Landestheater |Geschichte

Intendanten

August Pichler
1825 - 1848

Auguts Pichler, geboren am 22.Juni 1771 in Hernals bei Wien, entstammt einer angesehenen Kaufmannsfamilie, die sich nur schwer damit abfinden kann, dass der Sohn nach dem erlernten Buchdruckergewerbe, durch das Liebhabertheater angeregt und von Kotzbue entdeckt, den Weg zum Theater fand. 1810 kommt er zum erstenmal nach Norddeutschland und wird Direktoriumsmitglieder des Bremer Theaters, von wo aus er, nunmehr als alleiniger Leiter, die Vereinigung mit dem Fürstlich-Waldeckischen Theater in Bad Pyrmont betreibt und einen 12-monatigen Kontrakt für die beiden vereinigtenTheater erhält.
Ähnlich erfolgreich ist er in Hannover, wo er auf Veranlassung des Herzogs von Cambridge erster Leiter des Königlichen Theaters wird. Als er 1818 sein Amt niederlegt, konzentriert er den Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit in den westfälisch-lippischen Raum. Das Pyrmonten Komödienhaus, das er 1818 auf eigene Kosten errichtet hat und das noch heute steht, sowie die Pyrmonter Konzession bilden nun den Rückhalt für seine Gastspieltätigkeit, die ihn nach Münster und Minden, seit 1819 aber auch nach Osnabrück und gelegentlich - wohl auf Durchreise - nach Paderborn, Lemgo und Detmold führt. 1818 führt er in Detmold "Hamlet" auf.
Sein Theater, von 1821-1824 in zwei Truppen aufgeteilt, ist in dieser Zeit zu einem geachteten und künstlerisch überall anerkannten Unternehmen geworden, das sich auf die Pflege der eben entdeckten deutschen Klassiker stützt.
Pichler ist 54 Jahre alt, als er die Leitung des Detmolder Theaters übernimmt. Der Idealismus seiner Anfänge ist sicher nicht erloschen und wird auch weiter nicht erlöschen. Aber Pichler ist durch das lange Wanderleben schon stark verbraucht und spätestens 1840 ein kranker Mann. Detmold, so sieht es aus, ist für ihn der ersehnte Ort, wo er endlich Ruhe und Sicherheit zu finden hofft.


Albert Berthold
1895 - 1921

Albert Berhold (1841-1926) pflegt während seiner Amtszeit ein sehr freundschaftliches Verhältnis zum Fürstenhaus. Der Geist, den das neue Herrschaftshaus vertritt, bewegt sich eher in einer Linie, die man im Sinn der sich neu heranbildenden politischen Parteienkonstellation als national-liberal bezeichnen kann. Berthold stellt seine Theaterarbeit voll in den Dienst dieser Ansichten. Aber auch er bekommt die härteren Seiten des Betriebes deutlich zu spüren. Kritik an seiner Theaterleitung und den künstlerischen Leistungen der Mitglieder von Seiten des Hofmarschalls Graf Ritterberg machen die Arbeit immer komplizierter.
In diesen harten Kämpfen gegen alle Widrigkeiten ereilt Berthold am 5. Februar 1912 der Theaterbrand, der das Hoftheater vollständig vernichtet. Die nochmalige Amstübertragung nach der Einweihung des neuen Theaters im Jahre 1919 an Berthold erscheint notwendig, befindet sich doch in seinem Besitz der Fundus an Kostümen und Dekorationen, die erhalten geblieben sind und ohne die der Theaterbetrieb nicht aufgenommen werden kann. Künstlerisch ist diese zweijährige Amtszeit eine Fortführung der vergangenen Jahre. Achtzigjährig verlässt Berthold im April 1921 die Detmolder Bühne mit Lorbeerkränzen und Blumen überschüttet als Zigeunerhauptmann in der "Preciosa" von Pius Alexander Wolff.


Emil Becker
1921 - 1934


Becker, der Sommer für Sommer im "Neuen Krug" gespielt hat, übernimmt nach dem Ausscheiden Bertholds beide Bühnen. Damit nähert man sich in Detmold mit Zusammenziehen der künstlerischen Kräfte zu nur einer Truppe der ganzjährigen Spielzeit wenigstens an und kann dadurch den Ausfall der anderen Spielorte in etwa wettmachen. Becker, selbst als Striese oder Onkel Bräsig auf der Bühne stehend, erweist sich in diesen für das Theater schweren Zeiten - durch die Währungsreform ist der Theaterbesuch für den Interessierten zum Luxus geworden - als Kassenmagnet. Becker, der sich um die Dramatik des Naturalismus immer sehr bemüht hat, steht der neuen Dramatik eines Strindberg nun eher skeptisch gegenüber. Trotzdem spricht es für seine liberale und tolerante Grundhaltung, dass er dieser Literatur die Bühne nicht verschließt. Es selbst allerdings inszeniert vorwiegend Schwänke und Operetten in diesen Jahren.
Der Wegfall des Musiktheaters in den folgenden Jahren bedeutet zwar eine große Erleichterung, was die Verwaltung des Apparates angeht, die ausschließliche Reduzierung der Unterhaltungssparte auf Lustspiel und Schwank trifft Becker dennoch hart und macht sich im Kassenreport dieser Jahre stark bemerkbar.
Als Theaterleiter - mehr oder auch weniger geschätzt - gelingt es ihm, mit seinem jovial-kameradschaftlichen Ton und seinem entwaffnenden Humor, seine Truppe fest zusammenzuhalten.


