Landestheater Detmold

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Alexander Muno

Sogno d'un mattino di primavera (Traum eines Frühlingsmorgens)

Oper (Uraufführung)

Premiere 08.04.2016

Mit Alexander Muno verfasst ein junger, schon mehrfach preisgekrönter Komponist für das Landestheater ein Auftragswerk als Literaturoper. Erfahrungen mit Literaturvorlagen sammelte er bereits mit der Oper »Vom Meer« nach Ibsen für das Theater Heidelberg. Alexander Muno hat sich mit dem Entwurf einer Oper nach dem dramatischen Gedicht von Gabriele D’Annunzio einen sprachmächtigen Autor ausgesucht, der sich nicht nur als poetischer Wortkünstler einen Namen gemacht hat. Sein Ruf als politischer Abenteurer und unersättlicher Frauenheld war nicht weniger legendär. »Traum eines Frühlingsmorgens« beschreibt eine unglückliche Liebe: Donna Isabella ist über dem Mord an ihrem Geliebten wahnsinnig geworden. Seitdem dieser in ihren Armen blutüberströmt starb, löst jede intensive rote Farbe, sei es von einer Beere oder einem Insekt, erneut den Schrecken dieses Moments aus. Ihr Arzt hofft, sie mithilfe Virginios, des Bruders des Ermordeten, von ihrem Wahn erlösen zu können. Und tatsächlich bringt dieser ihr Linderung, indem er sie von jeglicher Schuld am damaligen Geschehen freispricht und in ihr Träume eines möglichen Lebensglücks auslöst. Dieses Glück aber ist nur für andere bestimmt, Isabella selbst will mit der Natur verschmelzen, im totalen Vergessen Befreiung finden.

 

Musikalische Leitung: Lutz Rademacher

Inszenierung: Kay Metzger

Ausstattung: Michael Heinrich

 

Einführungssoiree: Freitag, 1. April 2016, 19.00 Uhr, Foyer-Restaurant, Landestheater, anschließend Besuch der »Öffentlichen Bühnenorchesterprobe«

 

Uraufführung: Freitag, 8. April 2016, 19.30 Uhr, Landestheater

Vorstellungen: Mi, 13.4./ So, 17.4./ Fr, 13.5./ Do, 23.6.2016

 

Diese Produktion wird gefördert vom:

Gefördert im Rahmen von

Fonds Neues Musiktheater 2016

Kritiken

[...] Die Sänger haben dankbare, wenngleich schwierige und viel Konzentration fordernde Aufgaben. Vor allem Eva Bernard als Isabella hat eine Menge Zwischentöne und dramatische Ausbrüche zu singen, die Rolle kommt einer großen Wagner-Partie nahe. Dabei ist sie schauspielerisch ausgezeichnet, spielt eine im Wahn versinkende Frau mit vielen Facetten und Momenten utopischer Sehnsucht. Isabella will Erlösung finden und strebt danach, mit der Natur eins zu werden. Das könnte - wie die gesamte Geschichte - leicht in den Kitsch rutschen. Doch Kay Metzger, der Intendant des Landestheaters Detmold, bedient nicht einfach nur die Handlung. Ausstatter Michael Heinrich hat keinen Garten entworfen, sondern den Innenraum eines Palazzo, mit Marmorwänden, an denen große Naturbilder im Stil der Zeit um 1900 hängen. Isabella hantiert mit Topfblumen, es geht also nie um die Natur selbst, sondern um eine Vorstellung von ihr. Isabella ist fast immer präsent, manchmal liegt sie in einem riesigen Bett. Vielleicht spielt alles in ihrem Kopf. Einige Male erscheint der blutige Leichnam ihres Geliebten, stumm, ohne sie anzuklagen, seine Gegenwart reicht, um sie an die Tat zu erinnern.
Alexander Muno hat den Giselher-Klebe-Wettbewerb gewonnen, der nach dem 2009 in Detmold verstorbenen Komponisten benannt ist. Der Fonds Neues Musiktheater finanziert nicht nur das Preisgeld in Höhe von insgesamt 20.000 Euro, sondern unterstützt auch die Produktion. So ist am Landestheater eine große Uraufführung überhaupt möglich, der nächste Wettbewerb ist schon ausgeschrieben. Manfred Trojahn und Aribert Reimann, zwei der angesehensten zeitgenössischen Komponisten, sind in der Jury und waren auch in der Premiere.

Bewundernswerte Leistung des Ensembles
Das Landestheater hat eine eher trocken, spröde Akustik. Mit der fein instrumentierten, farbenreichen Partitur hat es Generalmusikdirektor Lutz Rademacher nicht leicht. Er muss sein Orchester extrem genau spielen lassen, weil man die kleinste Abweichung sofort hört. Die Musik könnte noch etwas mehr Spontaneität atmen, dennoch ist die Leistung des gesamten Ensembles bewundernswert. Gabriele d'Annunzio ist aus heutiger Sicht ein zwiespältiger Charakter. Er lebte als Dandy, inszenierte sich selbst bis zur Absurdität, unterstützte schließlich die italienischen Faschisten. Er lebte in der und für die Kunst, völlig abgehoben vom normalen Leben. Eben das tut auch diese Oper, der Wahnsinn ist die radikalste Form der Weltabgehobenheit und Egomanie, man könnte ihn auch als Perfektionierung des Dandytums verstehen. Weil nichts gilt außer dem eigenen Gefühl. Sich mit so einer Position auseinanderzusetzen, ist im Musiktheater selten geworden. Alexander Muno und Regisseur Kay Metzger ist das überzeugend gelungen.

