Landestheater Detmold

Tickets 0 52 31 / 974 803

Die lustige Witwe

Premiere 04.11.2011

Wie im richtigen Leben: Die Krise ist da und die Kassen des Staates sind leer, dringend vonnöten sind kräftige Kapitalspritzen. Eine Angelegenheit für Banker und Wirtschaftsweise? Mitnichten. Denn die potentiell rettenden Millionen für den Landeshaushalt von Pontevedro sind Vermögenswerte einer Frau, die zudem noch andere rare Schätze ihr eigen nennen darf: Charme, Eleganz, Schönheit. Eine solche Investorin muss doch mit den denkbar festesten Banden für das Vaterland gewonnen werden, denkt sich der pontevedrinische Gesandte in Paris, Baron Zeta. Da Hanna Glawari, die zu umwerbende schwerreiche Bankierswitwe, sich justament nach einem neuen Partner umsieht, und es sich zudem bei ihr um eine Landsfrau handelt, richtet Zeta ein Fest aus in der Hoffnung, Witwe samt Geld gleichsam auf dem Tanzparkett zu sichern. Und wer ist für diese Mission seiner Meinung nach besser geeignet als Bonvivant Graf Danilo, denn der interessierte sich vor Jahren bereits innig für die reizende Hanna, doch damals verhinderten Standesrücksichten eine intensivere Bin-dung. Nun ist die erneute Annäherung politisch gewollt und somit quasi eine Staatsaffäre. Beide lieben sich, wie rasch deutlich wird, noch immer. Die Sanierung Pontevedros scheint in greifbarer Nähe...

Lehárs 1905 uraufgeführte Operette wurde mit ihrer erotisierend-geschmeidigen Klanglichkeit und zu Schlagern avancierten Nummern wie "Da geh' ich ins Maxim" oder "Lippen schweigen" zur erfolgreichsten deutschen Operette des 20. Jahrhunderts. 

 

Einführungsmatinee: Sonntag, 30. Oktober 2011, 11.30 Uhr, 

Mercedes Benz Center, Westerfeldstr. 25 

Kritiken

Nichts da mit "Belle Epoque", Jopies weißem Schal und Zylinder: Franz Lehárs Operette "Die lustige Witwe" ist im Landestheater schwungvoll in die 1930er Jahre verlegt worden. [...] 

Die Regie von Holger Pototzki verkneift sich jede Heesters-Nostalgie und (fast) jeden Hinweis auf aktuelle Balkan- Zustände. In der pontevedrinischen Botschaft zu Paris herrscht frühsozialistischer Mief. Die Ausstattung (Tanja Hofmann) erinnert an "Erichs Lampenladen", den "Palast der Republik" des DDRStaatsratsvorsitzenden Honecker. Funktionäre schwenken Wink-Elemente, der Kanzlist ist sächsischen Geblüts. Dagegen steht die lockere Paradiesvogel- Eleganz des noch sichtlich verkatert auftretenden Grafen Danilo und der glamouröse Glitzer der überraschend zur millionenschweren Witwe gewordenen Hanna Glawari. [...] Alles andere als verstaubt klingt die vor 106 Jahren geschaffene, schmissige Musik, zu der das Orchester unter Matthias Wegele aufspielt. Im ständigen Wechsel der Stimmungen jagt ein Ohrwurm den anderen. [...] Andächtig lauscht das Publikum der seelenvollen Vilja- Ballade, um dann beim rasanten Auftritt der betrogenen Ehemänner mitzuklatschen. Schmachtend-schön erklingt die Werbung zum Besuch des "Kleinen Pavillon", leicht frivol das Maxim-Couplet. Und auch der von Marbod Kaiser einstudierte Chor präsentiert sich wieder in glänzender Form. An der Spitze der von turbulenter Situationskomik geprägten, amourösen Verstrickungen agiert das Paar Danilo und Hanna, verkörpert durch Andreas Jören und Marianne Kienbaum-Nasrawi. Beide begeistern durch Gesang und Darstellung gleichermaßen, sogar wenn Sprachlosigkeit angesagt ist. [...] Das zweite, [...] glaubhaft verliebte Duo bilden Arturo Martín, lyrisch und mit Strahlkraft auftretend, sowie Catalina Bertucci, als "anständige Frau" ebenbürtig in der Ausstrahlung. Weitere Bewerber um die Gunst der Witwe sind zwei bislang noch mit verheirateten Damen liierte Herren. Kevin Dickmann und Markus Gruber bieten mit ihren Auft ritten kleine Kabinettstückchen einer vom Müßiggang geprägten Salon- Gesellschaft . Für immer neue Lacher sorgen Dirk Aleschus als leicht vertrottelter Baron und sein Kanzlist (Peter Koppelmann), ein Duo wie Pat und Patachon. Zum selbstverständlich glücklichen Operetten-Ende gelingt mit der von Adonai Luna choreografierten Grisetten-Revue noch einmal eine Steigerung. Der Beifall an diesem Abend wollte kaum enden. 

Lippische Landes-Zeitung

zurück

Besuchen Sie uns auch bei:

Facebook Twitter Vimeo

Startseite  Impressum