Premiere: Sonntag 18. September 2016, 16:00 Uhr Detmold, Landestheater
Dauer: ca. 360 Minuten mit 2 Pausen

Ticket-Hotline:
05231 / 974803

Die Meistersinger von Nürnberg

Oper in drei Akten von Richard Wagner

Sie nehmen sich unglaublich wichtig, die Meister aus der Bussi-Bussi-Gesellschaft Nürnbergs, die neben ihrem jeweiligen Brotberuf auch das Hobby des Verseschmiedens pflegen. Diese Klein-Kunst zelebrieren sie nach althergebrachten Regeln um ihrer selbst willen. Wer in diesen erlauchten Kreis aufgenommen werden will, sollte sich bei seinem Bewerberlied möglichst exakt an die skurrilen Vorgaben der Satzung halten. Und daher wird auch der junge Walther von Stolzing zunächst skeptisch beäugt. Doch er lässt nicht locker und hat dabei wirksame Unterstützung, denn Hans Sachs, weitsichtiger als die sonstige Sanges-Gilde und überaus angesehen in der Stadt, ermuntert ihn zu einem erneuten Versuch. Denn es gilt nicht nur die Honoratioren, sondern vor allem auch Eva, die Tochter des reichen Goldschmiedes, von sich zu überzeugen. Das spornt ihn an und er begeistert mit seinem ungestümen Temperament und seinem Talent schließlich sowohl die Bürger als auch die zukünftige Braut.

In seiner Oper zeichnet Richard Wagner das Bild einer städtischen Gesellschaft, die Kunst nur einen Wert zubilligt, wenn sie konservativen Anschauungen entspricht. Erhielte sie nicht neue Impulse von außen, drohte mit ihr auch die Kommune in biedere Behäbigkeit abzusinken.

Trailer

 

Musikalische Leitung: Lutz Rademacher

Inszenierung: Kay Metzger

Ausstattung: Petra Mollérus

 

Einführungsmatinee: Sonntag, 11. September 2016, N.N.

PREMIERE: Sonntag, 18. September 2016, Landestheater

Vorstellungen: So, 16.10./ So, 20.11./ Sa, 17.12.2016/ Sa, 11.2./ Sa, 20.5.2017

 


"Nicht enden wollender Beifall hat am Sonntag das Landestheater erfüllt. Mit der ersten "großen" Premiere der neuen Spielzeit hat Intendant Kay Metzger die Zielgerade seiner Wagner-Inszenierungen erreicht.

 

Lange hat es gedauert, bis Wagners einzige komische Oper vom Ruch der Nazi-Jahre befreit werden konnte. Erst Wieland Wagner gelang Mitte der 1950er-Jahre die totale Entstaubung. Und genau in dieser Zeit siedelt Metzger jetzt das Geschehen an - weg vom Mief altfränkischer Butzenscheiben-Romantik, hin zum Mief trister Vorstadtgassen und angestaubter Großbürger-Villen.

Ausstatterin Petra Mollérus versteht es, schon im Outfit der handelnden Personen deren Charakter zu kennzeichnen. Zum Teil etwas langatmig geratene Passagen werden durch kleine, feine Gags belebt. So fliegen ständig Notenblätter durch die Gegend, und die dröge Erläuterung der Meisterregeln wird durch witzige Folien illustriert. (...)

 

Unverkennbar ist in Metzgers Inszenierung die von Wagner gewollte Beziehung auf Shakespeares "Sommernachtstraum". (...) Zudem war es ein trefflicher Gedanke, der Handlung einen mit Spock-Ohren versehenen Kobold in Gestalt des nicht minder trefflichen Tänzers Gaëtan Chailly hinzuzufügen.

 

Generalmusikdirektor Lutz Rademacher versteht es, dem vielzitierten "blechgepanzerten C-Dur" seine Dichte zu nehmen und leitet das famose Landestheater-Orchester zügig und pathosfrei. Wendig begleitet es das Geschehen und erreicht beim großen Sachs-Monolog des dritten Aktes eine bezwingend meditative Verinnerlichung.

 

Überhaupt: Hans Sachs! Derrick Ballard ist ein deftiges Mannsbild mit zarter Seele und gebietet über ein schier unerschöpfliches Reservoir an Stimmkraft und Stimmfärbung. Auch Heiko Börner verfügt als Walther über die perfekte Mischung heldischer und lyrischer Klangfarben, die diese Rolle verlangt. Eva Bernard erkämpft sich als Evchen ihre Liebe mit lyrischen Spitzentönen. Andreas Jören kommt als Sixtus Beckmesser in einem Aufzug daher, den man früher als "Hagestolz" bezeichnet hätte - eine skurrile Figur, die bis zum Ende an ihrer Merker-Macke festhält. Christoph Stephinger gibt einen sonoren Pogner, Stephen Chambers agiert als Lehrbube David stimmlich und körperlich äußerst wendig. Beachtlich in der Riege der hervorragenden Meistersinger ist Insu Hwang als Kothner. Und der von Marbod Kaiser einstudierte, verstärkte Chor liefert wieder einmal eine Meisterleistung ab.

 

Der Kobold, der mit allen seinen Schabernack treibt, nimmt auch der fein ironisierten Schlussszene die textliche Peinlichkeit. Am Ende ist der zum Großbürger mutierte Edelmann domestiziert. Und ab geht es in die Idylle des trauten Heims, das bereits in der Schusterstube erträumt wurde.

 

 

Lippische Landes-Zeitung

 

 

 

"(...) Ganz am Anfang der Inszenierung steht – ein Kobold! Der schiebt den Vorhang beiseite und ist (fast) den ganzen Abend über omnipräsent. (...) Metzger bezieht sich ausdrücklich auf Shakespeare, dessen „Sommernachtstraum“ auch Richard Wagner überaus schätzte. So pustet die Regie eine frische Brise in das Libretto, nimmt ihm ein Stück seiner erdenhaften Schwere, seiner Betulichkeit, überspielt Längen und fegt jeden Anflug von Langeweile beiseite, schreckt dabei auch nicht vor Slapstickeinlagen zurück – Ein rundes Konzept.

 

Und es wird durch die Bank gut gesungen: Da sind die von Marbod Kaiser einstudierten Chöre, die auch darstellerisch überzeugen. Die meisten der vielen Solistenrollen kann Metzger mit hauseigenen Kräften besetzen, er ergänzt mit wenigen Gästen. Christoph Stephinger als Veit Pogner ist eher liebevoller Vater denn gestrenger Zunftmeister, Gritt Gnauck eine absolut verlässliche Magdalene. Andreas Jören gibt den verprügelten Beckmesser als leicht trotteligen Typen. Heiko Börners Walther von Stolzing fehlt es nicht an Strahlkraft, ein Mehr an Nuancenreichtum könnte er allerdings mobilisieren. Eva Bernard hat ebenfalls genügend Power für die Eva, (...).

 

Jede Menge Zwischentöne entwickelt Derrick Ballard für den Hans Sachs. Er ist väterlicher Freund genauso wie intriganter Strippenzieher und enttäuscht Liebender – ein schönes Rollenportrait. Die Entdeckung an diesem Abend ist aber Stephen Chambers als David. Wunderschön ebenmäßig, kraftvoll und verletzlich zugleich strahlt sein Tenor. Den richtigen Zugriff auf Wagners Musik beweist auch Lutz Rademacher am Pult des bestens aufgelegten Detmolder Sinfonieorchesters. Fazit: eine große Leistung eines doch eher kleinen, aber feinen Hauses."

 

NMZ

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