
29.06.2013
20:30 bis ca. 22:50 Uhr
Rosengärtchen Wetzlar
Wiederaufnahme
Berger, Hud, Woof, Sheila, Jeannie und Crissy sind Mitglieder einer typischen Hippie-Gang in N.Y.C. Ende der 60er. Im Central Park treffen sie Claude. Der ist ganz nett, aber auch etwas neben der Spur. Nicht genug, dass er adrett frisiert ist, er will auch seinem Einberufungsbefehl nachkommen. Klar, dass alle Langhaarigen ihn vom Irrsinn des Militärdienstes abhalten möchten. Anstatt sich in Vietnam für eine ungerechte Sache zu opfern, soll er sich lieber einem friedvollen Leben unter den Zeichen von "love, togetherness, freedom and happiness" widmen. Claude schließt sich zwar den Blumenkindern an, fasziniert von deren Vitalität und Ungebundensein, aber er hat nicht die Kraft, sich den Anforderungen des Staates zu entziehen. Nach einer gemeinsamen Nacht mit Bergers Freundin Sheila trennt er sich von den neuen Freunden und geht in den Vietnamkrieg...
"Hair" griff wie kaum ein anderes Werk das Lebensgefühl einer Generation auf mit ihrer Sehnsucht nach Toleranz und Mitmenschlichkeit. Vor allem Songs wie "Aquarius" oder "Let the Sunshine in" verhalfen dem 1967 uraufgeführten Rock-Musical zu enormer und bis heute anhaltender Popularität.
Wiederaufnahme: Mittwoch, 22. August 2012, 19.30 Uhr,
Landestheater
Mit freundlicher Unterstützung des Elisabeth-Hotels, Detmold
[...] Eine schöne Idee, das Achtundsechziger-Musical im Heute zu erden, ohne dass es aufgesetzt wirken würde.
Und letztendlich sind es ja die Werte, mit denen Sheila ihre Jugend beschreibt, die bleiben und bis heute wirken: Freiheitsliebe und Toleranz. Ansonsten wird die Detmolder Hair-Interpretation bestimmt durch farbige Retro-Kostüme von Petra Mollérus, deren Wirkung man sich genauso wenig entziehen kann wie der einfach strukturierten, aber eben deshalb auch so eindrucksvollen Choreografie Ricardo Fernandos. Für jeden einzelnen der Songs schafft er es, das Ensemble immer wieder neu aufzustellen. So erzeugen Mollérus und Fernando Blickfänge, die Hair auf der relativ kleinen Detmolder Bühne zu einem farbig-lebendigen Musicalabend werden lassen, der auch mit nachdenklichen Momenten aufwartet. So inszeniert Böhling Claudes LSD-Rausch als Horrortrip in Kriegsschrecken. Und doch steht bei Hair heute sicher weniger die Handlung im Vordergrund - vielmehr sind es die Songs, die das Stück bis in die Gegenwart im Musical-Kanon halten. Ein paar dieser Lieder kennt jeder, zumindest in bearbeiteter Form. In ihrer Vielfalt drücken sie die Geisteshaltung einer Generation aus. Und so ist es auch sinnvoll, wenn in Detmold, einem Haus, das auf Übertitel verzichtet, in einer Mischung aus Deutsch und Englisch gesungen wird. Dabei werden Walter Brandins deutsche Texte behutsam aktualisiert. Und dieser Sprachen-Mix geht auf, hat etwas ganz Natürliches, wirkt nirgendwo künstlich. Tobias Richter leitet vom Keyboard aus den Abend musikalisch mit viel Umsicht, lässt seine Band nicht zu sehr aufdrehen. Die Balance zwischen dem singenden Personal und Instrumenten bleibt stets gewahrt, der Sound überzeugt sowohl in den leisen, harten und kalten als auch in den swingenden, fröhlichen Songs bis hin zum Good Morning Starshine, der vom Ensemble mit Hilfe reflektierender Spiegel ins Publikum hinein gezaubert wird. Choreografisch mischen sich das Detmolder Ballett und das Musicalensemble perfekt. Und auch die Sängerinnen und Sänger sind vor allem im Ensemble sehr homogen. [...]. Herausragend der unverstandene Claude von David Jakobs, dem es gelang, alles Unverstandensein und alle Verzweiflung in seine Stimme zu legen. Aber auch Fenja Schneider als Sheila machte gesanglich eine gute Figur. Bis zum finalen Let the Sunshine In hat das Hair-Fieber längst das gesamte Publikum erfasst. [...]
