Landestheater Detmold

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Hair

Wiederaufnahme

Berger, Hud, Woof, Sheila, Jeannie und Crissy sind Mitglieder einer typischen Hippie-Gang in N.Y.C. Ende der 60er. Im Central Park treffen sie Claude. Der ist ganz nett, aber auch etwas neben der Spur. Nicht genug, dass er adrett frisiert ist, er will auch seinem Einberufungsbefehl nachkommen. Klar, dass alle Langhaarigen ihn vom Irrsinn des Militärdienstes abhalten möchten. Anstatt sich in Vietnam für eine ungerechte Sache zu opfern, soll er sich lieber einem friedvollen Leben unter den Zeichen von "love, togetherness, freedom and happiness" widmen. Claude schließt sich zwar den Blumenkindern an, fasziniert von deren Vitalität und Ungebundensein, aber er hat nicht die Kraft, sich den Anforderungen des Staates zu entziehen. Nach einer gemeinsamen Nacht mit Bergers Freundin Sheila trennt er sich von den neuen Freunden und geht in den Vietnamkrieg...

"Hair" griff wie kaum ein anderes Werk das Lebensgefühl einer Generation auf mit ihrer Sehnsucht nach Toleranz und Mitmenschlichkeit. Vor allem Songs wie "Aquarius" oder "Let the Sunshine in" verhalfen dem 1967 uraufgeführten Rock-Musical zu enormer und bis heute anhaltender Popularität.

 

Wiederaufnahme: Mittwoch, 22. August 2012, 19.30 Uhr,

Landestheater

 

Mit freundlicher Unterstützung des Elisabeth-Hotels, Detmold

 

Kritiken

[...] Eine schöne Idee, das Achtundsechziger-Musical im Heute zu erden, ohne dass es aufgesetzt wirken würde.

Und letztendlich sind es ja die Werte, mit denen Sheila ihre Jugend beschreibt, die bleiben und bis heute wirken: Freiheitsliebe und Toleranz. Ansonsten wird die Detmolder Hair-Interpretation bestimmt durch farbige Retro-Kostüme von Petra Mollérus, deren Wirkung man sich genauso wenig entziehen kann wie der einfach strukturierten, aber eben deshalb auch so eindrucksvollen Choreografie Ricardo Fernandos. Für jeden einzelnen der Songs schafft er es, das Ensemble immer wieder neu aufzustellen. So erzeugen Mollérus und Fernando Blickfänge, die Hair auf der relativ kleinen Detmolder Bühne zu einem farbig-lebendigen Musicalabend werden lassen, der auch mit nachdenklichen Momenten aufwartet. So inszeniert Böhling Claudes LSD-Rausch als Horrortrip in Kriegsschrecken. Und doch steht bei Hair heute sicher weniger die Handlung im Vordergrund - vielmehr sind es die Songs, die das Stück bis in die Gegenwart im Musical-Kanon halten. Ein paar dieser Lieder kennt jeder, zumindest in bearbeiteter Form. In ihrer Vielfalt drücken sie die Geisteshaltung einer Generation aus. Und so ist es auch sinnvoll, wenn in Detmold, einem Haus, das auf Übertitel verzichtet, in einer Mischung aus Deutsch und Englisch gesungen wird. Dabei werden Walter Brandins deutsche Texte behutsam aktualisiert. Und dieser Sprachen-Mix geht auf, hat etwas ganz Natürliches, wirkt nirgendwo künstlich. Tobias Richter leitet vom Keyboard aus den Abend musikalisch mit viel Umsicht, lässt seine Band nicht zu sehr aufdrehen. Die Balance zwischen dem singenden Personal und Instrumenten bleibt stets gewahrt, der Sound überzeugt sowohl in den leisen, harten und kalten als auch in den swingenden, fröhlichen Songs bis hin zum Good Morning Starshine, der vom Ensemble mit Hilfe reflektierender Spiegel ins Publikum hinein gezaubert wird. Choreografisch mischen sich das Detmolder Ballett und das Musicalensemble perfekt. Und auch die Sängerinnen und Sänger sind vor allem im Ensemble sehr homogen. [...]. Herausragend der unverstandene Claude von David Jakobs, dem es gelang, alles Unverstandensein und alle Verzweiflung in seine Stimme zu legen. Aber auch Fenja Schneider als Sheila machte gesanglich eine gute Figur. Bis zum finalen Let the Sunshine In hat das Hair-Fieber längst das gesamte Publikum erfasst. [...]

