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Am Strand der weiten Welt

Schauspiel von Simon Stephens

Die Holmes sind eine glückliche Familie. Peter leitet die Firma seines Vaters und restauriert alte Häuser, seine Frau Alice kümmert sich um die zwei Söhne Alex und Christopher. Es ist ein friedlicher Sonntagmorgen. Alex und seine Freundin Sarah wollen ins nahe Manchester, Freunde treffen. Christopher radelt zum Flughafen, den an- und abfliegenden Maschinen zuschauen. Doch die Wochenend-Idylle findet ein jähes Ende, als ein Unfall passiert und das Leben der Familie für immer verändert. Nichts wird wieder so sein wie zuvor...

 

Simon Stephens lässt uns mit scheinbar zufällig ausgewählten Augenblicken am Leben einer Familie teilhaben, bringt das Ungesagte, Hintergründige in ihrem Zusammensein zum Vorschein. Seine 2006 mit dem Laurence Olivier Award ausgezeichnete Familiensaga ist ein berührendes Stück über die Erschütterung, die ein Todesfall innerhalb einer Familie auslöst, aber mindestens ebenso eines über die tröstende und erlösende Kraft der Liebe.


Nirgends ist man einsamer als in einer Familie. Mit Simon Stephens' Familienstück "Am Strand der weiten Welt" hat das Landestheater Detmold das NRW-Theatertreffen eröffnet. Das Publikum erlebte eine so berührende wie beklemmende Premiere.

Vater, Mutter, zwei Söhne, die erste Freundin, die Großeltern: Familie Holmes lebt in Stockport. Dann lässt ein Unglück die vermeintliche Normalität kippen (...).

Mit dem Unglück bestätigt sich die Ahnung, dass schon vorher nicht alles gut war. Zur Einsamkeit gesellt sich der Schmerz und wird von den Figuren höchst unterschiedlich ausgelebt. Bruder Alex nimmt sich zurück, wie maschinengesteuert wirkt Lukas Schrenks Agieren auf der Bühne. Vater Peter kapituliert vor den Gefühlen, die sich diesmal nicht durch Witze und Kumpelhaftigkeit übermalen lassen. Und Natascha Mamier in der Rolle von Mutter Alice strampelt verzweifelt, um nicht unterzugehen in der sie überrollenden Welle des Schmerzes.

Simon Stephens Dialoge sind stark - gerade weil sie ohne allzu viele Worte auskommen. Regisseur Martin Pfaff und seine Darsteller setzen auf zarte, aber sprechende Gesten, eine Handbewegung nur, und doch ist alles klar. Dass die Gesten wirken können, dafür sorgt Ausstatterin Petra Mollérus mit einem überaus reduzierten Bühnenbild. Ein paar Stühle, ein Stapel Paletten mit Dosenbier und eine weiße Stoffbahn, die der Bühne Weite gibt, die hier auch Haltlosigkeit bedeutet: Das reicht. Nichts, was vom Tun der Schauspieler ablenken könnte. Und die leisten Grandioses an diesem Abend. (...)

Und Pfaff hat den perfekten Umgang mit dem Stoff gefunden: Er bleibt zu jedem Zeitpunkt im Moment. Im Moment, der jetzt ist und durchlebt werden will. Aus solchen Momenten setzt sich das Leben zusammen. Das endlos scheint, aber doch - nichts ist sicherer - enden wird. Auch diese Endlichkeit schwingt mit, in jedem Moment. Harfenistin Milena Hoge entlockt ihrem himmlischen Instrument irdische Klänge, vermittelt zwischen den Welten, auch zwischen Resignation und Hoffnung.

Bleibt der Gedanke, dass ein paar Striche der Inszenierung gut getan hätten. Aber das geht eben nicht in einem Stück, das in Momentaufnahmen von der hohen Wahrscheinlichkeit erzählt, verloren zu gehen "am weiten Strand der Welt". Welcher Moment wäre da weniger wichtig als der andere, welcher ließe sich ersatzlos streichen?

Chapeau an das gesamte Ensemble!

Änderungen vorbehalten!

Termine & Tickets

Do.01. Jun
2017
19:30 Uhr
Detmold, Landestheater
    Die Tagesbesetzung erscheint bald hier.
Änderungen vorbehalten!