Landestheater Detmold

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Schwanensee

Premiere 27.01.2012

Von einem grausamen Magier wurde die schöne Odette mit einem Fluch belegt: Tagsüber muss sie die Gestalt eines Schwans annehmen, nur noch nachts darf sie ihr menschliches Antlitz zeigen. Allein die Zuneigung eines sie treuherzig liebenden Menschen könne sie erlösen. Prinz Siegfried, der ein ihm zu Ehren bei Hofe ausgerichtetes Fest verlässt, um einem weißen Schwan zu folgen, dessen Grazie er bewundert, verliebt sich in Odette, als diese für kurze Zeit ihrem Federkleid entschlüpft. Er glaubt, durch sein inniges Gefühl den Bann aufzuheben. Als er sich aber im Schloss zur ihr bekennen will, wird er getäuscht: Der Prinz leistet seinen Treueeid der verführerischen Odile, die der Zauberer ihm als schwarzer Schwan in Odettes Gestalt zuführt. Damit bricht Siegfried den Odette gegebenen Schwur, sie bleibt unerlöst. Müssen sich die beiden nun ohnmächtig in ihr Schicksal ergeben oder gibt es noch Hoffnung für ihre verzweifelte Liebe?" Schwanensee" ist für viele das Synonym für Ballett überhaupt. 

Uraufgeführt 1877, wurde es in der Choreografie von Marius Petipa und Lew Iwanow von 1895 zum Tanzklassiker schlechthin. Richard Lowes Neuinterpretation des romantischen Märchens zur mitreißend leidenschaftlichen Musik Tschaikowskys konzentriert sich auf den Gefühlskonflikt eines Mannes zwischen gegensätzlichen Verkörperungen von Weiblichkeit - Odile, der schwarze Schwan, in der sich das extrovertiert Verführerische und kraftvoll Sinnliche manifestiert, und Odette, der weiße Schwan, das Bild fraulicher Innerlichkeit, Zartheit und Verletzlichkeit. 

Musikalische Leitung: Matthias Wegele

Inszenierung/Choreografie: Richard Lowe

Einführungsmatinee: Sonntag, 22. Januar 2012, 11.30 Uhr, 

Detmolder Sommertheater

Kritiken

Als "nicht genügend tänzerisch" befand die Direktion des Moskauer Bolschoi-Theaters vor 135 Jahren eine Musik, die zum Welterfolg werden sollte und mit der Peter Iljitsch Tschaikowsky Ballettgeschichte schrieb. Petra Mollérus hat die traditionelle Aufführungspraxis mit Ballerinen in Teller-Tütüs behutsam entstaubt. Stilisierte Säulen und Zypressen in Schwarz und Weiß bilden den Rahmen einer großen ovalen Öffnung, die in wechselnden Beleuchtungen an einen kleinen Waldsee gemahnt. Die jungen Frauen tragen mit Blumen bedruckte Sommerkleider im Stil der 1950er Jahre und zeigen sich gemeinsam mit ihren verzauberten Partnern im weißen, stilisierten Feder-Aufputz. 

Tschaikowskys mit hohem Wiedererkennungs-Wert ausgestattete Musik ist angereichert mit witziger Eleganz und dramatisch zupackenden Szenen. Vor allem aber enthält sie jene schwelgerische Süße, die unter den falschen Händen zum kaum genießbaren Zuckerguss geraten kann. Doch das sinfonische Orchester des Landestheaters unter Matthias Wegele entfaltete einen bestechend reinen, üppigen Klangzauber. Das war die Steilvorlage für Choreograf Richard Lowe, der mit lediglich elf Tänzerinnen und Tänzern ein Raum füllendes Märchendrama, natürlich mit glücklichem Ausgang, gestaltete. Überzeugend wurden die Doppelbesetzungen bewältigt. So traten die vier Prinzessinnen später als weiße Schwäne auf, ebenso wie der Prinzenfreund Benno (Egid Minác). Und Caroline Lusken war in gleich drei Rollen zugegen. Das Ballettensemble, angeführt von dem mit bestechender Eleganz auftretenden Prinz Siegfried alias Narcís Subatella Sánchez, agierte in einem geglückten Mix der Ausdrucksformen, in dem klassische Posen mit den Bewegungen des aktuellen Tanztheaters kombiniert wurden. Reizvolle Kontraste lagen in einem betont zögerlichen Auftreten zu lebhafter Musik. Der schwarzhaarige weiße Schwan Odette (Mireia Facal) und der blonde schwarze Schwan Odile (Caroline Lusken) bezauberten solistisch oder im Pas de deux ebenso wie - ganz im Wortsinne - der düstere Magier Rothbart (Jack Howe). Bei aller Dramatik ergaben sich immer wieder witzige Situationen, so beim Zickenkrieg der Prinzessinnen. [...]

 

Lippische Landes-Zeitung

 

 

„Ballett ist wie eine Sinfonie“

Wenn auch dieser Ausspruch Tschaikowskys aus späterer Zeit stammt, wirkt dieses Bekenntnis doch wie die nachträgliche Bestätigung einer Konzeption, die er bereits mit „Schwanensee“ zu realisieren begonnen hatte. Das Ballett „Schwanensee“ gehört zum Standardrepertoire klassischer Ballettkompagnie. So hat sich auch Choreograf Richard Lowe an das schwierige Thema herangewagt und mit seinen jungen Tänzerinnen und Tänzern in einer Neuinterpretation des romantischen Märchens zur mitreißend leidenschaftlichen Musik Tschaikowskys auf die Detmolder Bühne gebracht.

"Schwanensee" ist für viele das Synonym für Ballett überhaupt, obwohl es bei der Uraufführung 1877 floppte, denn die Aufführung war von ungenügender Vorbereitung und technisch mangelhaften Darstellern sowie von schlechter Ausstattung gekennzeichnet. Es sollte Jahre dauern bis es zum Hit wurde.

Auf der Bühne des Landestheaters wird der Gefühlskonflikt eines jungen Mannes, Prinz Siegfried, zwischen zwei Frauen unterschiedlicher Couleur, der verführerischen Odile, der schwarze Schwan und Odette, der weiße Schwan, das Bild fraulicher Innigkeit, Zartheit und Verletzlichkeit, gezeigt.

[...] Diese auf zwei Stunden gekürzte Fassung, der „Festball“ wurde ganz gestrichen, tut der Inszenierung gut und konzentriert sich auf die eigentliche Geschichte. Eine Leichtigkeit des Seins zieht sich durch den gesamten ersten Teil, der von der Unbeschwertheit der Jugend gekennzeichnet ist. Gut umgesetzt von dem jungen Ballettensemble in leichten Sommerkleidern in einer vom Sonnenlicht durchfluteten Kulisse und dazu Tschaikowskys leidenschaftliche Melodien, eindrucksvoll wiedergegeben vom Orchester des Landestheaters unter der musikalischen Leitung von Matthias Wegele.

 

www.kulturinfo-lippe.de

Annette Schäfer

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