Stefan Keim für deutschlandradio kultur


Verkörpert wird [Isabella] von Eva Bernard, die die Figur zwischen kindlicher Verträumtheit, verführerischer Lolita-Attitüde, Wahnsinns-Schüben und Blutrausch-Besessenheit darstellerisch überaus facettenreich anlegt. Muno hat ihr ständige Taktwechsel, komplizierte Intervallsprünge und jede Menge Dramatik in die Partitur geschrieben - auch gesanglich meistert Bernard diese Aufgabe angesichts deren Schwierigkeitsgrad in bewundernswerter Weise. Das gilt genau so für das übrige Bühnenensemble: Andreas Jören als dandyhafter, undurchsichtiger Dottore, Lotte Kortenhaus als Beatrice, die ihr eigenes Leben zugunsten der kranken Schwester aufgibt, Ewandro Stenzowski als Virgilio, Bruder des Getöteten und erhoffter, aber letztlich scheiternder Heilsbringer, und Patricia Roach als Teodata. [...] Chapeau für eine große Leistung des gesamten Ensembles.

Regisseur Kay Metzger zeichnet gut nachvollziehbar das Gefangensein der Protagonisten in diesem Kosmos aus Krankheit. Für sie alle gibt es nur die eine Wahl: ein Leben in dieser Zwischenwelt, Gefängnis und mit Topfpflanzen als Natur-Reminiszenz möbliertem Schutzraum in einem - oder gar keines.


Barbara Luetgebrune für die LZ

 

Es ist ein Eintauchen in eine vergangene Welt. Nicht nur des (im italienischen Original vertonten) "dramatischen Gedichts" Sogno d'un mattino di primavera von Gabriele d'Annunzio wegen, 1897 veröffentlicht; auch knüpft Komponist Alexander Muro musikgeschichtlich an eine zerfallende, aber noch latent erahnbare Tonalität an, wie sie sich bei Debussy und Ravel oder Zemlinsky abzeichnet. Aus kleinen, oft ostinaten Motiven entstehen Klangräume, die die Figuren der Oper umgeben, oft in der hohen Streicherlage, und es gibt zwar auf kleinster Ebene diffizile rhythmische und thematische Strukturen, die aber im Gesamtklang zu einer vibrierenden Fläche verschmelzen - eine "unendliche Melodie", von der die kantablen Gesangslinien getragen werden. Zunächst ist das im Gestus eher lyrisch, bekommt aber gerade im Finale auch zunehmend dramatische Züge. Muno verwendet durchaus moderne Mittel, entwickelt die impressionistisch gefärbte Klangsprache mit eigenen Mitteln weiter (etwa mit glissandoartig angeschliffenen Tönen oder beinahe geräuschhaften Elementen, aber auch diese vornehmlich auf einer Subebene). Im Gesamteindruck entsteht eine doch sehr eigenständige, berückend schöne und sehr expressive Musik, die ihre ästhetische Nähe zu den genannten Spätromantikern nicht verleugnet und keinerlei avantgardistische Züge hat, sich aber auch nicht anbiedert - und dem bild- und wortgewaltigen Text eine eigene Dimension entgegen setzt.

[...] Der Isabella hat [Muno] zwei grandiose Szenen, darunter ein Finalmonolog von geradezu Wagnerschen oder Strauss'schen Dimensionen, geschrieben. Eva Bernhard, seit dieser Spielzeit festes Ensemblemitglied in Detmold, bewältigt das eindrucksvoll. [...]

Lotte Kortenhaus getaltet Isabellas Schwester Beatrice mit warmem, sehr kantablem Mezzosopran, Ewandro Stenzowski singt den Vigilio mit schwärmerischem, italienisch gefärbten und weitgehend höhensicherem Tenor. Nobel und elegant ist Andreas Jören als Arzt, souverän Patricia Roach als ältere Dienerin Teodata, lyrisch-kokett Kirsten Labonte aus dem Opernstudio als junge Dienerin Simonetta, forsch auftrumpfend Stephen Chambers als Gärtner Panfilo. Das symphonische Orchester des Landestheaters Detmold beginnt unter der Leitung von Chefdirigent Lutz Rademacher ein wenig tastend, spielt dann aber zunehmend sicher und zupackend.

Regie führt Intendant Kay Metzger persönlich. Er verlegt die Handlung aus dem Garten in einen ovalen, fensterlosen Raum mit, bei dem die Natur als monochromes Abbild an den Wänden erscheint - das Innere eines Mausoleums vielleicht, was auf d'Annunzio verweist (dem Mussolini ein solches "spendierte"). Blumen gibt es als Topfplanzen, blütenlos, denn Isabella kann seit der besagten Nacht kein Rot mehr ertragen. Die Ausstattung (Michael Heinrich) spielt virtuos mit den Farben, setzt Isabellas rötliches Haar als Kontrast gegen die schwarz-weiß-grau-Architektur und das Grün der Pflanzen (und Isabellas Umhang). Durch die seitliche Tür fällt gleißend weißes Licht, was man als Außenraum, vielleicht auch als Vision des Todes sehen kann.

