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Eugene O’Neill

Eines langen Tages Reise in die Nacht

Schauspiel

Schauspiel von Eugene O'Neill

Premiere 01.12.2016

Ein Tag im Leben der Familie Tyrone: Bei Sonnenaufgang scheint die Welt noch völlig in Ordnung, doch bereits nach dem Frühstück zeigen sich die ersten Risse in der Fassade des Familienglücks und die mühsam unterdrückten Konflikte treten zu Tage: Wer ist schuld am Unglück der Familie?

Der Vater, einst ein gefeierter Schauspieler, der um des finanziellen Erfolgs willen sein Talent verraten hat und mit seinem zwanghaften Geiz die Familie tyrannisiert? Die Mutter, die die Zumutungen der Künstlerexistenz nur mit Hilfe von Morphium erträgt? Der älteste Sohn, der Bar und Bordell den Vorzug gegenüber einer geregelten Erwerbsarbeit gibt? Oder sein Bruder, dessen Geburt die Mutter beinahe das Leben gekostet hätte? Je mehr die vier Protagonisten sich in Selbstbetrug üben, desto deutlicher wird: Jeder hat sein Quäntchen zum Verlauf der Familiengeschichte beigetragen und niemand entkommt den schicksalhaften Verästelungen seiner Herkunft. Eugene O'Neill arbeitet mit dem Stück seine eigene Biographie auf, »mit großem Mitgefühl und Verständnis und auch tiefer Vergebung«. Er zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der Erfolg und soziales Prestige alles sind und die individuellen Lebensträumen jenseits der vorgegebenen Muster keinen Raum bietet.


Inszenierung: Ron Zimmering
Ausstattung:
Lisa Kruse


Premiere: Donnerstag, 1. Dezember 2016, 19.30 Uhr, Grabbe-Haus

Kritiken

Schauspielerische Glanzleistungen für ein ganz persönlich gefärbtes, verstörendes Werk: Am Donnerstag hatte ein "Stück über einen alten Kummer, geschrieben mit Blut und Tränen" in der Regie von Ron Zimmering im Grabbe-Haus Premiere.

(...)

Für Mary Tyrone (Kerstin Klinder), frisch von einer Entziehungskur wieder im kargen Heim gelandet, ist das Morphium, das zunächst nur ihre Handschmerzen lindern sollte, zum ständigen Begleiter geworden. Die Droge lässt vergessen, dass sie ihre eigenen beruflichen Ambitionen seinerzeit zugunsten eines umschwärmten Frauenlieblings zurück gestellt hat. Über die Jahre hinweg ist sie in der Schauspielertruppe ihres von Ort zu Ort ziehenden Mannes seelisch verkümmert.

James Tyrone (Jürgen Roth) ist ein Mime mit passabler Vergangenheit und ohne Zukunft. Sein sprichwörtlicher Geiz wurzelt in den erbärmlichen Familienverhältnissen seiner irischen Vergangenheit. Als Vater hat er versagt. Jetzt schwankt er zwischen cholerischem Aufbrausen und larmoyanter Resignation.

Ohne besonderen Ehrgeiz hat der älteste Sohn James jr. (Hartmut Jonas) eine eher mittelmäßig verlaufende Schauspielerlaufbahn eingeschlagen. Trost für sein Scheitern findet er in Bordellen und beim Whisky. Und dann ist da noch ein jüngerer, an einer ominösen Krankheit leidender Sohn, ein "alter Ego" des Autors. Edmund (Lukas Schrenk) schafft es immerhin, gelegentlich, aufzubegehren und sich in einigen Jobs zu versuchen.

Das opulent eingerichtete Sommerhaus, einzige Konstante der ein Nomadenleben führenden Familie, existiert nur in der Beschreibung des Sohnes und damit in der Fantasie der Zuschauer. Im Lauf des Abends werden auf der von Lisa Kruse eingerichteten Bühne Gerümpel und kahle Mauern immer sichtbarer - eine Metapher für den seelischen Verfall der Handelnden. Zu Essen gibt es an diesem "langen Tag" nichts. Der Alkohol lässt die Klagen über zerstörte Lebensträume eskalieren, und auch die feste Verankerung im katholischen Glauben bietet keine Hilfe. Während sich die Vorwürfe steigern, wird die Situation - voran getrieben durch den sich steigernden Rhythmus des von Lukas Schrenk gespielten Schlagzeugs - unerträglich.

Obwohl hier jeder seinen Beitrag zur Zerrüttung geleistet hat, verbleibt beim Zuschauer eine von Mitleid geprägte Sympathie. Am Ende ist die Nebelbank, in der sich Mary verirrt hat, undurchdringlich geworden. Wie Kerstin Klinder zu Beginn ihrer "Reise in die Nacht" leichtfüßig über die zerstörten Menschen hinweg schreitet, bleibt unvergesslich.

 

Lippische Landes-Zeitung

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Besetzung

Inszenierung
Ron Zimmering

Ausstattung
Lisa Kruse

Dramaturgie
Marie Johannsen

 

Mary C. Tyrone
Kerstin Klinder

James Tyrone
Jürgen Roth

James Tyrone jun.
Hartmut Jonas

Edmund Tyrone
Lukas Schrenk

 

Autor
Eugen O'Neill

 

Regieassistenz
Romy Dins

Soufflage
Romy Dins / Anne Risse

 

Doppelbesetzungen in alphabetischer Reihenfolge.
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