Landestheater Detmold

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Samson und Dalila

Premiere 16.12.2011

Neuerliche Eskalation im Gazastreifen: Samson tötete den Philister Abimélech, der den hebräischen Gott schmähte. Was tun gegen Samsons schier übermenschliche Stärke? Die Philister schicken weibliche Reize und List in den Kampf: Der Schönheit Dalilas erliegt der mächtige Gegner. Samson lässt sich von ihr verführen und in ihr Haus locken, wo er von den Philistern gefangen genommen, gefoltert und gedemütigt wird. Doch unter Anrufung Jehovas gewinnt Samson seine Kraft noch einmal zurück, seinen Tod in Kauf nehmend, stürzt er die Säulen des heidnischen Tempels um, die Trümmer des Gebäudes begraben auch Dalila und viele Feinde der Hebräer. 

Achtzehn Jahre lang arbeitete Camille Saint-Saëns an seiner Oper. Doch gegen das gewählte Sujet des Glaubenskriegs, in dem selbst die Liebe korrumpiert und zur Waffe wird und der in einem Selbstmordattentat wahrhaft biblischen Ausmaßes gipfelt, regten sich in Frankreich derart starke religiöse Bedenken, dass die Uraufführung schließlich nur durch das mutige Engagement von Franz Liszt 1877 in Weimar zustande kam. Erst 1892 erklang die Oper erstmals in Paris und setzte sich mit ihrer farbenreichen Orchestrierung und der raffinierten Kontrastierung von großen Chortableaux und kammerspielartigen Szenen als eines der Meisterwerke der französischen Opernliteratur auf den Theaterspielplänen durch.  

 

Einführungsmatinee: Sonntag, 11. Dezember 2011, 11.30 Uhr, 

Gemeindezentrum der Ev.-ref. Erlöserkirche, Am Markt, Detmold 

 

Vis-à-vis: Sonntag, 3. Juni 2012, 10.00 Uhr,

Ev.-luth. Martin-Luther-Kirche, Schülerstr. 14

Pfarrerin Christa Willwacher-Bahr

Kritiken

Die späte Huldigung war fällig: Mit einer hinreißenden Wiedergabe der Oper "Samson und Dalila" hat das Landestheater am Freitag dem Komponisten Camille Saint-Saëns die verdiente Ehre erwiesen. 

[...]In seiner Inszenierung für die Detmolder Bühne verzichtet Roland Velte bewusst auf jeglichen ideologischen Überbau: Und so überspringen auch die Kostüme von Robert Schrag, grau und silbrig schimmernd, die Jahrtausende zwischen assyrischer Antike und der Zeit des Jugendstils, in der die Oper entstand. Stufenförmig und lackschwarz ist die Bühne von Michael Engel angelegt. [...] 

Saint-Saëns hat das Werk ursprünglich als Oratorium angelegt. Das wird vor allem in den Auftritten des wiederum von Marbod Kaiser erstklassig präparierten, erweiterten Chors deutlich. In barocker, bis zum Fugato reichender Formensprache präsentieren sich die Hebräer, in orientalisch-orgiastischen Klangfarben die Philister. GMD Erich Wächter lotet die subtile Orchestrierung bis ins feinste Detail aus: chromatische Holzbläser-Passagen, streichelnde Violinen und erzitternde Harfentöne. 
Grandios tritt das "Trio infernal" der Sänger-Darsteller auf. Johannes Harten verleiht seinem Samson die Konturen eines gleichermaßen kraftvollen wie stimmgewaltigen Gotteshelden, der sich leider als allzu anfällig für weibliche Verführungskünste erweist. Geradezu eine Paraderolle für Evelyn Krahe ist die Dalila, deren betörend sinnliche Kantilenen der Rezensent der Wiener Uraufführung 1907 als "Himbeercreme in Des-Dur" bezeichnete. Wildkatzenhaft und gierig, ist sie die ideale Partnerin für die sexuellen Obsessionen des Dagon-Oberpriesters, dem Andreas Jören die Faszination des Bösen verleiht. Und auch die kleineren Rollen des Satrapen und des alten Hebräers sind mit Jundong Kim und Dirk Aleschus glänzend besetzt. Mehrfach taucht der Erzengel Michael, gestaltet von dem Tänzer Egid Minác, als warnende oder beschützende allegorische Figur auf. Am Ende steht sein Kampf mit dem gefallenen Engel Luzifer in Gestalt des heidnischen Priesters. Auf den krachenden Tempeleinsturz wird zugunsten einer eindringlichen anderen Schlussszene verzichtet. Doch darf ein derart fragwürdiger Held mit der Aufnahme ins Paradies belohnt werden? 

 

Lippische Landes-Zeitung

 

Camille Saint-Saens ist ein umstrittener Komponist – von Wagnerianern vereinnahmt und abgelehnt, von französischen Zeitgenossen nachgerade verachtet; Samson et Dalilah wurde dank Liszts Protektion 1876 in Weimar in Gänze uraufgeführt.

In Detmold gibt es die deutschsprachige Version [...] – von Roland Velte als Menetekel fanatischer Religiosität inszeniert und von Michael Engel mit Jugendstil-Attitüde ausgestattet. Das provoziert in der üppigen Kostümierung Robert Schrags Assoziationen.