Thomas Hilgemeier für Theater pur
Spätestens als das jubelnde "Let The Sunshine In" von der Bühne ins Publikum brandet, ist klar: Das Wagnis des Landestheaters Detmold, "Hair" auf den Spielplan zu setzen, ist geglückt. [...] Dass er eine Bühnen-Show zünden kann, hat Böhling in vergangenen Produktionen am Landestheater schon mehrfach unter Beweis gestellt, und das gelang ihm auch diesmal bestens. Zumindest, nachdem die anfängliche, lippisch-reservierte Grundhaltung des Publikums gebrochen war. Dafür, dass der Funke übersprang, sorgten aber vor allem diejenigen, die diese Bühnen-Party feierten: das Ensemble, das sich aus Schauspielern des Landestheaters, Musical-Profis sowie jungen, Rock- und Pop-erfahrenen Sängern zusammensetzt. Unter der musikalischen Leitung von Tobias Richter agierte dieses Ensemble mit einer solchen Frische und Vitalität, dass das Lebensgefühl der Flower-Power-Generation; die Freundschaft, die die Blumenkinder verband, über die zeitliche Distanz hinweg eben doch spür- und nachfühlbar wurde. Letztlich waren es diese pure Lebensfreude versprühenden jungen Sänger, die die Aufführung prägten und zum Erfolg machten. Die achtköpfige Band lieferte, ebenfalls unter Richters Leitung, aus dem Orchestergraben einen sehr brauchbaren, rockigen Sound, so dass die teils auf Englisch, teils auf Deutsch gesungenen Hits wie "Aquarius" oder "I Got Life" ihr volles Ohrwurmpotenzial entfalten konnten. Aus der Solistenriege ist David Jakobs als stimmlich starker Claude hervorzuheben, Fenja Schneider überzeugte als junge Sheila. Die temperamentvolle Choreographie von Ricardo Fernando brachte viel Action auf die Bühne. Und Ausstatterin Petra Mollérus hatte einen grasgrünen Central Park geschaffen, in dem die von ihr kunterbunt kostümierten Blumenkinder die farbigen Akzente setzten. Das Publikum feierte die Premiere mit üppigem Applaus und erklatschte sich folgerichtig mehrere Zugaben.
Barbara Luetgebrune für die Lippische Landes-Zeitung
Wem für die Premiere von "Hair" ein bunter und rockiger Abend versprochen wurde, der wurde nicht enttäuscht. Denn genau mit dieser Konstellation trumpften die jungen Sänger und Tänzer bei ihrer Premiere des Kultmusicals im Landestheater auf und ließen die Zuschauer eintauchen in das New York Ende der 60er Jahre, in die Ära der Blumenkinder, die von einer Zukunft mit "Love, Freedom and Happiness" träumte.
[...] Die Inszenierung Böhlings überzeugt visuell und gesanglich mit einem herausragenden Ensemble, das sich aus Schauspielern des Landestheaters, erfahrenen Sängern und Musical-Darstellern zusammensetzt. Hervorzuheben sind hier insbesondere die Auftritte von David Jakobs und Fenja Schneider, die gesanglich, wie auch schauspielerisch als Claude und die junge Sheila glänzten. Die Choreographien von Ricardo Fernando ließen die Bühne, die in eine grüne Parklandschaft verwandelt wurde, rocken. Die Musik dafür erklang aus dem Orchestergraben, wo Tobias Richter mit seiner Band für den stilechten Sound sorgte.
Lippe aktuell
Musikalische Leitung
Tobias Richter
Regie
Dirk Böhling
Choreografie
Ricardo Fernando
Ausstattung
Petra Mollérus
Dramaturgie
Elisabeth Wirtz
Berger
Stephan Clemens
Claude
David Jakobs
Woof
Martin Krah
Hud
Fernando Spengler
Sheila
Fenja Schneider
Mrs. Berg
Kerstin Klinder
Jenny Berg, ihre Tochter
Ewa Rataj
Oliver Berg, ihr Sohn
Vladimir Karadjov / Sebastian Koerdt
Jeannie
Jenny-Ellen Riemann
Chris/Vater
Robert Andrej Augustin
Dionne
Marta Hornik
Ensemble
Julia Bielinski / Julia Hinze / Kathrin Horstkötter / Sebastian Sohn / Jakob Warlich / Dorothee Möller
Reed 1(Flöte, Klarinette, Tenor-, Alt-, Bariton-Sax)
Anja Heix / Thomas Krause
Trompete
Daniel Reichert / Matteo Scurci
Posaune
Shawn Grocott / Dominik Hummel
1. Gitarre
Manuel Lauterbach
2. Gitarre
Niklas Kopp
E-Bass
Mario Lauterbach
Drumset
Michael Peiler
Percussion
Julian Buhe
Regieassistenz
Sebastian Gruner
Inspizienz
Anna Rettinger
Ballett, Statisterie des Landestheaters Detmold
Doppelbesetzungen in alphabetischer Reihenfolge.
Änderungen vorbehalten!
Landestheater Detmold GmbH / Theaterplatz 1 / 32756 Detmold / Tel. 05231/974-60 / Fax 05231/974-701 / info(at)landestheater-detmold.de
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