dieser Inszenierung noch unterstrichen wird, indem die Bezeichnungen der 34 Szenen per Lautsprecher in die Aufführung hineingesprochen werden. Die ungemein fein ausgearbeitete, farbige, komplexe Musik, die jedem der Protagonisten ein oder mehrere charakteristische Instrumente zuordnet, ist bei aller klanglichen Raffinesse nicht anbiedernd, sondern verlangt sehr genaues Zuhören. Die Librettisten Wystan H. Auden und Chester Kallman wiederum spielen auf Hugo von Hofmannsthal an, auf dessen Textbuch zum Rosenkavalier, in erster Linie mit sprachlichen Reminiszenzen, aber man kann auch die Konstellation - eine junge Frau zwischen einem erfolgreichen alternden Mann und einem jugendlichen Liebhaber - als negatives Pendant zum Rosenkavalier auffassen, bei dem es keine wehmütige Entsagung gibt, sondern kalkulierte Rache. Kurzum: Diese Elegie ist eine komplizierte Angelegenheit.

Regie führt Intendant Kay Metzger persönlich mit seinen bewährten ein wenig comic-haften Ästhetik der klaren, gleichwohl vielschichtigen Bilder. Ausstatter Michael Heinrich hat sehr geschickt den Berggasthof "Zum schwarzen Adler" an der Grenze zwischen der realen und einer surrealen Welt gestaltet. Zwar sieht man einerseits ganz konkret das Interieur des Hotels, das sich in einer Terrasse zur Bergwelt hin öffnet, aber die bewusst kulissenhaften Wände sind oben bereits gezackt wie die Bergkulisse, die wiederum aussieht wie mit Tüchern abgedecktes Mobiliar, aber durch grandiose Lichtwechsel ohne weiteres den Schneesturm erahnen lässt. Innen und außen bleiben ebenso unklar wie Realität und Einbildung. Kunst und Wirklichkeit greifen untrennbar ineinander. (...)

Sehr eindrucksvoll ist die musikalische Umsetzung. Andreas Jören ist ein eloquenter Dichter Mittenhofer, mit wehenden weißen Haaren an den alten Franz Liszt erinnernd, der die Partie nuanciert zwischen delikatem Parlando und gewaltigen Ausbrüchen gestaltet. Die junge Kirsten Labonte hat für die Hilde Mack leuchtende und bestechend klare Koloraturen - wobei die Stimme im Charakter viel zu jugendlich ist für eine Witwe, die ihr Leben durch Warten verloren hat, aber sei's drum, gesungen ist das ausgezeichnet. Das Timbre von Eva Bernhard als Elisabeth ist Geschackssache, die Stimme ist expressiv geführt. Katharina von Bülow überzeugt als ausdrucksstarke Gräfin Caroline, Mäzenin und Sekretärin Mittenhofers. Tenor Michael Zehe ist, nicht unpassend, ein etwas braver Toni, Stephen Chambers gibt souverän dessen Vater, den Arzt Reischmann. Lutz Rademacher leitet umsichtig die Musiker des Detmolder Orchesters, immer auf kammermusikalisch leichten Klang bedacht, der den Sängern und der Textverständlichkeit den Vorrang lässt (trotzdem wären Übertitel hilfreich). So entwickelt sich unprätentiös das feine Kammerspiel, das wie ein Krimi seinem zynischen Ende entgegen läuft. Am Ende wendet sich Mittenhofer mit dem Vortrag seiner Elegie ganz direkt an das Opernpublikum. So habt Ihr Euren Künstler doch gewollt, scheint er zu sagen. Noch interessanter ist freilich die Frage, wie sich die Wirklichkeit konstruiert. Auch wenn die Regie das nur zum Teil einlöst, bleibt die Elegie für junge Liebende ein spannendes Stück.

 

FAZIT

 

Musikalisch eine exzellente, szenisch eine solide Umsetzung von Henzes zu Recht vergleichsweise oft gespielter Elegie.

 

Stefan Schmöe, Online Musik Magazin

 

  • Symphonisches Orchester
  • Statisterie
Änderungen vorbehalten!

Termine & Tickets

Mi.04. Okt
2017
19:30 - 22:05 Uhr
Pause ca. 20:30 Uhr
Detmold, Landestheater
  • Symphonisches Orchester
  • Statisterie
Änderungen vorbehalten!
So.15. Okt
2017
18:00 - 20:35 Uhr
Pause ca. 19:00 Uhr
Wolfsburg, Theater
  • Symphonisches Orchester
Änderungen vorbehalten!
Mi.25. Okt
2017
19:30 - 22:05 Uhr
Pause ca. 20:30 Uhr
Detmold, Landestheater
  • Symphonisches Orchester
  • Statisterie
Änderungen vorbehalten!
Fr.17. Nov
2017
19:30 - 22:05 Uhr
Pause ca. 20:30 Uhr
Detmold, Landestheater
  • Symphonisches Orchester
  • Statisterie
Änderungen vorbehalten!
Sa.25. Nov
2017
19:30 - 22:05 Uhr
Pause ca. 20:30 Uhr
Detmold, Landestheater
  • Symphonisches Orchester
  • Statisterie
Änderungen vorbehalten!