[...] Evelyn Krahe ist eine lasziv-rächende Dalila – mit einem bewundernswert flexiblen Mezzo mit faszinierend-phrasierenden Tiefen, einem ungewöhnlich ausdrucksstarken Timbre, einer farbenreichen Mittellage, sicher-flexiblen Höhen und betörendem Legato! Johannes Harten [...] hat Momente bravouröser heldentenoraler Ausstrahlung[...].

James Tolksdorf gibt einen dämonischen Oberpriester mit markigem Bass, ausdrucksstark in den geforderten stimmlichen Variationen und als Darsteller von beklemmender Präsenz. Mit Kevin Dickmann ist ein überheblich spottender Abimelech zu sehen und zu hören. Dirk Aleschus überzeugt als alter Hebräer, wird unterstützt von Grzegorz Franciszek Holowko als Bote und Zenon Kielemoniok und Kyung-Won Yu als Philister.

Egid Minac gibt die stumme, szenisch beherrschende Rolle des goldenen Erzengels mit eleganter Grazie.

Außerordentlich flexibel das Symphonische Orchester: Erich Wächter akzentuiert sowohl die spätromantischen Passagen, exotisch-orientalische Elemente, lyrische Phasen und hochdramatische Eruptionen. Dabei herrscht hörbare Transparenz, die Musiker der Instrumentengruppen präsentieren ihre musikalische Kompetenz - und das in stimulierender Wirkung auf das Bühnengeschehen.

Das so erfahrene Detmolder Publikum braucht einige Zeit, um sich in die „erzählte“ Geschichte zu finden – dankt mit intensivem Schlussapplaus.

Franz R. Stuke für opernnetz.de

[...] Regisseur Roland Velte gibt im Programmheft wohlbedachte Hinweise, was sich im Stück wirklich abspielt, verweist unter Berücksichtigung zahlloser Querverbindungen in der Menschheitsgeschichte natürlich auch auf die katastrophale Gegenwart, ob nun in Palästina im Besonderen oder sonst wo. Die Sache sieht allerdings anders aus, wenn sie auf die Bühne kommt. Im emotionalen Zentrum steht dort nicht der Krieg zwischen den Philistern und Hebräern, durchgeführt mit den stringenten Mitteln des Oratoriums, sondern der Topos der ersten Männerverschlingerin. [...] Der konzeptionelle Clou besteht [...] in der Aufwertung der Figur des Oberpriesters Dagon, der als Luzifer den eigentlichen Verführer der Dalila verkörpert. Andreas Jören spielt diese überraschende Verschiebung zu einem "Prinzip des Bösen", wie übrigens auch zu der eines erotischen Konkurrenten von Samson, ganz vorzüglich, weil er sich dabei auch nicht allzu bequem mephistotelischer Anleihen bedient. So gerät sein verschwörerisches Treffen mit Dalila zu Beginn des tristanischen Mittelteils zum mitreißenden Höhepunkt, gerade wegen des ungestümen Einblicks in die gespaltene Psyche der Titelheldin. Aber auch sein Kampf mit dem Schutzengel (Egid Minác als Erzengel Michael)der Hebräer anstelle des orientalischen Bacchanals im letzten Akt, dem er gleichsam tänzerisch unterliegt, besitzt über die Maßen szenische Prägnanz. Darüber hinaus überzeugt sein technisch gut fundierter Heldenbariton [...]Johannes Harten [...], gestält durch seine Siegfried-Partien im Detmolder "Ring" der vergangenen Spielzeiten, verfügt auch hier über ein beachtliches Material. Allein schon körperlich kommt er dem Inbegriff eines Samson sehr nahe; stimmlich übertrifft er diesen Kraftkerl noch um einiges. [...] All dies auf eine solide Grundlage gestellt zu haben, lag in der musikalischen Abstimmung von Erich Wächter, der diese Musik dank ihrer subtielen Orchestrierung, ihrer sinnlich chromatischen Holzbläserpassagen, streichelnden Geigenfigurationen und zitternden Harfentönen stets locker und frei sich selbst überließ. Seine Devise: Nicht deckeln, sondern öffnen; auch der Sänger wegen. Die formidable Akustik dieses altehrwürdigen Theaters verlangt geradezu nach klanglicher Expansion; dies jedenfalls wurde ohne Vorbehalt erfüllt. Das Publikum am Premierenabend geriet darüber in volle Begeisterung.

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Besetzung

Musikalische Leitung
Erich Wächter

Regie
Roland Velte

Bühne
Michael Engel

Kostüme
Robert Schrag

Chor
Marbod Kaiser

Dramaturgie
Elisabeth Wirtz

 

Dalila
Evelyn Krahe

Samson
Johannes Harten

Oberpriester des Dagon
Andreas Jören / James Tolksdorf

Abimelech, Satrap von Gaza
Kevin Dickmann / Jundong Kim

Ein alter Hebräer
Dirk Aleschus

Ein Kriegsbote der Philister
Grzegorz Franciszek Holowko

1. Philister
Zenon Kielemoniuk

2. Philister
Kyung-Won Yu

Erzengel Michael
Egid Minác

Die Schlange
Frederike Oberwöhrmeier / Claudia Peuker

 

Regieassistenz
Christian Jérôme Timme

Inspizienz
Marco Struffolino

Soufflage
Dietlind Eger

 

Symphonisches Orchester, Chor, Extra-Chor, Statisterie des Landestheaters Detmold

 

Doppelbesetzungen in alphabetischer Reihenfolge.
Änderungen vorbehalten!

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