Thomas Hilgemeier für Theater pur

 

Spätestens als das jubelnde "Let The Sunshine In" von der Bühne ins Publikum brandet, ist klar: Das Wagnis des Landestheaters Detmold, "Hair" auf den Spielplan zu setzen, ist geglückt. [...] Dass er eine Bühnen-Show zünden kann, hat Böhling in vergangenen Produktionen am Landestheater schon mehrfach unter Beweis gestellt, und das gelang ihm auch diesmal bestens. Zumindest, nachdem die anfängliche, lippisch-reservierte Grundhaltung des Publikums gebrochen war. Dafür, dass der Funke übersprang, sorgten aber vor allem diejenigen, die diese Bühnen-Party feierten: das Ensemble, das sich aus Schauspielern des Landestheaters, Musical-Profis sowie jungen, Rock- und Pop-erfahrenen Sängern zusammensetzt. Unter der musikalischen Leitung von Tobias Richter agierte dieses Ensemble mit einer solchen Frische und Vitalität, dass das Lebensgefühl der Flower-Power-Generation; die Freundschaft, die die Blumenkinder verband, über die zeitliche Distanz hinweg eben doch spür- und nachfühlbar wurde. Letztlich waren es diese pure Lebensfreude versprühenden jungen Sänger, die die Aufführung prägten und zum Erfolg machten. Die achtköpfige Band lieferte, ebenfalls unter Richters Leitung, aus dem Orchestergraben einen sehr brauchbaren, rockigen Sound, so dass die teils auf Englisch, teils auf Deutsch gesungenen Hits wie "Aquarius" oder "I Got Life" ihr volles Ohrwurmpotenzial entfalten konnten. Aus der Solistenriege ist David Jakobs als stimmlich starker Claude hervorzuheben, Fenja Schneider überzeugte als junge Sheila. Die temperamentvolle Choreographie von Ricardo Fernando brachte viel Action auf die Bühne. Und Ausstatterin Petra Mollérus hatte einen grasgrünen Central Park geschaffen, in dem die von ihr kunterbunt kostümierten Blumenkinder die farbigen Akzente setzten. Das Publikum feierte die Premiere mit üppigem Applaus und erklatschte sich folgerichtig mehrere Zugaben.

Barbara Luetgebrune für die Lippische Landes-Zeitung

 

Wem für die Pre­miere von "Hair" ein bun­ter und ro­cki­ger Abend ver­spro­chen wur­de, der wurde nicht ent­täuscht. Denn ge­nau mit die­ser Kon­stel­la­tion trumpf­ten die jun­gen Sän­ger und Tän­zer bei ih­rer Pre­miere des Kult­mu­si­cals im Lan­des­thea­ter auf und ließen die Zu­schauer ein­tau­chen in das New York Ende der 60er Jah­re, in die Ära der Blu­men­kin­der, die von ei­ner Zu­kunft mit "Love, Free­dom and Hap­pi­ness" träum­te.

[...] Die In­sze­nie­rung Böh­lings ü­ber­zeugt vi­su­ell und ge­sang­lich mit ei­nem her­aus­ra­gen­den En­sem­ble, das sich aus Schau­spie­lern des Lan­des­thea­ters, er­fah­re­nen Sän­gern und Mu­si­cal-Dar­stel­lern zu­sam­men­setzt. Her­vor­zu­he­ben sind hier ins­be­son­dere die Auf­tritte von Da­vid Ja­kobs und Fenja Schnei­der, die ge­sang­lich, wie auch schau­spie­le­risch als Claude und die junge Sheila glänz­ten. Die Cho­reo­gra­phien von Ri­cardo Fer­n­ando ließen die Büh­ne, die in eine grüne Par­k­land­schaft ver­wan­delt wur­de, ro­cken. Die Mu­sik dafür er­klang aus dem Or­che­s­ter­gra­ben, wo To­bias Rich­ter mit sei­ner Band für den sti­lech­ten Sound sorg­te.

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Besetzung

Musikalische Leitung
Tobias Richter

Regie
Dirk Böhling

Choreografie
Ricardo Fernando

Ausstattung
Petra Mollérus

Dramaturgie
Elisabeth Wirtz

 

Berger
Stephan Clemens

Claude
David Jakobs

Woof
Martin Krah

Hud
Fernando Spengler

Sheila
Fenja Schneider

Mrs. Berg
Kerstin Klinder

Jenny Berg, ihre Tochter
Ewa Rataj

Oliver Berg, ihr Sohn
Vladimir Karadjov / Sebastian Koerdt

Jeannie
Jenny-Ellen Riemann

Chris/Vater
Robert Andrej Augustin

Dionne
Marta Hornik

Ensemble
Julia Bielinski / Julia Hinze / Kathrin Horstkötter / Sebastian Sohn / Jakob Warlich / Dorothee Möller

Reed 1(Flöte, Klarinette, Tenor-, Alt-, Bariton-Sax)
Anja Heix / Thomas Krause

Trompete
Daniel Reichert / Matteo Scurci

Posaune
Shawn Grocott / Dominik Hummel

1. Gitarre
Manuel Lauterbach

2. Gitarre
Niklas Kopp

E-Bass
Mario Lauterbach

Drumset
Michael Peiler

Percussion
Julian Buhe

 

Regieassistenz
Sebastian Gruner

Inspizienz
Anna Rettinger

 

Ballett, Statisterie des Landestheaters Detmold

 

Doppelbesetzungen in alphabetischer Reihenfolge.
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