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Willkommen bei den Zwergen!

Ausstatterin Petra Mollérus verrät im Interview, was Zwerge mit einem Barocktheater zu tun haben...

„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.“ Als die böse Königin dies von ihrem Zauberspiegel hört, schmiedet sie einen verhängnisvollen Plan, um das schöne Kind loszuwerden. Doch Schneewittchen gelingt die Flucht und im Wald trifft auf sieben eigenwillige Zwerge, die ihr ein neues Zuhause geben, bis der Traumprinz für das märchenhafte Happy-End sorgt.

„Schneewittchen und die sieben Zwerge“ ist zweifelsohne eines der schönsten und fantasievollsten Märchen der Brüder Grimm. Mit der Kraft der getanzten Bilder wird Richard Lowe in diesem Märchen-Ballett Schneewittchen und die sieben Zwerge auf der Bühne zu neuem Leben erwecken, begleitet vom Symphonischen Orchester des Landestheaters. Doch wie bringt man einen Märchenwald auf die Bühne? Im Gespräch gibt Petra Mollérus, Ausstattungsleiterin des Landestheaters Detmold und zuständig für Bühne und Kostüm bei „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, Auskunft darüber, wie ein solches Bühnenbild entsteht und was es dabei zu beachten gilt.

 

„Hänsel und Gretel“, „Dornröschen“ und nun „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, diese Spielzeit bietet Einiges für Freunde der Grimmschen Märchen. Weißt du, wie es zu der Entscheidung kam gerade „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ als Ballettabend auf die Bühne zu bringen?

 

Als wir in die Planung für die jetzige Spielzeit gegangen sind, kam die Frage auf, was wir neben „Love is all you need“ als zweiten Ballettabend machen wollen. Vor einigen Jahren habe ich „Schneewittchen“ als Ballett an einem anderen Haus gesehen und das als einen kurzweiligen Abend für die ganze Familie in Erinnerung behalten. Ich habe Richard Lowe, unserem Ballettdirektor, den Tipp gegeben und er war sofort total begeistert von der Idee. Außerdem passt das Märchen perfekt auf unser zehnköpfiges Ballettensemble: Wir brauchen ein Schneewittchen, eine Königin, einen Prinzen und natürlich die sieben Zwerge.

 

Ich musste sofort an den alten Zeichentrickfilm von Walt Disney denken, als ich hörte, dass wir ein „Schneewittchen“-Ballettabend machen. Was war deine erste Assoziation?

 

Ich kannte den Film vorher nicht. Erst als der Entwurf fertig und das Modell schon längst gebaut war, kam Richard Lowe auf mich zu und fragte, ob ich mir den Film mal ausleihen wolle. Erst dann habe ich ihn gesehen.

 

Du hast dich also von etwas Anderem bei deinem Entwurf inspirieren lassen?

 

Als Kind habe ich gerne mit einem kleinen Myriorama gespielt. Das ist ein Kartensatz, der häufig Landschaften abbildet und immer zusammenpasst, ganz egal in welcher Reihenfolge die Karten aneinandergelegt werden. Dieses Prinzip wollte ich anwenden, um das Innere des Schlosses, das Zwergenhaus und den Wald darzustellen. Die Idee hat sich dann noch einen Schritt weiterentwickelt: Wir lassen die Geschichte in einem Barocktheater mit echten Schnürboden spielen, in dem die Zwerge als Bühnenhandwerker für die Umbauten zuständig sind. In so einem Theater kann natürlich auch mal etwas klemmen. Dann muss einer der Zwerge mit der Ölkanne in den Schnürboden klettern und fix ein Zahnrad schmieren.

 

 

Das klingt nach einem amüsanten und verspielten Abend. In der Entwicklung war das doch aber bestimmt nicht einfach, oder?

 

Das war schon etwas kniffelig. Der Trick dabei ist, die einzelnen Karten so zu gestalten, dass die Horizontlinien links und rechts am Ende der Karte immer auf der gleichen Höhe sind. Außerdem habe ich auf der Vorderseite einen anderen Raum als auf der Rückseite gezeichnet. Wenn man die Karten umdreht, ergibt sich schnell eine andere Umgebung. Und dann musste noch die Frage geklärt werden: Wie wohnen eigentlich Zwerge? Dafür habe ich die Pilzreihenhaussiedlung erfunden, die auf einer einzelnen, größeren Karte Platz findet. Jeder Zwerg hat seinen eigenen Pilz.

