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Wenn alltägliche Dinge lebending werden...

Im Jungen Theater KASCHLUPP! können die Zuschauer "Die kleine Meerjungfrau" nach Hans Christian Andersen als Objekttheater erleben.

 

 

Die Zuschauer dürfen sich auf ein fantasievolles und buntes Objekttheater freuen, bei dem Wenja Imlau die Titelrolle übernimmt. FSJlerin Pia Leineweber traf sich mit Regisseur Tobias Weishaupt und sprach mit ihm unter anderem über die besonderen Aspekte dieser Theaterform.

Was kann man sich unter Objekttheater vorstellen?

Objekttheater ist Theater mit alltäglichen Dingen, die uns Tag ein Tag aus begleiten und denen eine andere Definition gegeben wird. Es findet eine Metamorphose statt. Ein gutes Beispiel, um das zu verdeutlichen, ist das "Frühstücksmärchen", ein Stück für Kinder von einem Stuttgarter Ensemble: Die Geschichte spielt sich an einem Frühstückstisch ab, an dem alltägliche Dinge wie Eierbecher, Kaffeetassen oder Kaffeekannen lebendig werden. Der Deckel einer kleinen Espressomaschine beginnt zu sprechen oder das Geschirr klappert unterschiedlich je nachdem, ob es ängstlich oder fröhlich ist. Es wird also der Versuch unternommen, über die Objekte konkrete Gefühle und Zustände herzustellen. Bei meiner Inszenierung von "Die kleine Meerjungfrau" sind es Schuhe. Schuhe sind alltägliche Objekte, mit denen wir unsere Individualität nach außen zeigen. Die kleine Meerjungfrau hat einen Fischschwanz und sehnt sich danach Beine zu haben. Als sie in die Welt der Menschen kommt, tragen alle Schuhe, nur sie nicht. Das ist ihr Alleinstellungsmerkmal und zeigt, dass sie eine Außenstehende ist. Die anderen Menschen definieren sich und ihre Unterschiedlichkeiten über ihre Schuhe. Mit Schuhen können Statements gesetzt werden. Das sehen wir auch heute bei uns in der Gesellschaft. Es gibt Menschen, die barfuß durch die Straßen laufen und es gibt jene, die Wert auf das Tragen von schicken Schuhen legen.

 

 

Wo liegt der Unterschied zwischen Objekt- und Puppentheater?

Eine Puppe definiert immer ein Abbild von einem Menschen oder einer Tiergestalt. Es gibt sehr naturalistische Puppen, die extrem echt wirken. Diese Puppen werden auch als "Homunkulus", als kleine Menschlein, bezeichnet. Eine Abstraktion ist bei Ihnen kaum vorhanden. Für den Zuschauer sind sie dadurch leichter lesbar. Objekttheater ist im Gegensatz dazu abstrakter. Ich nenne da immer gerne das Beispiel von kleinen Kindern, die mit Bauklötzen spielen. Die Bauklötze können zu den unterschiedlichsten Dingen werden. Neben Häusern und Burgen können diese Klötze auch Menschen symbolisieren. Kinder haben also ein Abstraktionsvermögen, das beim Puppentheater aber nicht in demselben Maß notwendig ist wie beim Objekttheater.

Wodurch zeichnet sich für dich "Die kleine Meerjungfrau" aus?

Das Stück handelt im Kern von einer Verwandlung – vom Mädchen zur Frau und von der Meerjungfrau zum Menschen – und eignet sich hervorragend, um es als Objekttheater zu inszenieren. Um ein Mensch zu werden, gibt die kleine Meerjungfrau viel auf und erleidet auch Schmerzen. Dahinter steckt viel Traurigkeit, doch am Ende, das für mich etwas Liebevolles mit sich bringt, hat sie die richtige Entscheidung für sich getroffen.

Warum sollten Kinder sich "Die kleine Meerjungfrau" im KASCHLUPP! anschauen?

"Die kleine Meerjungfrau" ist eine Geschichte über Liebe und Sehnsüchte und natürlich das Erwachsenwerden. Jeder sollte an seinen Träume festhalten und sich ausprobieren. Auch wenn man erst scheitert, es geht trotzdem weiter. Diese Botschaft möchte ich den Zuschauern gerne mit geben.

Vielen Dank für das Gespräch!