Landestheater Detmold

Tickets 0 52 31 / 974 803

Das Rheingold

Vorabend zum Bühnenfestspiel "Der Ring des Nibelungen"

Wiederaufnahme

Im "Rheingold", dem "Vorabend" der Tetralogie, exponiert Wagner die schicksalhaften Verstrickungen und grundlegenden Konflikte im großen parabelhaften Welttheater vom Ring des Nibelungen, die Auseinandersetzung um Liebe, Raub und Betrug, es entspinnt sich der Kampf um die Welt-Herrschaft, der den Untergang des Göttergeschlechtes nach sich ziehen wird. In der Tiefe des Rheins liegt das Gold, Symbol der natürlichen Ordnung der Welt, bewacht von den Rheintöchtern. "Nur wer der Minne Macht versagt, nur wer der Liebe Lust verjagt, nur der erzielt sich den Zauber, zum Reif zu zwingen das Gold". Doch Alberich, Herr der Nibelungen, schwört der Liebe ab. Er entreißt den Rheintöchtern das Gold. um daraus jenen Ring zu schmieden, der "maßlose Macht" verleiht. So wird er für die Götter zur Gefahr. Insbesondere für Wotan, der die für den Bau der Götterburg Walhall bei den Riesen Fafner und Fasolt verpfändete Freia mit dem Gold auszulösen trachtet. Gemeinsam mit dem Feuergott Loge entreißt er Alberich durch List und Gewalt den Ring. Aber dieser belegt das Gold mit einem Fluch: Fortan bringt der Besitz des Ringes zugleich Macht und Tod. 

"Der Ring des Nibelungen" wird gefördert durch

 

 

 

 

 

Kritiken

Wagner mit kammermusikalischer Delikatesse "Rheingold"-Premiere: Landestheater Detmold zeigt umjubelte Leistung Detmold. 

Ein Wagner-Abend, der Spuren hinterlässt. Am Ende der imponierenden "Rheingold"-Premiere, genau in jenen wenigen Sekunden zwischen Verklingen des Schlussakkordes und Einsetzen des Beifalls, stöhnten einige Besucher auf. Erschöpft aber glücklich, so könnte man ihre Reaktion deuten. Zweieinhalb pausenlose Opernstunden wollen nämlich erst einmal überstanden sein: kein Problem, wenn sie mit so viel Fantasie wie im Landestheater auf die Bühne gebracht werden. Denn die Geschichte vom Raub des Rheingoldes wird von Intendant Kay Metzger kurzweilig und abwechslungsreich erzählt. Metzger und seine Ausstatterin Petra Mollérus verlegen die Handlung in die Zeit des Rokoko kurz vor der Französischen Revolution. Die Götter sind die Adeligen, die Riesen sind Kleinunternehmer mit Ambitionen nach gesellschaftlichem Aufstieg und Halbgott Loge ist Vertreter des geistlichen Standes. Eine schlüssige Interpretation: die selbstverliebte Adels- Clique merkt nicht, wie unruhig die Zeiten geworden sind: Was geht uns der Streit der kleinen Leute an? So gesehen zeigt Metzger auch eine sehr heutige Geschichte. Konsequent das Finale: Die Brücke, über welche die Mächtigen nach Walhall einziehen, wird vom Volk herein geschleppt, das unter dieser Last zusammen bricht. Die Menschenopfer aber scheinen nur Freia zu berühren. Dies alles erzählt Regisseur Kay Metzger ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Er stellt die Geschichte vor, wie sie ist: einmal mit der erschreckenden Drastik, die bei Wagner ohnehin angelegt ist, an anderer Stelle mit vorsichtigem Humor. Etwa wenn Wotan Alberich den Ring entreißt und diesem gleich noch den Finger abhackt: unschöne Sache, aber notwendig, verrät uns die Miene des Göttervaters. [...] Inszenierungsprobleme des Vorabends zum "Ring" löst Metzger mit lockerer Regiehand. So die Sache mit Alberichs Tarnhelm und seine Verwandlung in Riesenwurm und Kröte: Herausforderungen, die in vielen Inszenierungen lächerlich geraten. Selbst dem erfahrenen Wagnergänger bietet die Detmolder Inszenierung einiges an Einsichten. Auch in punkto Personenführung: da ist eine Menge Interaktion zwischen den Personen fassbar. Spannend auch, was aus dem Orchestergraben kommt. Das Orchester des Landestheaters Detmold wächst an diesem Abend über sich hinaus, musiziert [...] klangschön und prägnant. Erich Wächter dirigiert mit ruhiger Hand. Ein Wagner der klugen Tempodramaturgie und der kammermusikalischen Delikatesse ist in Detmold zu hören. Details die in größeren Häusern verloren gehen, werden im Landestheater deutlich gemacht. Auch sängerisch steht vieles zum Guten. Der Alberich von Joachim Goltz ist ein echter Gewinn. Ein viriler Bariton mit ausgesprochen klarer Deklamation: fabelhaft! Mark Morouse als Wotan punktet mit biegsamer Stimme und klanglicher Diff erenzierungskunst. Stark auch der Loge von Johannes Harten: ein scharf artikulierender, mit strahlender Höhe ausgestatteter Tenor. Dazu die Spieltenor-Kunst eines Bruno Gebauer als Mime: auch dies ein kleines Ereignis. Das übrige Ensemble zeigt solide Leistungen. Im Ganzen eine "Ring"-Fortsetzung, wie sie überzeugender kaum hätte ausfallen können. Das Publikum sah es ebenso: frenetischer Beifall.

