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Premiere 02.12.2011
Irgendwo in Europa: Fünf Asiaten arbeiten in der engen Küche des Asia-Schnellrestaurants "Der goldene Drache", auch ohne Aufenthaltsgenehmigung. Auf dem Balkon über dem Restaurant steht ein alter Mann mit einem großen Wunsch, den ihm niemand erfüllen kann, auch seine Enkelin nicht. Dem jungen Liebespaar in der Dachwohnung des Hauses passiert etwas, das auf keinen Fall passieren sollte. Eine Etage tiefer verlässt eine Frau ihren Mann. Der benachbarte Lebensmittelhändler entdeckt ein ungeahnt lukratives Nebengeschäft. Eine Stewardess stößt in ihrer Thai-Suppe auf etwas, was da nicht hinein gehört, und der Junge aus China findet auf einem anderen Weg in seine Heimat zurück, als er sich gewünscht hat.
Mit lakonischem Blick auf die Menschen und poetischer Leichtigkeit spürt Roland Schimmelpfennig, zurzeit meistgespielter Gegenwartsdramatiker Deutschlands, Rätselhaftes, Berührendes und Überraschendes mitten im Alltäglichen auf. Mit dem Stück gewann der Autor 2010 den renommierten "Mühlheimer Dramatikerpreis", es wurde zudem von der Fachzeitschrift "Theater heute" zum "Stück des Jahres" gekürt.
Einführungsmatinee: 27. November 2011, 11.30 Uhr,
Lippisches Landesmuseum, Ameide 4
Als "intelligentes Theaterexperiment" bezeichnet Chefdramaturg Dr. Christian Katzschmann das Stück. Und Autor Roland Schimmelpfennig, Jahrgang 1967, spricht vom "Miniaturbild einer globalisierten Welt". Gemeint ist "Der goldene Drache", ein 90 Minuten währender, pausenloser Marathon. Mit 22 Rollen für drei Schauspieler und zwei Schauspielerinnen stellt er höchste Anforderungen an alle Akteure. Unter der Regie von Kay Neumann wurden sie bewundernswert bewältigt.
[...] Wie ein roter Faden zieht sich La Fontaines Fabel von der fleißigen Ameise und der unbekümmerten Grille durch das Stück. Weiter entwickelt, wird sie zum Sinnbild der Ausbeutung, wenn die Ameise die Grille zum Arbeiten an ihresgleichen vermietet. Hier blitzt, vor allem in einer der letzten Szenen, erschreckende Brutalität auf. Und das Schicksal von Bootsflüchtlingen, Zwangsprostituierten, Hehlern und Drogenhändlern ist unterschwellig präsent. Als zweites Leitmotiv muss ein schmerzender Zahn herhalten, der letztendlich das schlimme Schicksal eines illegal beschäftigen jungen Chinesen besiegelt. Mit einem markerschütternden Schrei dieser Figur, bewegend interpretiert von Jenny-EllenRiemann, beginnt der Abend. Ihre Vielseitigkeit beweist sie unter anderem in der Gestaltung eines wenig sympathischen Mannes. Und auch alle anderen Akteure schlüpfen blitzartig in immer neue Rollen. Glänzend gelingt das Robert Andrej Augustin als tanzende Grille und Gaby Blum als unduldsame Ameise - später auch als ständig lächelnde Kellnerin und als volltrunkener Lebensmittelhändler zu erleben. Souveräne Darsteller wie Joachim Ruczynski und Jürgen Roth präsentieren sich als hungriges Stewardessen-Duo, emsige Asiaten oder als bewunderte "Frau im roten Kleid".[...] Wenn dieses Stück nur ein wenig dazu beiträgt, hinter einer glatten und ausdruckslosen Fassade den Mitmenschen zu entdecken, hat es schon einiges zum Zusammenleben verschiedener Charaktere bewirkt.
Lippische Landes-Zeitung
http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2011/12/12/scala-premiere-goldener-drache.xml
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