
Zur Zeit sind leider keine Termine bekannt.
Wiederaufnahme
"Wann hat und wo die fromme Raserei, den bessern Gott zu haben, diesen bessern der ganzen Welt als besten aufzudringen, in ihrer schwärzesten Gestalt sich mehr gezeigt als hier" - mit Gewalt und Zerstörung beginnt Lessings Stück von 1783, und der Ort des Geschehens ist uns durchaus als der gewärtig, an dem unterschiedliche religiöse Überzeugungen immer noch extrem zu Tage treten: Jerusalem. Als der jüdische Geschäftsmann Nathan von einer reise zurückkehrt, muss er erfahren, dass sein Haus in Brand gesteckt wurde. Doch seine Pflegetochter Recha hat überlebt, da ein christlich erzogener junger Mann sie rettete. Dass sie nun zärtliche Gefühle für den Andersgläubigen hegt, ist Anlass einer spannungsvollen Suche nach Lebenssinn und Identität, die auch und gerade die Frage beinhaltet, welcher Glaube der einzig wahre und richtige sei.
Nathan beantwortet diese mit einer Parabel, welche zur Einsicht gleichberechtigten Miteinanders, notwendiger gegenseitiger Akzeptanz und einer Überwindung der Fronten verhelfen soll. Lessings Gedanke der Vereinigung des Gegen-sätzlichen durch Toleranz und Vernunft ist Utopie geblieben. Damals wie heute werden (religiöse) Dogmen fanatisch gegen die jeweils anderen "Ungläubigen" vertreten und brutal durchgesetzt. Die Botschaft des Stückes ist insofern von beklemmender Aktualität.
Wiederaufnahme: Mittwoch, 29. August 2012
19.30 Uhr, Grabbe-Haus
Der Regisseur Rüdiger Pape hat das Stück radikal entstaubt. [...]
Mit drei großen Schießscheiben in menschlichen Umrissen weist Ausstatterin Pia Wessels auf die spannungsgeladene Atmosphäre hin, die das heutige Jerusalem im Zwist der Religionen prägt. Gefochten wird nicht nur mit präzisen Sentenzen, sondern auch mit Schwert und Dolch. Ansonsten genügen wenige Requisiten. Denn es gibt ein Ensemble junger Darsteller, die ausnahmslos über tadellose Sprachkultur verfügen. Ein raffinierter Coup des Regie besetzt zwei Rollen christlicher und moslemischer Prägung mit den gleichen Schauspielern. So gibt Ewa Rataj, hier in Bestform, die voller Bekehrungseifer steckende Daja in ebenso penetranter und verschlagener Weise wie ihre Geistesschwester Sittah. Deren Bruder, Sultan Saladin, zeigt sich bei Philipp Baumgarten als zwischen Toleranz und Brutalität schwankender Familienmensch. Sein Alter Ego, der senile Patriarch von Jerusalem, ist dagegen halsstarrig und unnachgiebig.Ebenfalls doppelt, hier allerdings als eine Art Zwillings-Klon, tritt der junge Tempelherr in Gestalt von Martin Krah und Recardo Koppe auf. Den roboterhaften, von Phrasen dominierten Auftritten des Anfangs stehen zunehmend menschliche Züge gegenüber. Sie gelten der angeblichen Nathan-Tochter Recha, von Anna Katharina Schwabroth ebenso selbstbewusst wie schwärmerisch gestaltet. Alle Fäden in der Hand hat ein vergleichsweise jugendlicher Nathan, von Stephan Clemens ganz ohne Kaftan und Rauschebart selbstironisch und souverän dargeboten. [...]
Lippische Landes-Zeitung
Im Grabbe-Haus wird [Lessings] dramatische Gedicht jung und dynamisch in einer Spieldauer von etwas über zwei Stunden auf die Bühne gebracht. Der Text ist verdichtet, verkürzt, in seiner Dramatik aber erhalten, wobei die Leichtigkeit und Freude nicht darunter leidet.
Regie führt Rüdiger Pape, freischaffender Regisseur, der schon an vielen Theatern im In- und Ausland tätig war. Für das Grabbe-Haus konzipierte er eine eigene Fassung dieses Mammutwerkes, konzentriert auf das Wesentliche mit nur sechs Schauspielern. Die Bühne von Pia Wessels ist sparsam bestückt. Die Sandsteinwände des Grabbe-Hauses reichen für einen idealen Jerusalem-Charakter und dazu noch ein paar Bänke, die je nach Verwendung von den Schauspielern gestellt werden. Die Kostüme und Requisiten werden je nach Bedarf von der Decke herabgelassen. Eine Spielstätte par excellence für Lessings dramatisches Gedicht. Damals wie heute werden (religiöse) Dogmen fanatisch gegen die jeweils anderen "Ungläubigen" vertreten und brutal durchgesetzt. Die Botschaft des Stückes ist insofern von beklemmender Aktualität, die von sechs jungen Schauspielern aus dem Detmolder Ensemble vorzüglich wieder gegeben wird. Mit dieser Aufführung beweist Rüdiger Pape, dass ein weiser Mann keinen langen Bart tragen muss, gut gewählt Stephan Clemens als Nathan, wie Pape auch bei der Auswahl der anderen Personen ein gutes Händchen gezeigt hat. Ewa Rataj glänzt gleich zweimal als Gesellschafterin Daja und als Sittah, die Schwester des Sultans. Der Sultan Saladin wird gespielt von Philipp Baumgarten, der auch den Patriarchen von Jerusalem sehr authentisch vertritt.[...]
kulturinfo-lippe.de
Landestheater Detmold GmbH / Theaterplatz 1 / 32756 Detmold / Tel. 05231/974-60 / Fax 05231/974-701 / info(at)landestheater-detmold.de
Besuchen Sie uns auch bei:
Facebook Twitter Vimeo