 

„Schneewittchen und die sieben Zwerge“ wird vom Symphonischen Orchester des Landestheaters begleitet. Welche Rolle die spielt die Musik bei deinen Entwürfen?

 

Diesen Bühnenbildentwurf habe ich entwickelt, da stand noch nicht fest, welche Musik verwendet wird. Es gibt keine explizite „Schneewittchen“-Komposition, wie es bei tradierten Balletten wie „Schwanensee“ oder „Der Nussknacker“ der Fall ist. Richard Lowe hat sich mit dem ersten Kapellmeister György Mészáros für eine Komposition von Edvard Grieg entschieden. Normalerweise beginne ich damit, mir eine Komposition erst einmal anzuhören und die Eindrücke dann in Form- und Farbgebung in den Entwurf einfließen zu lassen. Ich finde, um ein Beispiel zu nennen, dass Wagner eine andere Farbe hat als Mozart. Die Musik spiegelt sich im Idealfall im Raum wieder oder beide verhalten sich ganz bewusst konträr zu einander. Dieses Mal ist es aber genau anders herum gelaufen: Erst kam der Entwurf für die Bühne und dann fiel die Entscheidung für die Musik.

 

Muss man bei einem Bühnenbild für ein Ballett andere Dinge beachten, als bei einem Schauspiel?

 

Das Ballett braucht viel Platz. Vor allem nach oben hin. Die hängenden Bühnenbildteile sollten also auf keinen Fall zu tief hängen. Die Richtlinie beim Ballett lautet in etwa: Ein Tänzer hebt eine Tänzerin, die ihren Arm hebt. Da ist man schnell bei vier Metern, die frei bleiben sollten, damit für die Sprünge und Hebungen noch genug Luft nach oben ist.

 

Vielen Dank für das Gespräch und TOI TOI TOI für die Premiere am 2. März!

 

Das Gespräch führte Carolin Meyer.

 

 

Zur Info:

Ein Myriorama (griech. „Zehntausendschau“) ist eine Variante des Panoramas, das im Jahre 1802 von dem Physiker, Mediziner und Erzieher Jean-Pierre Brès erfunden wurde. Im Meyers Konversationslexikon von 1877 heißt es: Das Myriorama „besteht aus einer auf einen langen Streifen in den buntesten Farben ausgemalten Landschaft, welche in viele Theile so zerschnitten ist, daß die Durchschnittslinien überall aneinander passen und die einzelnen Landschaftsstücke vielfach von neuem zusammengesetzt werden können, wodurch sehr viele Landschaftsbilder entstehen.“ Myrioramen waren als belehrende Legespiele beliebt, vor allem in Großbritannien der Biedermeier-Zeit. Sie dienten der Unterhaltung, als Anleitung zum Zeichnen von Landschaften und zur Schulung der Wahrnehmung von Landschaften. Neben aufwendigen und didaktischen Ausgaben, gab es auch einfachere Myrioramen, die für Kinder zum Spielen gedacht waren.

 

Schneewittchen und die sieben Zwerge

Märchen-Ballett nach den Brüdern Grimm von Richard Lowe

 

Musikalische Leitung: György Mészáros

Choreografie: Richard Lowe

Ausstattung: Petra Mollérus

 

Mit: Marc Balló y Cateura, Karina Campos Saba, Gaëtan Chailly, Carolin Lusken, Makiko Kitamura, María Matarranz, Keegan Raven May, Gisela de Paz Solvas, Jérôme Peytour, Narcís Subatella Sánchez / Symphonisches Orchester des Landestheaters Detmold

 

Premiere: Freitag, 2. März, 19.30 Uhr, Landestheater

 

Einführungssoiree: Sonntag, 24. Februar, 18 Uhr, Detmolder Sommertheater, Neustadt 24

 

Vorstellungen: So, 25.3./ Mi, 28.3./ Fr, 6.4./ So, 8.4./ Fr, 27.4. / Mo, 30.4./ Sa, 26.5.2018