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Wiederaufnahme
"Die Süße" Irma ist eine der attraktivsten Dirnen auf dem Montmartre. An Anwärtern herrscht kein Mangel, und als die sich ihretwegen sogar Prügel androhen, schlägt sich mit dem Jurastudenten Nestor prompt ein neuer Verehrer für sie in die Bresche. Soviel Einsatz wird belohnt. Irma und Nestor werden ein Paar, das Glück wird für Nestor allerdings getrübt durch Irmas Freier. Also beschließt er, verkleidet als vermögender Monsieur Oscar, ihr Stammkunde zu werden. Doch Irmas Sympathiebekundungen für Monsieur Oscar erregen neuerdings seine Eifersucht. Ihm kommt die skurrile Idee, den unbequemen Herrn umzubringen. Leider wird er dabei beobachtet, wie er die Jacke des "Nebenbuhlers" in die Seine wirft. Unter Mordverdacht im Gefängnis sitzend, erfährt er, dass Irma schwanger ist...
Als "Irma La Douce" 1956 zunächst das Pariser Publikum und spätestens seit Verfilmung von Billy Wilder 1963 mit Shirley MacLaine und Jack Lemmon weltweit die Zuschauer begeisterte, verhieß das Musical um käuflichen Sex amüsante Unterhaltung jenseits der Wohlanständigkeit. Anrüchig oder frivol erscheint das Stück heute längst nicht mehr, aber es erzählt auf unverwechselbare Art charmant und komödiantisch von einem zeitlosen Thema: dem Genuss der Liebe und der Qual der Eifersucht.
Wiederaufnahme: Donnerstag, 23. August 2012
19.30 Uhr, Detmolder Sommertheater
Die Zuschauer erlebten in der Regie von Tatjana Rese einen höchst vergnüglichen Mix aus Frechheit, ein wenig Frivolität und Liebesturbulenzen, angereichert mit einer Prise Tragik und gekrönt von dem unabdingbaren "Happy End".
Das alles spielt im Paris der 1950er Jahre, und zwar im Rotlichtmilieu. Es ist ein wenig kriminell, aber "in Wirklichkeit ganz harmlos". So zumindest formuliert es der Moderator, Märchenerzähler und Entertainer Bob, geschniegelt und aalglatt gegeben von Jürgen Roth. Auf der von Hans Günter Säbel entworfenen Bühne wandelt sich die Paris-Bar im Handumdrehen zur lauschigen Kleinbürgerwohnung, zum plüschigen Bordell und zur stacheldrahtbewehrten Gefängnisinsel. Mitten ins sündige Nachtleben hinein stolpert Nestor, ein ewiger Student der Jurisprudenz. Markus Hottgenroth gibt ihn als liebenswerten Tolpatsch, der aber schnell zum erfinderischen Pfiffikus reift. Denn die Liebe zur süßen Irma zwingt den anfangs Unbedarften zu den tollsten Kapriolen. Anna Katharina Schwabroh, in Erscheinung und Darstellung eine Irma wie aus dem Bilderbuch, vermag dem antiquierten Begriff "Freudenmädchen" einen lebensbejahenden Inhalt zu verleihen. Die Märchenhaftigkeit der Szene - Irma erkennt ihren als millionenschwerer "Monsieur Oscar" auftretenden Liebhaber auch in den intimsten Momenten nicht - passt zu der Regie-Idee, alte Ganovenfilme liebevoll auf die Schippe zu nehmen. Mit überdimensionierten Baguettes, tortengroßen Camemberts und flippigen bunten Kostümen (Pia Wessels) wird hier dem Klischee von der "Stadt der Liebe" mit ihren herzensguten Huren gehuldigt. Immer wieder gibt es überzeugende, von Gaetan Chailly choreografierte Bilder, so die in Zeitlupe ablaufende Verhaftung und der rasante Ausbruch aus dem Gefängnis der Teufelsinsel. [...] Henry Klinder tritt als keineswegs lupenreiner Hüter des Gesetzes sein zwielichtiges Werk an. [...]. Ein Extra-Lob gebührt den musikalischen Arrangements von Thomas Wolter und die im Hintergrund agierende fünf köpfige "Bande de Marlous". Die "Zuhälter" erweisen sich als exzellente Musiker, die den immer wiederkehrenden Piaf-Sound exakt treffen. [...].
