Landestheater Detmold

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Geschichte

Bereits lange vor dem Bau des Hoftheaters wurde in Detmold im Komödienhaus am Lemgoer Tor Theater gespielt. Zum Glück für das Theaterleben in Detmold jedoch fasste der seit 1820 regierende Fürst Leopold II., wohl aus Theaterbegeisterung und Repräsentationsbedürfnis gleichermaßen, den Entschluss, in Detmold ein Hoftheater errichten zu lassen.

Der mit Planung und Durchführung beauftragte Landesbaumeister Johann Theodor Freiherr von Natorp reichte im Februar 1825 die ersten Zeichnungen ein, am 18. April 1825 fand die Grundsteinlegung statt und bereits Ende Juli desselben Jahres wurde das Richtfest gefeiert. Nach nur 6 Monaten Bauzeit ging am 8. November zum ersten Mal der Vorhang hoch, gespielt wurde Mozarts „Titus der Gütige“. Auf dem Spielplan der Detmolder standen von Anfang an sowohl Musiktheater als auch Schauspiel. Rasch hatte sich das Haus ein umfangreiches Repertoire und einen guten Ruf weit über die Grenzen des Fürstentums hinaus erarbeitet.

Durch das gesamte 19. Jahrhundert gestaltete sich die Erhaltung des Theaters mit seinem Spielbetrieb schwierig. Bis zum Revolutionsjahr 1848 konnte der Fürst das Theater trotz des hohen finanziellen Aufwandes halten, 1849 jedoch musste Leopold II. zu seinem Bedauern das Haus vorübergehend schließen. 1851 wurde die Zustimmung des Hofes für die Wiedereröffnung des Theaters gegeben, allerdings mit einem von vornherein eng beschränkten Subventionsrahmen, weshalb es auch nicht mehr unter dem Titel "Hoftheater" geführt werden sollte. Schwieriger noch gestaltete sich die Situation mit der Regierung des sparsamen Thronfolgers Woldemar, der dem Theater und der Kapelle die Mittel entzog. Erst ab 1895 unter der Intendanz von Albert Berthold, der vom kunstsinnigen Thronfolger Graf Ernst finanzielle Unterstützung erhielt, konnte das Theater sich konsolidieren.

Berthold war es gelungen, sein Ensemble auf immerhin 87 Künstler und Mitarbeiter zu vergrößern, als am 5. Februar 1912, während einer Vorstellung von Hermann Sudermanns "Bettler von Syrakus", von einem der kohlebeheizten Öfen ein Feuer übergriff und das Hoftheater bis auf die Grundmauern niederbrennen ließ. Berthold selbst trat nach dem Vorspiel, das mit den Worten "Du wirst die Sonne nicht mehr schauen!" geendet hatte, vor den Vorhang des gut besuchten Hauses und bat das Publikum, wegen angeblicher technischer Schwierigkeiten das Theater ruhig und geordnet zu verlassen; auf diese Weise konnte er eine Panik verhindern und es kam kein Zuschauer zu Schaden. Die laufende Spielzeit wurde im Sommertheater "Neuer Krug" provisorisch zu Ende gebracht, doch für das Ensemble hieß es, sich nach neuen Engagements umzusehen, da es keinerlei finanzielle Absicherung gab.

Mit der Gründung des "Lippischen Theatervereins", dessen Hauptträgerschaft die Stadt Detmold bildete, sowie unterstützt von Fürst Leopold IV und privaten Geldgebern, wurde der Grundstock für den Wiederaufbau des Theaters gelegt. So konnte man bereits im Jahre 1914 - trotz Ausbruch des Ersten Weltkrieges – nach Plänen des Berliner Architekten Bodo Ebhardt mit der Errichtung eines neuen Theatergebäudes auf den Grundmauern der Ruine beginnen. Als Baumeister konnte der aus Detmold stammende Otto Kuhlmann gewonnen werden. Das neue Gebäude, das schließlich am 29. September 1919 eingeweiht wurde, zählte mit seinen 741 Plätzen rund 165 Plätze mehr als das alte Haus nach den Umbaumaßnahmen aus dem Jahre 1867.
Durch die Abdankung des Fürsten 1918 wurde das Theater als Landestheater fertiggestellt; zur feierlichen Eröffnung wurde die Oper "Undine" von Albert Lortzing aufgeführt.

