Schauspiel |

Heimat als Zustand im Kopf

Soul Kitchen - Eine Komödie über einen Ort, an dem man gerne is(s)t

 

"Ich hab’ ja mal gesagt, dass Heimat kein geografischer Ort ist. Heimat ist eher ein Zustand im Kopf, also der Ort, an dem man sich gerne aufhält. Es muss also nicht zwangsläufig der Ort sein, an dem man geboren wurde. Bei mir fällt das zufällig zusammen. Aber ich kann Menschen aus Kleinstädten oder Dörfern verstehen, die sich dort nicht heimisch fühlen und dann in die Großstadt gehen. Ich kann Leute verstehen, die sich in der Großstadt nicht wohlfühlen und dann aufs Land gehen" – ein solcher Ort, an dem man sich gerne auffällt, ganz so, wie der Regisseur, Autor und Schauspieler Fatih Akin den Begriff ‚Heimat‘ umschreibt, das kann, egal ob nun in einer Weltstadt wie Hamburg oder Berlin oder ‚auf dem Land‘ in einer kleinen Stadt wie Detmold, ein Lokal mit Charakter und Atmosphäre sein. Dazu braucht es aber auch einen Kneipier und gastronomische Mitstreiter von der Küche bis zur Kellnerin, die mit Enthusiasmus, Berufsethos und Findigkeit diese Heimat schaffen und bewahren, trotz oder gerade wegen aller Unbill, die jeder für sich in seinem Leben gerade zu bewältigen hat. Das heißt: Wenn die Bürokratie von Finanz- bis Gesundheitsamt sie denn lässt, ihnen die fiesen Gesetze des Marktes keinen Strich durch die Rechnung machen oder private Turbulenzen das ganze Dasein auf den Kopf stellen.

In Fatih Akins vielfach ausgezeichnetem Film, auf dessen Drehbuch die Theaterfassung von "Soul Kitchen" basiert, versucht Zinos einen solchen Platz, an dem man sich gerne aufhält, zu schaffen. Sein Imbiss - das "Soul Kitchen" - ist mit seinem zunächst recht überschaubaren kulinarischen Angebot nicht unbedingt ein Gourmet-Tempel und finanziell gesundstoßen kann sich Zinos damit auch nicht. Vielmehr holt er sich bei der Kneipenplackerei einen üblen Bandscheibenvorfall… Und da er gerade jetzt auch heftigen Stress mit seiner Freundin Nadine hat – sie macht ihm Vorwürfe wegen seines permanenten Einsatzes in Sachen "Soul Kitchen" und nimmt, berufsbedingt, aber auch als ultimatives ‚Zeichen‘ an ihn, eine Beziehungsauszeit in Shanghai -, und zu allem Überdruss auch noch eine unerbittliche Finanzbeamtin auftaucht, steht er kurz vor dem Aus. Doch, wie Sokrates, der belesene, aber dauerblanke Stammgast, sagen würde: Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch… Durch einen glücklichen Zufall kann er den eigenwilligen Koch Shayn gewinnen, die Gastronomie des "Soul Kitchen" zu revolutionieren. Die Gaumen der Gäste brauchen zwar etwas, bis sie das zu schätzen wissen, doch da die Kneipe mittlerweile auch zum Bandprobenraum für die Combo seines Kellners Lutz erklärt wurde, dessen Kollegin Lucia das Mobiliar modernisiert und das samt Live-Mucke und Kreativküche zusätzlich Kundschaft anlockt, scheint es für Zinos und das "Soul Kitchen" kurze Zeit rund zu laufen. Doch sein kleinkrimineller Bruder Illias und ein ehemaliger Mitschüler, der sich als windiger Immobilienhai entpuppt, erweisen sich als neuerliches Betriebsrisiko. Ob Zinos sich und das "Soul Kitchen" abermals retten kann? Oder herrscht bald "Tristesse an der Theke"? So lautete vor einigen Jahren ein Beitrag in der Lippischen Landes-Zeitung über die durchaus komplexe Lage der hiesigen Gastronomie-Szene mit etlichen Schließungen. Auch einige der damals vorgestellten Lokale und Gastwirte haben mittlerweile längst aufgegeben. Andere sind nach wie vor kulinarische Adressen für die Detmolder und manchmal sogar Wohlfühlorte. Woran das jeweils liege, wurden die Wirte damals gefragt. Sich nicht kurzfristigen Trends zu beugen und vielmehr den Gästen eine Heimat zu bieten, so antwortete damals der Geschäftsführer einer auch heute noch bei den Studenten und Nachtschwärmern Detmolds äußerst beliebten Wirtschaft: das Erfolgsrezept sei in der Gastronomie von der Küche über die Bedienung hin zum Gast nur eines: der Faktor Mensch. So ähnlich hätte es wohl Zinos für seine Kneipe auch beschrieben.

Mit einem spiel- und sangesfreudigen Ensemble in der Regie von Sarah Kohrs (in Detmold zuletzt bei "Drei Männer im
Schnee" zu Gast) und einer Mini-Band unter Ägide von Andrew Garsden öffnet das "Soul Kitchen" im Detmolder Theater am 3. November erstmals. Kommen Sie unbedingt vorbei.

Christian Katzschmann

 

Soul Kitchen

Schauspiel mit Live-Musik nach dem gleichnamigen Film von Fatih Akin und Adam Bousdoukos

 

PREMIERE: Freitag, 3. November 2017, 19.30 Uhr, Landestheater

EINFÜHRUNGSMATINEE: Sonntag, 29. Oktober, 11.30 Uhr, Haus der Immobilie, Bismarckstraße 5

VORSTELLUNGEN: Sa, 11.11./ Do, 16.11./ So, 26.11./ Do, 14.12./ Mi, 27.12.2017/ Do, 11.1./ Mi, 24.1./ Sa, 27.1./ Fr, 9.3.2018