Lippische Landes-Zeitung, 2. Juni 2008

 

Die „Weltesche“ beherrscht den Bühnenhintergrund; im Wasser des Rheins leben die Nixen um den mythischen Brunnen – bedrängt von Alberich und flirtend mit Wotan. Dann der Sprung ins Rokoko des Ancien Regime mit der düsteren Gewaltwelt der Nibelungen und dem feudalen Ambiente der Götter - Schauplätze der Konflikte einer historischen Zeitenwende zwischen Nibelungen, Göttern und Riesen. Kay Metzger entwickelt ein historisch plausibles Inszenierungskonzept, das die ökonomischen, gesellschaftlichen und moralischen Krisen zu Zeiten der Französischen Revolution treffsicher thematisiert. [...] Loge in Kardinals-Rot wird zum intrigierenden ideologischen „Überbau“, präsentiert sich beim Einzug der Götter nach Walhall mit der brennenden Lunte – ein Bild praller Geschichtsdeutung mit den wirkungsvollen Mitteln lebendigen Theaters! Petra Mollérus baut mit markanten Elementen – Esche, Mauer, Hecken – und wenigen, effektvoll präsentierten Requisiten einen handlungsorientierten Bühnenraum. Mit den plakativen Kostümen der Zeit entsteht ein Ambiente, das zum selbst-erklärenden Modell wird. Erich Wächter gelingt mit dem hochkonzentriert aufspielenden Orchester des Landestheaters Detmold eine nachdrückliche Interpretation der Wagner-Komposition (wohl in der Coburger Fassung für ein „kleines“ Orchester). Es stimmen die Tempi, die Balance mit der Bühne funktioniert perfekt, und die Differenzierung der Instrumentengruppen unterstreicht die Vielschichtigkeit der zu deutenden Abläufe. Geradezu sensationell ist die sängerische Qualität der Aufführung: Joachim Goltz glänzt mit kraftvoll flexiblem Bariton als manischer Underdog Alberich, ist das Äquivalent zum feudal-selbstgerechten Wotan, dem Mark Morouse markante Stimme verleiht. Johannes Harten ist ein souverän bestimmender Loge mit einem kraftvollen Tenor; Bruno Gebauer gibt einen kujonierten Mime; Runi Brattaberg beeindruckt als eher tumb-naiver Fasolt, Vladimir Miakotine als goldsüchtiger Fafner. Angelika Kirchhof spielt und artikuliert eine selbstbewusst-nachdenkliche Fricka, und Brigitte Bauma vermittelt eine ambivalent zweifelnde Freia. Evelyn Krahe singt die Erda mit prächtigem Alt, ist mit den klar singenden Hyun-Ju Park und Beate von Hahn auch eine der drei Rheintöchter, deren „Paradies“ dem Goldrausch zum Opfer fällt. Andreas Jören und Byoung Oh Kim verkörpern Donner und Froh als feudal-dekadente Neben-Götter. Ballett und Statisterie sind in optimaler Spiel-Laune, schaffen charakterisierende Situationen. Nach der Walküre gewinnt der Detmolder „Ring“ Konturen. Die Spannung bei allen Beteiligten ist riesengroß, löst sich nach dem letzten Vorhang und macht unter dem begeisterten viertelstündigen Schlussapplaus befreitem Jubel Platz. Neben dem euphorischen Detmolder Publikum sind zahlreiche „Beobachter“ aus dem Kreis der Wagner-Gesellschaften und Programm-Macher von Theatern ohne eigenes Ensemble im atmosphärisch dichten Detmolder Theater - schließlich wird mit der Detmolder Produktion zum ersten Mal ein „Ring“ auf Reisen gehen!

Opernnetz, 2. Juni 2008


Hat das Landestheater Wagner-Stimmen? Ja, beweist ein Besuch des „Rheingold“. Erich Wächter dirigiert mit viel Gespür für das Geschehen auf der Bühne, setzt pointierte Spitzen, ist immer nah dran an den Sängern. Kay Metzger erzählt die Geschichte schlüssig, effektvoll und mit leiser Ironie. 
WDR 5 Scala

zurück

Besetzung

Musikalische Leitung
Erich Wächter

Inszenierung
Kay Metzger

Ausstattung
Petra Mollérus

Choreografie
Richard Lowe

Dramaturgie
Elisabeth Wirtz

 

Wotan
Mark Morouse

Donner
Andreas Jören

Froh
Florian Simson

Loge
Johannes Harten

Alberich
Joachim Goltz

Mime
Markus Gruber

Fasolt
Dirk Aleschus

Fafner
Patrick Simper

Fricka
Monika Waeckerle

Freia
Marianne Kienbaum-Nasrawi

Erda
Evelyn Krahe

Woglinde
Catalina Bertucci

Wellgunde
Beate von Hahn

Floßhilde
Evelyn Krahe

 

Regieassistenz
Christian Jérôme Timme

Inspizienz
Marco Struffolino

Soufflage
Dietlind Eger

 

Symphonisches Orchester, Ballett, Statisterie des Landestheaters Detmold

Startseite  Impressum