Große Opernstimmen in der Schankstube
Premiere von "Schwarzwaldmädel" kommt gut an
Szenisch und musikalisch ein reiner Genuss: Die Operette "Schwarzwaldmädel", die Freitagabend im Landestheater Premiere hatte, vertreibt alle in der dunklen Jahreszeit möglichen Depressionen.
Schon als sich die Fuge im Stil der Barockzeit, an der Domkapellmeister Blasius Römer arbeitete, unversehens zum beschwingten Walzer wandelte, wurde die Qualität der Kompositionen von Leon Jessel offenbar. Fast 100 Jahre nach der Uraufführung in 1917 ertönten die immer noch hitverdächtigen Melodien wie die Polka "Mädel aus dem Schwarzen Wald" und der Walzer "Erklingen zum Tanze die Geigen" von einem munter aufspielenden Orchester unter der agilen Leitung von Marbod Kaiser.
Da kollerte schon einmal der Obstler lautmalerisch die Kehle hinunter, und bei der Gasthaus-Prügelei wurde mit einem Augenzwinkern ein Zitat aus Richard Wagners "Meistersingern" vorgeführt. Aber auch die Hauptperson des Spiels, in dem es in bewährter Weise um turbulente Verwicklungen geht, bis jeder Topf seinem Deckel gefunden hat, trug einiges vom Charakter der von Wagner erfundenen Hans-Sachs-Figur in sich. Michael Klein, der als Domkapellmeister "mit einem Bein im Herbst des Lebens" steht, verlieh der kurzfristig vom Johannistrieb erfassten Gestalt eine durchaus würdevolle Präsenz und bestach mit nuancenreichem Bariton.
Die anderen Darsteller sind ebenfalls Besitzer großer Opernstimmen, was das von Matthias Straub mit zahlreichen hübschen Gags in Szene gesetzte Geschehen zum absoluten Hörgenuss machte. An der Spitze der Frauen agierte in einer hinreißenden Mischung aus Naivität und bezwingendem Charme Catalina Bertucci als "Lumpenprinzessle" Bärbele, gefolgt von Brigitte Bauma als flatterhafte Malwine.
Die Wandergesellen wurden flott von Konstantinos Stavridis und dem überaus beweglichen Markus Gruber verkörpert. Kleinere Rollen, alle ausgezeichnet besetzt, hatten unter anderem Anne Baumgarte und Esther Mertel neben Klaus Belzer als Wirt und Bürgermeister inne. Der in Operetten dieser Zeit unvermeidliche Berliner Gast tritt in Gestalt von Michael Nack als – welche Prophetie – Reisender in Kunstfleisch auf.
Als Rahmen hatte Michael Engel eine mit riesigen Fässern ausgestattete Schankstube in hellem Holz geschaffen, deren wechselnde Beleuchtung auf die jeweilige Stimmung einging. Die Kostüme von Pia Wessels reichten von sanften bis grellen Trachten-Variationen, aufgepeppt durch schrille Frisuren. Am Ende der Aufführung stand ein kräftiger Applaus.
Ilse Nevermann, Lippische Landeszeitung, 2. November 2009
Musikalische Leitung: Marbod Kaiser
Inszenierung: Matthias Straub
Choreografie: Richard Lowe
Bühne: Michael Engel
Kostüme: Pia Wessels
Choreinstudierung: Marbod Kaiser
Dramaturgie: Elisabeth Wirtz
Blasius Römer, Domkapellmeister: Michael Klein
Hannele, seine Tochter: Anne Baumgarte / Esther Mertel
Bärbele, bei Römer bedienstet: Catalina Bertucci / Kirsten Höner zu Siederdissen
Jürgen, Wirt vom "Blauen Ochsen": Klaus Belzer
Lorle, seine Tochter: Esther Mertel / Ki Sun Kim
Malwine von Hainau: Brigitte Bauma / Beate von Hahn
Hans: Konstantinos Stavridis
Richard: Markus Gruber
Die alte Traudel: Silke Dubilier
Schmußheim, ein Berliner: Michael Nack
Theobald: Kevin Dickmann