Otto Will-Rasing
1934 - 1944 und 1949 - 1969

Der aus Münster stammende Will-Rasing, der erstmalig 1924 und nach kurzer Abwesenheit 1926 endgültig ins Detmolder Ensemble aufgenommene Schauspieler, übernimmt die Theaterleitung in einer politisch brisanten Zeit. Becker erkennt die organisatorischen und kaufmännischen Fähigkeiten, die in Will-Rasing stecken und von denen er zu gern Gebrauch macht. Sein Organisationstalent und der ökonomische Sinn des neuen Intendanten, verbunden mit einem starken Improvisationsvermögen und einem glücklichen Gespür bei der Auswahl der Mitarbeiter tragen zum Aufschwung des Theaters bei. Bis 1937 gewinnt er die umliegenden Orte als Spielstätte (Bad Salzuflen, Lemgo, Blomberg, Lage, Paderborn, Höxter, Steinheim u.a.m.). Zu dieser räumlichen Ausweitung kommt die Ausdehnung der Spielzeit auf die Sommermonate. Auch für den Neuaufbau des Musiktheaters tritt der Intendant ein und schon in der Spielzeit 1934/35 brauchen die Detmolder zum ersten mal seit 10 Jahren nicht auf die Gastspiele aus Bielefeld oder Bad Oeynhausen zurückzugreifen. Die folgende Spielzeit bringt dann wieder die Oper auf den Spielplan des Detmolder Theaters.
Das NS-Regime drückt auch dem Detmolder Theater seinen Stempel auf, was der Spielplan dieser Zeit beweist. Wie alle deutschen Theater wird auch das Detmolder Theater am 1.September 1944 geschlossen.
Nach Kriegsende wird Will-Rasing zunächst Intendant des Städtischen Orchesters, bis er 1949 nach den Intendanzen von Hans Kaufmann und Karl Gaebler wieder die Leitung des Detmolder Theaters übernimmt.


Prof. Otto Hans Böhm
1969 - 1985

1918 in Wien als Spross einer Künstlerfamilie geboren, studiert er nach dem Abitur an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst/Reinhardt-Seminar Wien. Einem kurzen Ausflug in die Berufswelt folgen Kriegsdienst und Gefangenschaft. Danach ist er zunächst Schauspieler in Hannover, Düsseldorf und Köln, wechselt nach Arnsberg (mit Regieverpflichtung) und verbringt die folgenden zehn Jahre in Castrop-Rauxel und am Bregenzer Theater. 1955 wird er Leiter des künstlerischen Betriebsbüros und stellvertretender Intendant in Klagenfurt. Nach zwei Jahren in Salzburg beginnt 1959 seine zehn-jährige Intendanz am Stadttheater Klagenfurt. 1969 wechselt er als Intendant ans Landestheater Detmold.

Der Künstler Böhm verzichtet zugunsten des Managers Böhm, da er in einem Haus wie Detmold "Mädchen für alles" sein darf und muss. Gutes Management ist für Böhm die erste aller Vordringlichkeiten, da bei einem solchen Betrieb Entscheidungen oft schnell getroffen werden müssen.


Gerd Nienstedt
1985 - 1987

Die Intendanz von Gerd Nienstedt steht unter keinem glücklichen Stern. Nach langen Jahren als Intendant in Eutin und Hof will er in Detmold internationales Operntheater etablieren.
Seine Projekte jedoch sprengen die Möglichkeiten des Theaters und stürzen das Haus in eine finanzielle Krise.
Die Konsequenz: Bereits nach kurze Zeit verlässt er Detmold wieder.





Dr. Franz Wirtz
Interimsintendant 1987

Franz Wirtz wächst als Sohn einer Künstlerfamilie in Duisburg auf. Als die Familie 1931 nach Berlin übersiedelt, erlebt er dort als Theatergänger Reinhardt, Gründgens und George. Nach dem Abitur folgt das Studium der Germanistik, Theater- und Musikwissenschaften, Vorlesungen in Kunstgeschichte und Philosophie. Nebenbei assistiert er bei Regisseuren wie Gustav Gründgens. Berufsziel: Kapellmeister. Doch der Kriegseinsatz und eine Verletzung der linken Hand vereiteln diesen Weg. Die Familie verschlägt es nun ins Lipperland, wo er als Regisseur am wiedereröffneten Lippischen Theater engagiert wird. Er widmet sich bald ausschließlich Regieaufgaben und dem Bühnenbild. 1965 - 1982 arbeitet er wieder als Chefdramaturg, tritt daneben auch als Übersetzer und Bearbeiter von Bühnenwerken hervor.

