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Wiederaufnahme
Musikalische Grundlage des Ballettabends sind die drei Ballettsuiten zu „Romeo und Julia“ von Sergej Prokofjew, entstanden zwischen 1936 und 1946 auf der Basis des gleichnamigen Balletts des russischen Komponisten, das aufgrund der reichen Instrumentierung und der rhythmischen Vielfalt einen Hohepunkt seines musikalischen Schaffens markiert. Die rhythmische Komplexität stellt eine große Herausforderung sowohl für das Orchester als auch für die Tänzer dar. So stehen die punktierten, schwerfälligen Rhythmen des „Tanzes der Ritter“ etwa den zarten und jugendlich-lebhaften Themen gegenüber, die die Figur der Julia kennzeichnen. Wie bereits bei „Die vier Jahreszeiten“, „Dornröschen“ und „Giselle“ wird Richard Lowe diesen Ballettabend mit Liebe zum Detail und ausgefeilter Figurencharakterisierung choreografieren.
Viel Applaus gab es am Freitag für die Premiere des Balletts nach der Musik von Sergej Prokofjew, das Ballettdirektor Richard Lowe unter choreografischer Assistenz von Adonai Luna auf die Bühne des Landestheaters gebracht hat. Und dieser Beifall dürfte vor allem dem federleichten, verspielten Charme gegolten haben, den Lowes Inszenierung ausstrahlt.
Die musikalische Grundlage für die rundum gelungene Vorstellung liefert das Orchester des Landestheaters, das unter der Leitung von Jörg Pitschmann die atmosphärisch so kontrastreiche, dichte Musik Prokofjews – gespielt werden die Orchester-Suiten – höchst überzeugend zu Gehör bringt. Das Ensemble lotet sowohl die dramatischen als auch die gesanglichen wie beschwingten Sequenzen dieser Musik sehr stimmig aus und zeigt sich der Gestaltung großer Bögen ebenso gewachsen wie feinster Akzentuierung.
Im Einklang mit dieser Musik erzählt Richard Lowe die Geschichte der beiden verfeindeten Familien und der verbotenen Liebe zwischen Romeo und Julia vorwiegend mit klassischen choreografischen Mitteln, bedient sich aber auch beim modernen Ausdruckstanz. Und immer wieder greift er – das bietet sich beim starken gestischen Moment von Prokofjews Musik ja auch an – in die pantomimische Kiste: kleine, witzige Akzente, die nicht selten für Lacher im Publikum sorgen. Eine geradlinige, schlichte, gut funktionierende Choreografie.
Geschickt hat der Ballettdirektor die Vorlage auf die Größe seines Ensembles zugeschnitten, das die anspruchsvolle Aufgabe durchweg beachtlich meistert. Gisela Fontarnau i Galea als Julia und Narcís Subatella Sánchez als Romeo sind ein bezauberndes Paar. Tänzerisch stark und mit herrlich komischem Talent zeigen sich auch Gaëtan Chailly (Mercutio, Pater Lorenzo) und Mireia Facal (Benvolia). Adonai Luna (Julias Vater), Jack Howe (Tybalt) und Caroline Lusken (Ricarda) fallen ebenfalls positiv auf im Ensemble, das durch Charline Dujardin, Egid Minác und Stevie Taylor komplettiert wird.
Toll: Die – im Wortsinne – „traumhafte“ Tanz-Sequenz Julias direkt, nachdem sie sich auf dem Maskenball in Romeo verliebt hat. Da zeigt Lowe das Anliegen seiner Inszenierung, die Träume und bedingungslose Liebe als Kontrapunkt zu traditionshalber verhärteten Fronten setzt, sehr schlüssig. Unterstützung erhält er dabei von Ausstatterin Petra Mollérus, die den eigentlich trennenden Balkon stimmig als Wolke Sieben ins Bild setzt. Dieser kommt dem kletterwilligen Romeo übrigens bei Bedarf hilfreich entgegen. Bühnenbild und Kostüme zitieren minimalistisch und äußerst cool den ansonsten wohltuend abwesenden Veroneser Renaissance-Pomp.
Der rasche, kaum merkliche Übergang vom heiter-verspielten zum dramatischen Duktus unterstreicht in der Szene, in der Mercutio und Tybalt getötet werden, überzeugend, wie schnell aus (noch) „Spiel“ Ernst wird – und führt dem Publikum somit auch die Sinnlosigkeit solch tradierter Fehden vor Augen. Im Finale kommt ein ähnlicher Stimmungswechsel jedoch etwas zu unvermittelt.
Generell geraten sowohl tänzerisch als auch choreografisch die heiteren und innig-romantischen Passagen überzeugender als die schmerzvoll-dramatischen. Aber das passt schon. Wem kommt schließlich beim Gedanken an Romeo und Julia eher ihr tragischer Tod in den Sinn als das Sinnbild grenzenloser, romantischer Liebe?
Lippische Landes-Zeitung
Musikalische Leitung
Matthias Wegele
Inszenierung und Künstlerische Leitung
Richard Lowe
Ausstattung
Petra Mollérus
Dramaturgie
Elisabeth Wirtz
Julia
Gisela Fontarnau i Galea
Lord Capulet, Julia's Vater
Adonai Luna
Tybalt, Julia's Cousin
Jack Howe
Julia's Amme
Charline Dujardin
Paris, Julia's Freier
Egid Minác
Ricarda, Tybalt's Freundin
Caroline Lusken
Elvira, eine Freundin Julia's
Stevie Taylor
Romeo
Narcís Subatella Sánchez
Mercutio, ein Freund Romeo's
Gaëtan Chailly
Benvolia, eine Freundin Romeo's
Mireia Facal
Pater Lorenzo
Gaëtan Chailly
Regieassistenz
Adonai Luna
Inspizienz
Christian Jérôme Timme
Symphonisches Orchester des Landestheaters Detmold
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