Premiere: Freitag 26. Januar 2018, 19:30 Uhr Detmold, Grabbe-Haus
Dauer: ca. 90 Minuten ohne Pause

Ticket-Hotline:
05231 / 974803

Asche

Monolog von Konstantin Küspert

"...und jeden morgen beginnt man von neuem, geht in eine richtung, einen block, ein paar tausend schritte vielleicht, erwandert sich die stadt, durch die ziellose suche, das suchen nach den substanzen die man halt suchen muss um weiterzumachen..." – Ein Mensch irrt umher, allein, auf sich selbst zurückgeworfen in einer nach-apokalyptischen Welt. Orientierung bietet nur die Sonne, sonst ringsum Brachland und Wüste. Was heißt Dasein überhaupt unter solchen Vorzeichen? Was treibt einen Menschen weiter an, ein Leben im Tod fortzusetzen? Der einsame Sinnsucher ringt im Gespräch mit sich selbst nach einer Entscheidung: aufgeben oder sich, umgeben von Zerstörtem, behaupten.

Konstantin Küspert lässt den Zuschauer in diesem bewegenden Theatertext Zeuge eines symptomatischen Sterbeprozesses werden. Im Für und Wider von Überlebenswillen und Erschöpfung spricht sich im Verzweifeln und Aufbäumen ein völlig Isolierter aus, stellvertretend für uns alle.

Trailer

 

Inszenierung: Kathrin Mayr

Ausstattung: Fabian Wendling

 

Bitte beachten Sie, dass bei dieser Produktion der Einlass inszenierungsbedingt erst 10 Minuten vor Vorstellungsbeginn erfolgt.

 


(...) Konstantin Küspert kommt in diesem sachlich dunklen Gedankenexperiment vom konkreten Ausgangskonflikt ins ganz große Hamlet-Grübeln: Sein oder nicht Sein …

 

Da liegt er also, der „Mensch“ in seiner existenzialistischen Grundsituation auf einer 45 Grad in den Theaterraum gekippten Spielebene (Bühne und Kostüm: Fabian Wendling), die reichlich Möglichkeiten für Gratwanderungen am Abgrund bietet. Der Holzboden – grau meliert. Das Kostüm: von obdachloser Schäbigkeit. Die Wände: von bruchsteinroher Historizität.

 

(...) wie tot liegt er da, Hartmut Jonas als „Mensch“. Gibt mit leichtem Schnaufen erste Lebenszeichen. Mit leisem Stöhnen rappelt er sich auf und frohlockt: „Wenigstens die Sonne ist noch die gleiche.“ Denn um ihn sei nur noch Wüste, sagt er. (...)

 

Es ist die poetische Klarheit der Sprache, die dem handlungslos folgenden Diskurs gebannt folgen lässt. Denn der „Mensch“ ist hin und her gerissen, ob er die Selbstvernichtung als des Menschen Weisheit letzter Schluss akzeptieren soll, sich also einfach hinlegen, in Ruhe und Frieden dem Untergang erliegen und sich als lebensunwürdig euthanasieren – oder gilt es, sich zu wehren? Schließlich funktionieren Körper und Geist „noch leidlich“, wie er sagt. Auch der Nicht-aufgeben-Trieb tut seinen Dienst, und stets lässt sich irgendwo eine nicht pulverisierte Dose Ravioli ausbuddeln und damit das eigene Kraftwerk füttern. (...)

 

Die Sinnstiftungsdebatte wird mit sonor vibrierender und bärtiger Artikulation, aber auch mit kernig lauten Gefühlsausbrüchen in heldenhafter Männlichkeit dargeboten. Nur, warum redet der „Mensch“ überhaupt? So ganz allein? Nicht so klar. Er berichtet zwar mal vom Bunkerleben mit anderen Überlebenden, aber die scheinen ihm abhanden gekommen, nur noch in seinem Verfolgungswahn real zu sein. Da er als Diskussionspartner aber ein Gegenüber braucht und Darsteller Jonas jemanden zum Anspielen, so spricht er das Publikum direkt an. Als wäre es die mephistophelische Widerspruchsstimme in seinem Kopf. Muss sich auch immer mal wieder beschimpfen lassen – und ist so unmittelbar in die Auseinandersetzungen eingebunden.

 

Zu erleben ist eine angenehm moralinfreie, sich immer wieder selbst ins Wort fallende Reflexion in einer stückdienlichen Uraufführung. Dank einer genau die roten Fäden der Textflächen sezierenden Sprachregie Kathrin Mayrs – und einem das Denken zwischen Aufbruch und Aufgabe physisch wie emotional beglaubigenden Darstellers.

 

Die Deutsche Bühne

 

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