Landestheater Detmold

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Götterdämmerung

Dritter Tag zum Bühnenfestspiel "Der Ring des Nibelungen"

Wiederaufnahme

Der dritte Tag der „Ring“-Tetralogie schildert den Tod Siegfrieds, den Untergang der Götter und die Erlösung vom Ring und von seinem Fluch. Siegfried hat im Kampf mit dem Drachen den Ring errungen, weiß allerdings nichts von seiner Macht. Alberichs Sohn Hagen hingegen kennt diese und spinnt im Auftrag Alberichs seine Ränke, um in den Besitz des Ringes zu gelangen. Er gibt Siegfried einen Trank, der ihn Brünnhilde vergessen lässt. Tief gekränkt verbündet sich diese mit Hagen, um Siegfried zu töten. Erst nach dem Mord begreift Brünnhilde, dass sie von Hagen benutzt wurde, um Siegfried aus dem Weg zu räumen und den Ring zu erlangen.

Doch Brünnhilde durchkreuzt Hagens Pläne, nimmt den Ring an sich und gibt den Rheintöchtern das Gold zurück. Am Ende sieht man Walhall in Flammen: das Ende der Götter ist gekommen. Ein Stück um Machtzuwachs und Machterhalt und den Preis, den der Mensch dafür zu zahlen hat: den Verlust der Liebe.

Kritiken

Ins Futurum gebeamt

Die Zeitreise ist am Ende – eine neue kann beginnen: in fernster Zukunft. Nach den epochalen Brüchen der Französischen Revolution, dem Ersten Weltkrieg und der 68er Wende wird der Hippie Siegfried in eine futuristische Welt der Gibichungen demonstriert gebeamt, in eine total computerisierte Zivilisation mit technokratisch-inhumaner Oberschicht und geknechteten Heloten. Kay Metzgers Konzept geht auf, wird szenisch verstärkt durch die eingeführte Mutter Hagens, die ihren Sohn mit dem Speer ersticht, durch Rückverweise auf vergangene Epochen, durch einen Blick auf den Mythos: Siegfried als Hermann in der Schattenprojektion! Zudem vermitteln zahlreiche Details die Konsistenz der „Erzählung“ – Siegfrieds Gedächtnisverlust, die Blutsbrüderschaft mit Gunther, die Gibichungenhalle als Ort des letzten Abendmahls. Walhall verglüht, der abgestorbenen Esche wachsen neue Sprosse, eine Kugel verweist auf den Neuanfang.
Petra Mollérus baut eine imaginative Bühne ohne Firlefanz, dafür mit spektakulären Elementen: ein riesiger Halbzylinder als Hintergrund, ein schwebender Ring als magisches Symbol spiritueller Herrschaft, Kostüme im Science-Fiction-Look mit Manga-Ästhetik - und viel Raum für intensives Spiel!
Mit Christoph Stephinger ist ein ungemein stimmkräftiger Hagen zu hören, der mit wandelbarer Stimme die Rolle differenziert interpretiert, mimisch brilliert und zum Dreh- und Angelpunkt des tödlichen Geschehens wird. Johannes Harten gibt dem Siegfried seine sehr persönlich gefärbte Stimme, die sowohl durch unbändige Kraft überzeugt als auch fast lyrische Töne produziert – aber immer wieder unfrei wirkt und nicht zum leichten Strömen findet. Andreas Jören gelingt ein stimmlich souveräner Gunther, ungemein präzis in der Intonation, kraftvoll im Ausdruck – dabei einen ambivalenten Charakter darstellend. Brigitte Bauma ist eine emotional singende Gutrune, überzeugt durch variable Stimmgebung. Evelyn Krahe gibt der Waltraute stimmliche Überzeugungskraft, demonstriert bemerkenswerte Klangsicherheit verbunden mit nachhaltiger Intensität. Sabine Hogrefes Brünnhilde steigert sich zu einem fulminanten Schluss-Monolog: sicher in den dramatischen Höhen, bewegend in der ausdrucksvollen Mittellage, abgründig in den Tiefen. Evelyn Krahe, Brigitte Bauma und Beata von Hahn sind hörenswerte Nornen; Catalina Bertucci, Beate von Hahn und Anne Baumgarte geben den Rheintöchtern leuchtend-flirrende Glanzlichter. Joachim Goltz ist der insistierende Alberich, stimmlich eher zurückhaltend. Unter Felix Lemke ist ein erfreulich agiler Chor zu erleben, der sich entschlossen in die Forte-Passagen wirft und konzisen kollektiven Klang vermittelt.
Das Orchester des Landestheaters Detmold ist enorm spielfreudig, findet unter Erich Wächter immer wieder den Weg zum suggestiven Klang, zelebriert den Trauermarsch als pathetischen Hymnus an das Leid des Todes - irritiert aber immer wieder durch unpräzise Einsätze, durch Turbulenzen in den Forte-Tutti und durch störende Unsauberkeiten einzelner Instrumente.
Im wunderbar-stilechten Detmolder Theater versammelt sich das phantastische örtliche Publikum – langjährige Theaterfreunde, die Szene der Musikhochschule, Wagner-Afficionados von weither; diesmal ergänzt durch lippische Honoratioren, die am sensationellen Erfolg „ihres“ Theaters teilhaben möchten und durch nervendes Blättern im – informativen! - Programmheft auffallen.
Fünfzehn Minuten Applaus mit rhythmischem Klatschen und echten Standing Ovations. Detmolds „Ring“ kann getrost auf Reisen gehen! Good luck.

Franz R. Stuke, opernnetz.de

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Besetzung

Musikalische Leitung
Erich Wächter

Inszenierung
Kay Metzger

Ausstattung
Petra Mollérus

Choreinstudierung
Felix Lemke

Dramaturgie
Elisabeth Wirtz

 

Siegfried
Johannes Harten

Gunther
Andreas Jören

Alberich
Joachim Goltz

Hagen
Christoph Stephinger

Brünnhilde
Sabine Hogrefe

Gutrune
Brigitte Bauma

Waltraute
Evelyn Krahe

1. Norn
Evelyn Krahe

2. Norn
Brigitte Bauma

3. Norn
Marianne Kienbaum-Nasrawi / Beate von Hahn

Woglinde
Catalina Bertucci

Wellgunde
Beate von Hahn

Floßhilde
Evelyn Krahe

Grimhild
Rita Gmeiner

Wotan
Michael Nack

Ein Mann
Grzegorz Franciszek Holowko / Zenon Kielemoniuk / Klaus Belzer / Andreas Netzner

 

Regieassistenz
Christian Jérôme Timme

Inspizienz
Marco Struffolino

Soufflage
Dietlind Eger

 

Symphonisches Orchester, Chor, Extra-Chor, Bonner Operisten, Corusochor des Landestheaters Detmold

 

Doppelbesetzungen in alphabetischer Reihenfolge.
Änderungen vorbehalten!

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