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Jahreszeiten4 – Short Silly Stories

Zweiteiliger Ballettabend von Richard Lowe zur Musik von Peter Tschaikowski, Franz Schubert, Eric Satie, Dave Brubeck und anderen

 

„Ich bin sehr in Stimmung, mich jetzt mit Klavierstücken zu beschäftigen“. Das antwortete Peter Iljitsch Tschaikowsky Ende November 1875 dem Petersburger Verleger Nikolaj Bernhard. Dieser hatte die reizvolle Idee, in seiner Zeitschrift „Nouvelliste“ jeden Monat ein passendes Charakterstück zu veröffentlichen. Die konkreten Titel sowie kleine Verse bekannter russischer Dichter wie Alexander Puschkin, Leo Tolstoi oder Appolon Maikow gab er als Vorlage, vielleicht wurden die Zitate aber auch erst später mit der Musik verbunden. Tschaikowsky komponierte ab Januar 1876 nach und nach zwölf Werke für die Ausgaben der Zeitschrift. Exklusiv für Abonnenten publizierte der Verlag noch im selben Jahr eine mit pittoresken Kupferstichen geschmückte Gesamtausgabe aller zwölf „Morceaux caractéristiques“ (Charakterstücke) unter dem Titel „Die Jahreszeiten“. Sie bilden ein umfangreiches Werk von ca. 40 Minuten Spielzeit.

Tatsächlich sind die „Jahreszeiten“ ein im Konzertsaal selten gespieltes Werk. Zu Unrecht, denn Tschaikowski erfasst einfallsreich typische Szenen der jeweiligen Monate, um den Jahresverlauf klanglich zu illustrieren. Er kreiert jeweils passende musikalische Stimmungen: So bringt er im „Mai“ die Atmosphäre einer sternenklaren romantischen Frühlingsnacht zum Klingen und im „September“ wird der Hörer Zeuge einer Jagd.

Richard Lowes Choreografie führt mit Sentiment, Melancholie und Humor Tschaikowskis Musik, die Poesie der russischen Dichter und den Tanz seines Ensembles zu einer spannungsvollen Einheit zusammen. Die Welt des Tanzes - Rhythmus, Plastizität, Körperausdruck, Magie der Gestik, alles was wir im Überfluss in den Balletten Tschaikowskis „Schwanensee“, „Dornröschen“ und „Nussknacker“ finden - entsteht vor uns als ein Mikrokosmos in einer Vielzahl von kleinen Stücken, die wie Miniaturballette anmuten.

Das Bühnenbild von Petra Mollérus nimmt die 12 Monate des Klavierzyklus auf. Im Mittelpunkt des Raumes ist ein großer Kirschbaum im Wechsel der Jahreszeiten zu sehen, die fließenden Stoffe der Kostüme werden das Poetische in Musik und neoklassischer Choreografie bedienen. Der Flügel, an dem Ruslana Pavlovska-Holowko diesen Ballettabend begleitet, wird präsent in der Mitte der Bühne unter dem Baum erklingen und so werden sich Szene und Musik zur Einheit verbinden.

Auch der zweite Teil des Abends mit Werken von Schubert, Satie, Brubeck und anderen wird von Ruslana Pavlovska–Holowko am Flügel begleitet. Short Silly Stories – kleine, vergnügliche und verrückte Geschichten - erzählen von Menschen, die es auf der Suche nach Entspannung und Unterhaltung in eine Piano-Bar treibt. Es sind Begegnungen unterschiedlichster Typen und Charaktere. Da begegnet das It-Girl dem Nerd, das Gothik-Mädchen dem Banker und die Sekretärin ärgert sich über den Zuhälter. Ein Mikrokosmos verrückter Typen, die mit all ihren Launen und Marotten diesen Tanzabend zu vergnüglicher Unterhaltung machen.

Elisabeth Wirtz

 

Choreografie: Richard Lowe

Ausstattung: Petra Mollérus

Mit: Marc Balló y Cateura, Karina Campos Saba, Gaëtan Chailly, Carolin Lusken, Keegan Raven May, Gisela de Paz Solvas, Jérôme Peytour, Charline Pinxteren-Dujardin, Narcís Subatella Sánchez

Am Flügel: Ruslana Pavlovska–Holowko

 

Premiere: Freitag, 7. April 2017, 19.30 Uhr, Landestheater

Einführungssoiree: Sonntag, 2. April 2017, 18.00 Uhr, Detmolder Sommertheater 

Vorstellungen: Mi, 12.4./ Sa, 22.4./ So, 23.4./ Di, 25.4./ Fr, 28.4./ So, 30.4./ Mi, 21.6.2017