Lippische Landes-Zeitung
Begeisterte Zuschauer erlebten eine Premiere des Musicals "Irma la Douce" mit großartigen Schauspielern, toller Musik, im seichten Pariser Milieu mit vielen Verwicklungen und munterer Unterhaltung, [...].
Das zwar schon 50 Jahre alte Stück von Marguerite Monnot und Alexandre Breffort gibt hier auf unverwechselbare Art charmant und komödiantisch mit dem Genuss der Liebe und der Qual der Eifersucht jenseits der Wohlanständigkeit der Bürgerlichkeit, ein zeitloses Thema wieder. In "Irma la Douce" geht es um eine humorvolle musikalische Liebesgeschichte mit Zuhältern und Dirnen im Rotlichtmilieu. Wunderbar wird diese Geschichte erzählt von Bob, dem Barmixer, dargestellt von Jürgen Roth, der die gesamte Handlunng erklärt und einen großen Bogen vom Anfang bis zum Ende spannt. "Die Süße" Irma, gespielt und hervorragend gesungen von Anna Katharina Schwabroh, ist eine der attraktivsten Dirnen auf dem Montmartre. An Anwärtern herrscht kein Mangel, und als die sich ihretwegen sogar Prügel androhen, schlägt sich mit dem Jurastudenten Nestor le Fripè, toll gespielt und gesungen von Markus Hottgenroth, ein neuer Verehrer für sie in die Bresche. [...] Furios war auch das Ende mit Tanz und Gesang aller 10 Protagonisten, sehr zum Vergnügen der Zuhörer und sehr schön auch die choreographisch eingestreuten Ballettszenen mit französischem Flair, einstudiert von Gaetan Chailly vom Ballett des Landestheaters. [...] Man kann sie gar nicht genug loben; La Bande De Marlous, bestehend aus fünf Musikern, ohne techinsche Verstärkung, wie Mikrofone oder Lautsprecher, am Ende der Straße, hinten auf der Bühne sitzend. Ein toller Klang und genau passende Einsätze der Musiker für Sänger und Tänzer, ohne Dirigent. Eine Musik nahe am Chanson, vielfältig, milieuhaft umschrieben, mit Walzern, Staßenmusik und furiosen Rhythmen, aufgefrischt und einstudiert für "Irma la Douce" von Thomas Wolter. [...] Gab es schon während der Vorstellung reichlich Zwischenapplaus, wollte der Beifall der Zuschauer am Schluss kein Ende nehmen. [...].
www.kulturinfo-lippe.de
Regie
Tatjana Rese
Musikalische Leitung
Thomas Wolter
Bühne
Hans-Günther Säbel
Kostüme
Pia Wessels
Choreografie
Gaëtan Chailly
Dramaturgie
Christian Katzschmann
Irma La Douce
Anna Katharina Schwabroh
Nestor le Fripè
Markus Hottgenroth
Bob
Jürgen Roth
Jojo
Michael Klein
Roberto
Kevin Dickmann
Bonbon
Jundong Kim
Hypolite
Philipp Baumgarten
Der Inspektor
Henry Klinder
Akkordeon/Klavier
Ralf Schroeter
Kontrabass/Tuba
Ingo Otte
Schlagzeug/Percussion
Christoph Jendrkowiak
Posaune
Shawn Grocott
Altsaxophon/Baritonsaxophon/Bassklarinette/Flöte
Peter Schulz
Regieassistenz
Jakob Köhn
Inspizienz
Elke Wittek
Statisterie des Landestheaters Detmold
Landestheater Detmold GmbH / Theaterplatz 1 / 32756 Detmold / Tel. 05231/974-60 / Fax 05231/974-701 / info(at)landestheater-detmold.de
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