Metzger untersucht die psychoanalytische Dimension des Dramas, und das meint vor allem die kaum versteckte sexuelle Dimension. Es [...] gelingt es Metzger gut, mit einer unaufdringlichen, aber genauen Personenregie die Geschichte zu erzählen und auszudeuten, ohne dem Werk zusätzlichen Ballast mitzugeben.

 

FAZIT

Eine Uraufführung, die der Entdeckung wert ist: Sogno d'un mattino di primavera setzt wenig avantgardistisch, aber doch sehr eindrucksvoll und durchaus eigenständig eine romantische Operntradition mit modernen Mitteln fort.

Stefan Schmöe für Online Musik Magazin

 

[...] Gesungen wird an diesem Uraufführungsabend grandios! Vor allem von Eva Bernard in der zentralen Rolle der Isabella. Was Alexander Muno ihrer Stimme abverlangt, ist wirklich mörderisch! Aber Bernard meistert diese Herausforderung mit Grandezza bis hin zu ihrem großen, langen und fordernden Schluss-Monolog. Voller stimmlicher Energie und schauspielerisch von unglaublich authentischer Wirkung! Auch Bernards Kolleginnen und Kollegen lassen hinsichtlich ihrer vokalen und darstellerischen Qualitäten nicht das Geringste zu wünschen übrig – eine großartige Ensembleleistung also, das Orchester des Landestheaters eingeschlossen.[...]

Christoph Schulte im Walde für nmz

Die Oper ist ein ästhetischer Genuss für Kenner, zumal das Detmolder Ensemble die großen Aufgaben [...] fabelhaft bewältigt. Die mörderische Rolle der Isabella gestaltet Eva Bernard mit einer opulenten Vielfalt an Ausdrucksmitteln und Zwischentönen. Lutz Rademacher dirigiert das Symphonische Orchester mit größter Aufmerksamkeit und Akkuratesse, [...]

Stephan Keim für opernwelt

Für diese wichtige Uraufführung hatte Kay Metzger, der Intendant des Landestheaters Detmold, die Regie selbst übernommen. Der für die Ausstattung verantwortliche Michael Heinrich kommt mit nur einem Bühnenbild aus, was die Geschlossenheit der 130-minütigen Oper, die ohne Pause durchgespielt wird, auf eindrucksvolle Weise unterstreicht. [...] Mit Eva Bernard stand dem Landestheater eine geradezu phänomenale Isabella zur Verfügung. Ihr Sopran hat Leuchtkraft, ist höhensicher und selbst in hoch emotionalen Passagen ohne Schärfe. Wie sie sich in die Rolle der Geisteskranken hineinversetzt und alles immer wieder in Schüben durchlebt und durchleidet, wie sie sich hinter Blumen verkriecht, um eins zu werden mit der grünen Natur, [...] das ist markerschütternd und zutiefst ergreifend. Die berühmte Eleonora Duse, für die D`Annunzio das Stück geschrieben hat, wird kaum intensiver im Ausdruck gewesen sein. Die Beatrice der Lotte Kortenhaus ist hochgradig verstrickt mit dem Schicksal ihrer Schwester Isabella, mit der es zu dramatischen Szenen kommt. Panfilo (Stephen Chambers) und Simonetta (Kirsten labonte) stehen mit ihren Liebeständeleien in schönem Kontrast zu der dekadenten Atmosphäre im Krankenzimmer. Der Dottore des Andreas Jören ist ein Gentleman von soigniertem Äußeren und sonorem Auftreten. Patricia Roach als Teodata hat eine eindrucksvolle Szene - sie ist schließlich die erste und wichtigste Zeugin der Horrornacht. [...] Das Orchester des Landestheaters Detmold unter Lutz Rademacher hat sich bei dieser denkwürdigen Uraufführung in bewundernswürdiger Hochform gezeigt. Der in vielen Farben schillernden Partitur konnten die Musiker eine außergewöhnliche Vitalität und Faszination abgewinnen. [...] Man kann dieser Oper nur wünschen, dass sie bald von anderen Häusern nachgespielt wird.

J. Gahre für opernglas

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Besetzung

Musikalische Leitung
Lutz Rademacher

Regie
Kay Metzger

Ausstattung
Michael Heinrich

Dramaturgie
Elisabeth Wirtz

 

Isabella
Eva Bernard

Beatrice
Lotte Kortenhaus

Teodata
Patricia Roach

Dottore
Andreas Jören

Virginio
Ewandro Stenzowski

Simonetta
Kirsten Labonte

Panfilo
Stephen Chambers

 

Inspizienz
Marco Struffolino

Soufflage
Dietlind Eger

 

Symphonisches Orchester, Statisterie des Landestheaters Detmold

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