Trotz anfänglicher Erfolge und der Unterstützungsbereitschaft der Lipper gestaltete sich die finanzielle Situation des Theaters in den Folgejahren schwierig; zur Aufbesserung des Etats wurden beispielsweise Kinovorführungen, nachmittägliche Fremdenvorführungen für Gäste aus anderen Städten, und weiter entfernte Gastspiele gegeben. Trotzdem musste man 1925 das Musiktheater schließen. Erst unter der Intendanz von Otto Will-Rasing ab 1934 entspannte sich die finanzielle Situation; er führte die Sommerspielzeit wieder ein, erweiterte den Abstecherkreis bis 1936/37 auf 22 Gastspielorte und konnte das Musiktheater 1936 wiedereröffnen. Das Ensemble wuchs auf rund 100 Mitglieder, der Ausbruch des II. Weltkrieges jedoch bedingte ein Absinken der technischen und künstlerischen Leistungen des Theaters. Wie alle deutschen Bühnen stellte auch das Landestheater Detmold am 1. September 1944 im Zeichen des totalen Kriegseinsatzes den Spielbetrieb ein.

1945 hatte die britische Militärregierung das Theater beschlagnahmt, es durfte nur nach schriftlicher Genehmigung für Proben und Aufführungen genutzt und die nun als Städtisches Orchester fungierende Kapelle durfte nur nach schriftlicher Anfrage „ausgeliehen“ werden. Der Kostümfundus war ebenfalls beschlagnahmt und nach Bad Eilsen ausgelagert worden. Außerdem musste man in eine provisorische Spielstätte ausweichen: in den "Neuen Krug", der aber auch als Lichtspielhaus genutzt wurde. Bis 1949 wurde sogar der Fortbestand des Theaters als Drei-Sparten-Haus immer wieder in Frage gestellt.

1949 wurde Otto Will-Rasing wieder als Intendant eingesetzt. Er konsolidierte den wirtschaftlichen und künstlerischen Zustand des Hauses sehr schnell: Nach drei Jahren konnte durch die Einrichtung eines Abonnentensystems die Zahl der Dauermieten gesteigert werden. Schließlich wurde das Theater am 5. Juli 1952 von den Briten freigegeben, der Spielbetrieb ließ sich endlich wieder normalisieren und wurde in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich ausgebaut.

Mit Beginn der Spielzeit 1969/70 wurde ein erster Erweiterungsbau mit Werkstätten, Probenräumen, Unterbringungsmöglichkeiten für den Fundus, Verwaltungsräume und den Ballettsaal eingeweiht, was der künstlerischen Qualität und der zuvor beengten Probenarbeit sehr zugutekam. Ein zweiter Anbau mit einem adäquaten Orchesterprobenraum, Arbeitsräumen für Dramaturgie, Bühnenbildner, Regieassistenten u.a. sowie Garagen für die Transporter des Hauses sorgte zur Spielzeit 2008/2009 nochmals für eine erhebliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen am Landestheater.

1971 gelang es mit der Gründung des neuen Trägervereins des Theaters alle lippischen Städte und Gemeinden durch eine neue Satzung zur finanziellen Absicherung des Landestheaters als bedeutendem Kulturinstitut zu verpflichten. Durch diese neue Trägerstruktur fand sich auch das Land Nordrhein-Westfalen bereit, sich stärker als bisher an den Zuschüssen zu beteiligen.
Zu Anfang der Spielzeit 1994/95 wurde zur besseren Koordination von Verkauf, Werbung und Vertrieb ein gemeinsames Büro der vier Landestheater von Nordrhein-Westfalen eingerichtet.

Heute ist das Landestheater Detmold das größte der vier Landestheater in Nordrhein-Westfalen und das einzige mit einem Musiktheaterensemble. Knapp 50 Prozent der nahezu 600 Vorstellungen pro Spielzeit werden in Städten und Gemeinden des gesamten Landes Nordrhein-Westfalen sowie deutschlandweit absolviert.
Das Haus beschäftigt 260 Mitarbeiter, etwa die Hälfte davon ist im künstlerischen Bereich tätig, die anderen Mitarbeiter wirken in den technisch-künstlerischen Gewerken sowie im Verwaltungsbereich des Landestheaters. Das Landestheater Detmold wird seit 1. August 2006 als gemeinnützige GmbH geführt. Den Etat des Hauses stellt zur Hälfte das Land Nordrhein-Westfalen, ein Viertel erwirtschaftet das Haus aus seinen Einnahmen, das verbleibende Viertel steuern die Gesellschafter (vornehmlich der Kreis Lippe, die Stadt Detmold und der Landesverband Lippe) bei. Unterstützung erfährt das Landestheater außerdem durch den Förderverein „Theaterfreunde“ und zahlreiche Sponsoren aus der regionalen Wirtschaft.











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