Nach dem Abschied von Gerd Nienstedt übernimmt er interimsweise die Intendanz in Detmold.


Ulf Reiher
1988-2004

Ulf Reiher wird 1936 in Stettin geboren. Nach Kriegsende übersiedelt die Familie nach Weimar. Nach dem Abitur beginnt Ulf Reiher 1954 das Studium an der Theater-Hochschule in Leipzig, das er 1958 mit dem Diplom als Theaterwissenschaftler abschließt. Während er schon ins erste Engagement nach Gera geht, bereitet er sich auf die Bühnenprüfung als Schauspieler vor, die er 1960 ablegt. Dem folgen Engagements als Schauspieler, Regie-Assistent und Regisseur in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und Senftenberg, wo er 1965 die Oberspielleitung im Schauspiel übernimmt und 1967 zum Intendanten berufen wird. 1972 wechselt er als Intendant nach Halle, wo er nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann 1977 fristlos entlassen wird, um dann als freischaffender Regisseur in Dessau und Vezprém (Ungarn) zu arbeiten. 1983 erhält er die Arbeitserlaubnis für die BRD und inszeniert u.a. in Hannover, Wilhelmshaven und Kiel.
Am 1.1.1988 beginnt er seine Intendanz am Detmolder Landestheater.

Während seiner siebzehnjährigen Amtszeit inszeniert Ulf Reiher zahlreiche Werke im Schauspiel und Musiktheater. Mit seinen Inszenierungen der Dramen Christian Dietrich Grabbes stößt Ulf Reiher in dessen Geburtsstadt Detmold auf viel Beifall. Herzog Theodor von Gothland, Napoleon oder die Hundert Tage und Don Juan und Faust kommen in den ersten Amtsjahren Ulf Reihers auf die Detmolder Bühne. Legendär wird die Aufführung der West Side Story die über einhundert mal gespielt wird. Ulf Reihers Abschiedinszenierung in Detmold sind ein vielbeachteter Faust 1 sowie das Musical Les Misérables, das annähernd einhundert mal in Detmold und zahlreichen Gastspielorten gezeigt wird. Das Theater Dessau engagiert ebenfalls Ulf Reiher als Regisseur für dieses Musicals, das zu einen triumphalen Erfolg für Regisseur und Ensemble wird.
Neben seinem Amt als Intendant des Landestheaters Detmold ist Ulf Reiher mehrere Jahre lang der Vorsitzende der Landesbühnengruppe sowie Präsidiumsmitglied im Deutschen Bühnenverein. In diesen Funktionen setzt sich Ulf Reiher vehement für den Erhalt der einzigartigen Theaterlandschaft in Deutschland ein.
Nach Beendigung seiner Intendantenlaufbahn wird Ulf Reiher auch weiterhin als Regisseur tätig sein, unter anderem am Landestheater Detmold mit dem Musical Cabaret.


Kay Metzger
seit 2004

Kay Metzger wird 1960 in Kiel geboren und wächst in Bonn und Mannheim auf. Von 1981 bis 1984 studiert er Theaterwissenschaften in München, wo er 1982 seine erste eigene Inszenierung von Anouilhs Antigone auf die Bühne bringt. Im gleichen Jahr wird er von August Everding als Regieassistent verpflichtet. Die Zusammenarbeit mit dem großen Theatermann geht über mehrere Jahre, so z.B. 1988 beim Ring des Nibelungen in Warschau oder 1994 als Co-Regisseur bei der Wagner-Oper Die Meistersinger von Nürnberg in Meiningen.
Von 1984 bis 1988 assistiert Kay Metzger an verschiedenen Bühnen, unter anderem an den Opern Bielefeld und Essen. Von 1989 bis 1993 arbeitet er als freischaffender Regisseur für Schauspiel, Oper, Operette, Musical und Kinder- und Jugendtheater. Die beiden folgenden Jahre ist er Oberspielleiter des Musiktheaters in Halberstadt, von 1995 bis 1998 in der gleichen Position in Coburg, wo er die Regie für seine erste Wagner-Oper, Lohengrin, übernimmt.
1995 inszeniert er am Landestheater Detmold die Operette Das Schwarzwaldmädel von Leon Jessel und zur Spielzeiteröffnung 2003 / 2004 die Oper Tosca von Giacomo Puccini, die auch in seiner ersten Spielzeit im Repertoire zu sehen sein wird.
Von 1999 bis 2004 ist Kay Metzger Intendant am Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt-Quedlinburg.
Kay Metzger nimmt sein Amt am Landestheater Detmold im Laufe der Spielzeit 2004 / 2005 auf.

Kontaktadresse

Landestheater Detmold GmbH
Theaterplatz 1
32756 Detmold
Tel 0 52 31 / 974 - 60
Fax 0 52 31 / 974 - 701

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