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Blut ist ein ganz besonderer Saft

Ab dem 1. Dezember im Spielplan: "Dracula" - Musical von Frank Wildhorn nach dem Roman von Bram Stoker

 

Vampire sind nicht totzukriegen. Wenn sie nicht den Einbruch dunkler Mächte in die aufgeklärte Welt illustrieren, treten sie als große Verführer auf. Dracula-Legende, Albtraum, Literatur- und Filmklassiker ist nun auch Musical-Held. Seit Bram Stokers berühmtem Vampir-Roman, veröffentlicht 1897, ranken sich zahlreiche schaurige Geschichten um den charismatischen Blutsauger aus den Karpaten. Die anhaltende Begeisterung für den berühmtesten Untoten der Welt nutzte Frank Wildhorn, um an sein Erfolgsmusical "Jekyll & Hyde" direkt mit einem nächsten Hit anzuknüpfen. Zusammen mit den Librettisten Don Black und Christopher Hampton schrieb er ein Musical, das sich von Stokers Schauerroman inspirieren ließ: Auch im Musical wechseln die Schauplätze zwischen einem alten Schloss in den Karpaten und dem städtischen Ambiente Londons.

Der junge Anwalt Jonathan Harker macht sich auf den Weg in die Karpaten, um mit Graf Dracula den Kauf eines Londoner Anwesens abzuschließen. Seltsam ist es im Schloss des Grafen und auch der Aufenthalt gestaltet sich immer sonderbarer. Während des Besuches des jungen Anwaltes verliebt sich der Graf in das Bildnis von Jonathans Verlobter Mina und hat danach nur noch das Ziel, Mina zu besitzen und sie zu seiner "untoten" Geliebten zu machen. Von Graf Dracula gebissen, gelingt Jonathan geschwächt und mehr tot als lebendig die Flucht aus der Burg. Auf der Suche nach frischem Blut verlässt Dracula nach nun hunderten von Jahren die Berge Transsylvaniens, um bald darauf in London Angst und Schrecken zuverbreiten, denn hier, in der Anonymität der großen Metropole, drohen die ahnungslosen Menschen seiner überwältigenden, aber tödlichen Verführungskunst zu verfallen wie einer Droge.

Besonders auf junge Frauen übt der geheimnisvolle, einsame Mann eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Das erste Opfer seiner unstillbaren Blutgier wird Minas Freundin Lucy, welcher selbst der eilig herbeigerufene Vampirjäger Abraham van Helsing nicht mehr helfen kann. Mina selbst fühlt sich von Dracula und der dunklen Seite magisch angezogen. Hin- und hergerissen zwischen Furcht und Liebe lädt sie den Grafen zu sich ein. Von den Vampirjägern verfolgt, bleibt ihm jedoch nichts anderes übrig, als in seine Heimat zu fliehen. Hier im Schloss kommt es zum finalen Kampf und Mina will Dracula in die Ewigkeit der Nacht folgen, doch Dracula ist bereit für Mina seine Unsterblichkeit zu opfern...

Die berührende Liebesgeschichte, die Dracula nicht nur als mordendes Monster zeigt, garantiert große Emotionen, großes Theater und große Melodien. Grusel- trifft Liebesgeschichte in einem Musical, das wie kein anderes den Blutdruck anregt. Im Gespräch mit Christian Zimmermann für das Konzerttheater Coesfeld äußert Regisseur Lars Helmer, der am Landestheater Detmold Frank Wildhorns Musical über den Blutsauger inszeniert, die Figur Draculas sei "das Faszinosum schlechthin": "Das ist eine wahnsinnig romantische Geschichte. Ein Plot,der nicht nur zum Fürchten ist, sondern vor allem Hoffnungweckt." Denn Frank Wildhorns "Dracula" ist vor allem eine Liebesgeschichte zwischen der jungen Mina und einem Vampir. Während die junge Frau sich aus ihrem vorherbestimmten, langweiligen Leben heraussehnt, sucht Dracula nach Erlösung. Da ist Richard Wagners "Fliegender Holländer" nicht weit. Dracula sei eben nicht nur blutrünstig und gefährlich, sagt Lars Helmer, sondern auch durch und durch ein romantischer Held, dazu "optisch und erotisch ein Leckerbissen".

Frank Wildhorns Musik deckt das ganze Spektrum von heutigem Pop über romantische Balladen bis zu mitreißenden Rock-Szenen ab und verspricht einen aufwühlenden Theaterabend.

Elisabeth Wirtz