Premiere: Freitag 19. Januar 2018, 19:30 Uhr Detmold, Landestheater
Dauer: ca. 90 Minuten ohne Pause

Ticket-Hotline:
05231 / 974803

Das Fest

Schauspiel nach dem gleichnamigen Film von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov

Helge, Patriarch der Familie Klingenfeld-Hansen, wird 60 Jahre alt! Dass so ein Ehrentag gebührend gefeiert werden muss, steht außer Frage. So finden sich neben den drei Kindern des Jubilars – Anhang inklusive – auch nahe und ferne Verwandte sowie Bekannte der Familie auf dem ländlich- idyllischen Anwesen der Klingenfeld-Hansens ein, um dem Familienoberhaupt zu gratulieren. Doch die verordnete Familienidylle hält nicht lang: Der jüngste Sohn Michael steckt in einer tiefen Ehekrise. Said, der neue Freund der Tochter Helene, entspricht nicht den Erwartungen der Gesellschaft und der noch nicht allzu lang zurückliegende Selbstmord der Tochter Linda schwebt wie ein unheilvoller Schatten über den Feierlichkeiten. Als der älteste Sohn Christian seine Laudatio nutzt, um den Gefeierten mit einem ungeheuerlichen Vorwurf zu konfrontieren, ist die Irritation groß: Er beschuldigt den Vater, ihn und seine Zwillingsschwester Linda als Kinder regelmäßig sexuell missbraucht zu haben. Hat Christian etwa den Verstand verloren? Die Festgesellschaft ignoriert erst einmal das Geschehene und feiert weiter. Bis Lindas Abschiedsbrief auftaucht und die Demontage des Familienoberhaupts ihren Lauf nimmt.

Thomas Vinterbergs und Mogens Rukovs Enthüllungsgeschichte über die Abgründe der gutbürgerlichen Gesellschaft sorgte Ende der 1990er Jahre als erste Verfilmung nach den zehn Regeln des "Dogma 95"-Manifests für internationales Aufsehen und bewährte sich auch als beklemmender Stoff auf der Theaterbühne. In der Inszenierung des Landestheaters wird Peter Gustav Wöhler als Gast die Rolle des Patriarchen Helge übernehmen. Wöhler gehört seit vielen Jahren zu den bekanntesten deutschen Theater- und Filmschauspielern.

Trailer

 

Inszenierung: Martin Pfaff

Ausstattung: Petra Mollérus

 

Einführungsmatinee: Sonntag, 14. Januar 2018, 11.30 Uhr, Ressource Detmold, Allee 11

 


Die Detmolder Produktion punktet mit einer dichten Inszenierung und einem toll aufspielenden Ensemble

Alle sind sie da, fein gemacht, es gibt was zu feiern: Vater wird 60. Auf die Familie! Am Ende des Abends ist besagte Familie zerstört, und auf der Bühne stehen statt Menschen nur noch Ruinen. "Das Fest" hat im Detmolder Landestheater eine überaus stark gespielte, von Schauspieldirektor Martin Pfaff dicht inszenierte und durch und durch beklemmende Premiere erlebt.

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Mit nahezu antiker Vehemenz kommt das Drama daher, mit Blick auf Dramaturgie und Stoff: Es geht um Wahrheit, um Verdrängung, um Macht und Missbrauch, um Schuld. Und um die Frage, ob ein über Jahrzehnte eingespieltes Familiensystem stark genug ist, perverse Geheimnisse aus der eigenen Vergangenheit zu löschen.

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Das Detmolder Regie-Team legt die Inszenierung puristisch an. Ausstatterin Petra Mollérus stellt eine Reihe von Stelen auf die Bühne, die das Familien-Hotel als Schauplatz der Feier symbolisieren. Und Regisseur Martin Pfaff bleibt nah am Stoff, inszeniert dicht, intensiv, macht die Zuschauer nicht erst im Finale an der Festtafel, die zum Publikum hin offen ist, zum Teil der Geburtstagsgesellschaft - und er richtet den Fokus konsequent aufs Ensemble.

Das zeigt eine großartige Leistung. Gustav Peter Wöhler, prominenter Gast in der Rolle des Helge, bedient gekonnt die Facette des erfolgreichen, jovialen Hoteliers, der gern flache Witze erzählt, und die des Monster, der seine eigenen Kinder missbraucht und auf die Frage nach dem Warum ruhig und fast beiläufig den verstörend bösen Satz sagt: "Ihr wart nicht mehr wert." Ein ungemein starkes Gegenüber findet er in Markus Hottgenroth, der der Figur des Christian eindringlich den Mut des Verzweifelten verleiht, dessen Leidensdruck so hoch ist, dass er bereit ist, sich in seinem Kampf um die Wahrheit gegen die eigene Familie zu stellen, wohl wissend, dass ihm Anfeindung und Ausgrenzung drohen.

Kerstin Klinder setzt eindrucksvoll die mitwissende Mutter ins Bild, die um jeden Preis das Bild der perfekten Familie wahren will, die ihre Kinder manipuliert und sich am Ende doch gegen ihren Mann entscheidet. Und Hubertus Brandt als Sohn Michael gibt sich als Macho, buhlt um die Anerkennung des Vaters und schickt sich am Ende - so unverdrossen wie unsympathisch - an, das patriarchale Erbe anzutreten.

Bis in die kleinen Rollen hinein ist das Stück hervorragend besetzt, das Ensemble versteht es, eine mitreißende Dynamik aufzubauen und zeigt eine großartige Gesamtleistung. Der Fokus liegt auf dem gesamten Ensemble - auch zum Schlussapplaus treten die Schauspieler allesamt gemeinsam an. Und der fällt, völlig zu Recht, lang und üppig aus.

Lippische Landes-Zeitung

 

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